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Das jüdische Echo · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · p. Seite 258

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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258 Das Jüdische Echo Nr. 28 forschen. Den Kapitalismus aber zu erforschen, zog Sombart aus und fand — den Juden. Sombart sah „plötzlich“, daß er bei der geplanten Neubearbeitung seines „Modernen Kapitalismus“ den Juden den ihnen wirtschaftsgeschichtlich gebührenden Platz anweisen müsse. Sowohl die allgemeine Geschichte, als auch die jüdische Geschichte versagte, als er daran ging, die Lücken, die er gefunden, auszufüllen. Unter der Hand ward ihm in mehrjähriger Arbeit aus einer Neuauflage seines „Modernen Kapitalismus“ ein eigenes Buch. Das aber durfte nicht mehr heißen: Der Einfluß der Juden auf die Entstehung des modernen Kapitalismus; es heißt: „Die Juden und das Wirtschaftsleben.“ Die Genesis des Buches ist ungemein aufschlußreich für unsere Kritik der jüdischen Geschichtswissenschaft. Sombart ist von der anderen Seite, der nichtjüdischen, gekommen und ist hierbei auf jüdische Stoffelemente gestoßen, die den andern entgangen waren, die sich sofort in medias res judaicas begeben hatten und darin geblieben waren. So fand er im Kapitalismus Jüdisches, und im Jüdischen wieder Kapitalistisches und bereicherte gleicherweise unsere Kenntnisse vom Kapitalismus und vom Judentum. Methodologisch und heuristisch — in Hinsicht auf Problemlösung und Mittel der Problemlösung — ist dieser von Sombart auf wirtschaftshistorischem Gebiete elingeschlagene Weg vorbildlich für die Erforschung auch aller anderen Zweige des geistigen und materiellen Lebens und der Erforschung der Wirksamkeit des jüdischen Elementes darin. Bekannt ist, daß die positiven Ergebnisse, zu denen Sombart in seinem Buch kommt, von seinen Kritikern vielfach angefochten worden sind, zum Teil sicher mit Recht. Ist es auch Sombart vor allem auf diese Ergebnisse angekommen — er wollte den Kapitalismus erforschen — und hat er auch vermutlich bei der Spezialität seines Zweckes sich hier über die zu erörternde Methodologie der jüdischen Wissenschaft nicht die klare Vorstellung gemacht, wie wir sie durch die Analyse seiner Methode gewinnen, so stehe ich doch nicht an, vom Standpunkt der jüdischen Wissenschaft das wertvollste Ergebnis seiner Arbeit darin zu sehen: er hat durch praktisches Beispiel gezeigt, wie den jüdischen Dingen beizukommen ist. Die bisherige wissenschaftliche Spaltung — allgemeine Geschichte (deutsche, französische usw.) einerseits, jüdische Geschichte andererseits verursacht hüben und drüben falsche Vorstellungen von dem wirklichen Gang der Dinge. Die Wirklichkeit der Dinge ist: Verquickung von Jüdischem und Nichtjüdischem. Ein großer Teil des äußerlich jüdischen Tatbestandes ist nicht nur jüdisch, ein großer Teil des nichtjüdischen nicht nur nichtjüdisch. Die bisherigen Darstellungen jüdischer Geschichte stellen wohl Ereignisse dar, die Juden Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (HotelKönigshof) anlangen, aber diese Ereignisse sind zumeist herausgerissene Bruchstücke aus der Gesamtheit des weder Juden noch Nichtjuden, sondern beiden zusammen gehörigen Geschehens. Wenn mit grobmaschigen Netzen im Meer der Iatsachen nach äußerlich jüdisch interessanten Tatsachen gefischt wurde, dann mußten natürlich alle die nur feineren Methoden zugänglichen Tatbestände durch die Maschen gleiten, und das sind gerade die Tatbestände, in denen Jüdisches untrennbar verquickt ist mit Nichtjüdischem und die deshalb äußerlich der jüdischen Form ermangeln. Was ist daher der Hauptsache nach die Darstellung jüdischer Geschichte nach Christi Geburt wie sie bisher zumeist traktiert wurde und wie sie daher auch in unserer Vorstellung dominiert? Marterchronik! Ihr Gegenstand? Jüdische Passivität! Sie liefert außer einer Aufzählung der drückenden Rechtsvorschriften nur grobschächtige Tatsachen: Absperrungen, Vertreibungen, Verfolgungen, Verbrennungen, Beraubungen, Entrechtung, gesellschaftliche Ächtung. Gegenstand der Darstellung wirklicher jüdischer Geschichte aber wären nicht die nur für die Kulturgeschichte der Wirtsvölker interessanten Leiden der Juden, sondern ihre höchst intensive aktive Beteiligung am Leben der Wirtsvölker, ihre im Stillen sich vollziehende Tätigkeit bei aller äußerlichen Passivität, bei aller lokalen, rechtlichen, gesellschaftlichen Isolierung. Dieses tatächliche Mittendrinsein der Juden gegenüber ihrem scheinbaren Draußensein, entging aber auch den Historikern nichtjüdischer Geschichte. Die meisten bisherigen Erforschungen jüdischer Geschichte beruhen auf der Fiktion, es gäbe in den letzten 2000 Jahren eine jüdische Geschichte, wie es eine deutsche, eine französische gibt, und dieser wesenlosen Fiktion geben sie materielle Erscheinung, indem sie sie ausfüllen mit jenen, aus dem Geschehen nach äußerlichen Gesichtspunkten herausgerissenen Bruchstücken. Rein Jüdisches „geschieht“ seit fast 2000 Jahren nichts im Sinne von geschichtlichem Geschehen. Daher ist „jüdische Geschichte“ wörtlich genommen eine contradictio in adjecto. Rein jüdisch geschah und geschieht nur die Übung der alten Zeremonien, das Studium der alten Schriften, sowie deren Kommentieren, Paraphrasieren, freilich auch mit Zugeständnissen an den Zeitgeist: dann aber ist auch diese Tatsache schon keine rein jüdische mehr,' denn die Ursache ist nicht jüdisch. (Fortsetzung folgt.) Eine Entgleisung des Verlags Georg Müller. Der bekannte Münchener Verlag zeigt im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ die Übersetzung aus dem Polnischen -des Romanes von Elisa Orzeszko „Licht der Finsternis“ an. Für diesen Roman, der die Sitten und geistigen Strömungen der Judenstädte im vorigen Jahrhundert schildert und — nach Art vieler Romane jener Licht und Schatten grell neben einander stellt, macht der genannte Verlag im „Buchhändler-Börsenblatt“ durch folgende Anzeige Reklame: »Die Geheimnisse der Kabbala, der Thora und des Ialmuds werden hier enthüllt wie auch die jüdische Massenseele. Die Macht der Melaineds, der blutige Haß gegen die Gojim, der selbst vor dein Mord nicht zuriickschreckt, werden anschaulich geschildert.“

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