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Das jüdische Echo · 1916-07-21 · 29 (21.7.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
29 (21.7.1916)
Date
1916-07-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V er 1 a g des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, mmmmm (Inzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zjäile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 29 München / 3. Jahrgang 21. Juli 1916 Zwölf Jahre nach Theodor Herzls Tod. Zwölf Jahre ist es her, daß der Aufschrei erscholl und durch alle Länder der Erde eilte: Theodor Herzl ist tot! Nachdem der erste betäubende Schmerz über das Ende des verehrungswürdigen Menschen sich ein wenig gelegt, erhob sich die bange Frage: Was aber wird aus der von Theodor Herzl geschaffenen Bewegung werden? Wird der Zionismus den Verlust seines Schöpfers und Führers Überstehen? Oder wird mit dem Manne auch sein Werk, die von ihm ins Leben gerufene Organisation sterben? Schien doch seine machtvolle Persönlichkeit, die unvergleichliche Willens- und Anziehungskraft seines Wesens so eng mit dem zionistischen Werke verbunden, daß man sich dieses ohne Theodor Herzl überhaupt nicht vorstellen konnte. Die Zeit hat eine Antwort auf jene Fragen erteilt: 12 Jahre sind seit Theodor Herzl’s Tode dahingegangen, und die letzten beiden dieser 12 Jahre haben eine Katastrophe über die Welt gebracht, unter der die Stützen alles Bestehenden knirschen und wanken. Aber der Zionismus lebt und ist auf dem Wege, zu ungeahnter Kraft zu erstarken. Es lebt das alte zionistische Ideal in den Herzen der Jungen und der Gereiften. Es lebt die durch den Zionismus hervorgerufene Bewegung, die zu den Quellen des jüdischen Volksgeistes zurückstrebt. Es lebt — trotz aller Hindernisse! — das unter unsäglichen Opfern in Palästina Geschaffene. Und — unter den heutigen Verhältnissen vielleicht das größte der Wunder! — es lebt die internationale zionistische Organisation. Zu Beginn des Krieges schien freilich selbst den Treuesten das Erbe Theodor Herzl’s schwer bedroht: Aufgeteilt in die sich bekämpfenden Armeen, eingesponnen in das Interessennetz ihres Wohnlandes, standen Juden einander gegenüber, und die nationale Verschiedenheit des jüdischen Volkes schien zerrissen zu sein. Palästina — die türkische Provinz und das Ansiedlungsland von Tausenden von Juden — erschien bedroht und sein Schicksal ungewiß. Die Zweige der internationalen zionistischen Organisation in den einzelnen Ländern waren auseinandergerissen, durch Postsperre und aufhörenden Güterverkehr von einander getrennt. Und dazu brauste jene ungeheuere Woge von Spannung und von Begeisterung für die Sache des Landes, zu deren Bürgern man sich zählte, über die Welt dahin und schien jegliches Interesse für andere Fragen als die welche unmittelbar die kämpfenden Staaten betrafen, verschlingen zu wollen. Und nun, da sich zum 12. Male Theodor Herzl’s Todestag jährt, erweist es sich, daß auch der schon fast zweijährige Krieg die Macht des zionistischen Gedankens nicht zu brechen vermocht hat. Im Gegenteil: In allen Ländern hat sich gerade während der Kriegszelt das jüdische Nationalgefühl ungemein vertieft. Das Verständnis für ewige Nationalgegensätze, das Gefühl der durch verwandtes Blut und die Gemeinsamkeit der historischen Schicksale bedingten nationalen Zusammengehörigkeit ist 'manchem Juden gerade jetzt erst erwacht. Und in manch einem erwachte stärker als je zuvor jene Sehnsuchtsflamme, die in Theodor Herzl brannte: die Sehnsucht, dem jüdischen Volke endlich eine Heimat, ein Zentrum zu geben. Zwölf Jahre nach des Meisters Tode stehen wir still und sehen uns nach den Früchten seiner Werke, nach den Wirkungen seiner Lehre um. Und wir finden: In weiten Schichten der Judenheit aller Länder lebt das Gefühl der Verbundenheit und gegenseitigen Verantwortlichkeit aller Juden. Es lebt ferner, vor allem in der jüdischen Jugend, der sehnsüchtige Wunsch, in die Quellen des jüdischen Geistes hinabzutauchen und leer gewordene Worte und Gebräuche mit neuem Geist zu erfüllen. Wir finden — wie Theodor Herzl es prophezeit hat — die jüdische Jugend auf dem Wege zur Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr in das Judenland. Zwölf Jahre nach Theodor Herzl’s Tode finden wir, daß in Palästina und allerorten im Golus die hebräische Sprache zu neuem Leben erwacht ist, daß die Schätze der hebräischen Literatur gehoben werden und daß auch die Stiefschwester unserer nationalen Sprache, die jidisehe Sprache, im Leben der Völker und in der Weltliteratur den ihr gebührenden Platz zu erkämpfen beginnt. Zwölf Jahre nach Theodor Herzl’s Tode sehen wir, daß die Masse der polnischen Juden sich zu einer nationalen Gesamtheit organisiert, die ihre Rechte auf eine eigne Spräche, eigne Schule, eigne Formen des geistigen Lebens der Welt gegenüber vertreten will. Wir finden ein Gegenstück zu dieser Erscheinung in Amerika, wo im w.irrfen Durcheinander des Völker und Rassen vermengenden Schmelztiegels die Mehrzahl der jüdischen Einwanderer sich aus eignem Willen zu einer nationalen Gesamtheit zusammenschließt, um auf einem künftigen Friedenskongreß die Sache der Juden aller Länder zu ihrer eignen Sache zu machen. Zwölf Jahre nach Theodor Herzl’s Tode finden wir, daß zahlreiche junge Juden in Deutsch-

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