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Das jüdische Echo · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · p. Seite 260

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 Das Jüdische Echo Nr. 28 den Rechte zuerkannt werden und verwahren uns gegen jede Unterdrückung derselben. 3. Die Schul- und Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen soll das Hebräische seiin, wohin auf Grund der bestehenden Schulen die Entwicklung zu führen ist. Der Erlernung der Landessprache soll ein angemessener Raum im Lehrplane der jüdischen Schule eingeräumt werden. Diese Resolutionen werden den österreichischen Verwaltungs-Organen, die sich mit einer Neuordnung des Schulwesens im polnischen besetzten Gebiet befassen, vorgelegt werden. Russische Pogrome. Durch die Veröffentlichung eines Briefwechsels zwischen dem Bischof Nikon und einer Person, die ihm wegen seines den Juden gewährten Schutzes Vorwürfe macht, wird bekannt, daß am 20. Mai in Krasnonojarsk in Sibirien ein Judenpogrom ausgebrochen ist, über den offenbar die Zeitungen nicht berichten durften. Es erweist sich, daß der Pogrom infolge der von der Regierung systematisch allerorten verbreiteten Verleumdung, die Juden hätten die Teuerung verschuldet, entstanden ist. Eine Spende Jacob Schiffs. Jacob Schiff spendete 50 000 Dollar zur Grüdung eines Verlages, der gute jüdische Literatur ins Englische übertragen soll. Kulturarbeit im Osten. Laut Jahresbericht der in Warschau veranstalteten Schulausstellung waren anfangs 1916 in den Warschauer Elementarschulen unter 26 636 Kindern 2169 jüdische, darunter 671 Knaben und 1529 Mädchen. Die vielen Tausende jüdischer Kinder, die in Chedarim lernen, sind dort nicht angegeben. In den 31 Knaben- und den 80 Mädchen - Mittelschulen machten die jüdischen Schüler 34% aus, wobei in den christlichen Schulen 2127 jüdische Knaben und 1267 jüdische Mädchen, in den jüdischen Mittelschulen dagegen 908 Knaben und 3963 Mädchen waren. — Der Wiilnaer Rabbiner erhielt aus Amerika 100 000 Rubel zur Errichtung von Schulen f ü r heimatlose Kinder. ‘Als Unterrichtssprache für diese Schulen ist jüdisch festgesetzt. — Der jüdische Agrikulturverein „Hacholutz“ in Lodz, der eine Organisation der jüdischen Gärtner durchgeführt hat, ordnete für seine Mitglieder sonntägliche Ausflüge, vornehmlich zu wissenschaftlichen Zwecken an. — Der Lodzer Verein „Oliel Bachurim“ hat sich in einen religiösen Jugendverein verwandelt, der sich die Belehrung der Jugend im jüdisch-religiösen Geiste, Gründung von Bibelkursen, Einrichtung von /Sabbatküchen und Bädern, Leistung medizinischer Hilfe usw. für arme Juden zum Ziele setzte. — Aus dem Jahresbericht des Vereins „Arb eite rhe im“ in Lodz geht hervor, daß die vom Verein veranstalteten Abendkurse von mehr als 500 Schülern besucht wurden. In der Lesehalle Hotel Simson Tutzing I am Starnbergersee Pension von Mk. 7.— an | bei bekannt guter Verpflegung jj des Vereins wurden innerhalb 8 Monaten 30 000 Bücher gelesen. Eine starke Beteiligung fand auch der Chor und die dramatische Abteilung des Arbeiterheimes, ebenso die Volksküche und die Teehalle des. Vereins. — . .... In Tschenstochau wurde ein Ar beit er bildungsverein nach Warschauer Vorbild mit wissenschaftlichen und sprachlichen Selbstbildungskursen in der jüdischen Sprache, Lesehalle, Bibliothek, Teehalle us"' gegründet. — Der jüdische Frauenschutzverein m Lodz eröffnete vor kurzem ein jüdisches M ä d c h e n - heim verbunden mit einem Arbeitervermittlungs- und Emigrationsbüro. Das Heim besitzt u. a. auch eine Teehalle, Zuschneide-, Stickereischule und veranstaltet sprachliche und allgemeine Bildungskurse. — Sephardim in Mexiko. Das American Jewish Committee hat die Staatenregierung in Washington ersucht, den in Mexiko lebenden türkischen Juden ihren Schutz zu gewähren. Diese, besonders die in Veracruz lebenden, haben unter den jetzigen unruhigen Verhältnissen sehr zu leiden. Die Staatsverwaltung hat versprochen, sich dieser Juden anzunehmen. Der Jüdische Nationalfonds. Im Mai 1916 erreichten die Spenden-Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds den Betrag von 61 704 Mark. Es beteiligten sich hieran Österreich mit 18 938 Mk., Rußland 7466 Mk., Deutschland 7368 Mk., Nordamerika 7079 Mk., Ungarn 7066 Mk., Rumänien 3427 Mk., Kanada 2502 Mk., Holland 2005 Mk., Siidslavische Länder 1342 Mk., England 1248 Mk., Ägypten 906 Mk., Italien 706 Mk., Frankreich und Tunis 685 Mk., Schweiz 556 Mk. und Belgien 416 Mark. Die Blume n tage zugunsten des Jüdischen Nationalfonds haben in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Reinerträgnis von ca. 15 000 Dollar, in Holland von ca. 3000 Gulden gebracht. In Amsterdam wurde vom dortigen Nationalfonds- Büro die Propaganda für den Blumentag durch die Ausstellung „Das verschwindende Amsterdamer Ghetto im Bilde“ eingeleitet, die vom Amsterdamer Bürgermeister eröffnet wurde und in größter Reichhaltigkeit und Anschaulichkeit ein Stück jüdische Kulturgeschichte darstellte. Schon vor einiger Zeit haben die Zionisten Englands die Eintragung des Duma-Abgeordneten Friedmann und des amerikanischen Botschafters Mo r genthau ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds veranlaßt. Nunmehr haben auch die belgischen Zionisten die Eintragung Morgenthaus in Anbetracht seiner Verdienste um die jüdische Siedlung in Palästina bewirkt. Der jüdische Nationalfond hat der serologischen Abteilung des Gesundheitsamtes in Jerusalem in Hinblick auf ihre hervorragenden Leistungen, zur Bekämpfung der epidemischen Krankheiten in Pa- Iastma, aus den Eingängen für die Notstandsaktion Jüdischen Nationalfonds ein Darlehen von 4000 Mark bewilligt. Frauen als Grabredner. Der Vorstand der Berhner jüdischen Gemeinde hat die Entscheidung geti offen, daß künftig Frauen auf besonderen An-, trag hin bei Beerdigungen als Rednerinnen am Urabe zugelassen werden dürfen. Am Grabe einer kürzlich verstorbenen Berliner Dame hat mit Erlaubnis des Gemeindevorstandes die Vorsitzende eines Wohltätigkeitsvereines die Grabrede gehalten.

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