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Das jüdische Echo · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszcit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, mwMmm ft n z e i g e n : Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 28 München / 3. Jahrgang 14. Juli 1916 Die Wahlen ins Warschauer Stadtparlament. Nachrichten aus Warschau zufolge haben sich am 30. Juni die polnischen Parteien und die Juden auf eine gemeinsame Wahlliste geeinigt, infolgedessen die Wahl in der 1., 2., 4. und 5. Kurie entfällt. Im Ganzen sollen 60 Stadtverordnete gewählt werden, worunter 45 Polen und 15 Juden sein werden. Über die Vorgänge, die diesem Wahlergebnis vorausgingen, berichtet die „Jiid. Rundschau“: „Dank der unermüdlichen Tätigkeit des „Vereinigten jüdischen Wahlkomitees“ und der Agitation der gesamten jüdischen Presse beteiligten sich die jüdischen Wähler eifrig an der Eintragung in die Wahllisten. Die extremen Assimilanten veröffentlichten am 29. Juni in den polnischen Zeitungen einen zweiten Aufruf, in dem sie gegen die Bildung eines jüdischen Komitees, dias zu religiöser Separierung führe und dem Staatsgedanken und Liberalismus widerspreche, Protest erhoben und die jüdischen Wähler aufforderten, nur für die Listen zu stimmen, die ihren allgemeinen politischen Ansichten entsprächen, ohne Rücksicht auf nationale Interessen. Auch innerhalb der jüdischen nationalen Parteien wurden von verschiedenen Seiten Stimmen der Unzufriedenheit über das „Vereinigte Jüdische Wahlkomitee“ laut, in dem die Verteidigung der nationalen Rechte, den Neuassimilanten zuliebe, angeblich vernachlässigt würde. Diese Stimmung führte zur Bildung eines zweiten jüdischen Wahlkomitees, das sich „Volkskomitee“ nennt und das eine Vorwahlversammlung im Lokal des „Vereins der jüdischen Literaten und Journalisten“, unter Beteiligung der Herren N. Priluzky, H. D. Nomberg-Hirschhorn u. a. abhielt. Beide polnische Wahlkomitees, das „nationale“ und „demokratische“, traten mit dem „Vereinigten Jüdischen Wahlkomitee“ in Verbindung, um eine gemeinsame Kandidatenliste fiir die einzelnen Kurien aufzustellen. Auf einer Beratung der Vertreter dieser drei Komitees soll am 30. Juni folgende Vereinbarung über die Verteilung der Mandatenzahl getroffen' worden sein: das polnische nationale Komitee erhält 26 Mandate, das polmnische demokratische 19; die Juden erhalten 15 Mandate, von denen auf das „Vereinigte Jüdische Wahlkomitee“ 12 und auf die sogenannte „Gruppe des Herrn Boleslaw Eiger“ (eine Zwischenschicht zwischen den Neo-Assimilanten des jüdischen Wahlkomitees und den extremen Polen mosaischer Konfession, die die bekannte Erklärung mit den 103 Unterschriften veröffentlichten), 3 entfallen. Die wissenschaftliche und die politische Judenfrage. Von Sigbert Feuchtwanger. In der „Zeitschrift für Politik“ (Carl Heymanns Verlag, Berlin) hat Sigbert Feuchtwanger eine Abhandlung mit dem obigen Titel veröffentlicht, die demnächst in Form einer selbständigen Schrift erscheinen wird. Wir werden dieser Arbeit in einer unserer nächsten Nummern eine eingehende Besprechung widmen. Im nachfolgenden greifen wir die zu ihrem Verständnis notwendigsten Stellen aus der Abhandlung heraus. Die Problematik alles Jüdischen ist schon begründet in der Problematik der Judenfrage selbst. . . Die Judenfrage ist so sehr Frage, daß sogar ihr Inhalt selbst fraglich ist. Die mangelhafte Fragestellung hat ihren Grund in der mangelhaften Erfassung des zu bedenkenden und zu behandelnden Gegenstandes, nämlich des jüdischen Wesens und Geschehens. Daß. alle, Juden und Nichtjuden, die sich auf jüdisches Gebiet begeben, sich auf so schwachem Grunde fühlen, hat seinen Grund in der mangelhaften Fundamentierung des Grundes, es fehlt die wissenschaftliche Grundlegung der Judenfrage. Dies ist die wissenschaftliche Judenfrage. Sie kommt vor der politischen. Die Unsicherheit des Handelns ist begründet in der Unsicherheit des Wissens. Weil wir nur eine jüdische Chronik haben, nicht eine jüdische Geschichte, die diesen Namen verdient, darum haben wir auch keine jüdische Politik, die diesen Namen verdient. Das Handeln wird Politik werden, wenn die Chronik Geschichte geworden ist. Die Wissenschaft vom Judentum hat die Aufgabe, das Jüdische festzustellen, Sinn und Zusammenhang in der Flucht der Erscheinungen nachzuweisen. Wenn diese Aufgabe von der bändereichen jüdischen Wissenschaft bisher so unzulänglich erfüllt ward, so kann nur die unzulänglich Erkenntnis der Aufgabe und, damit zusammenhängend, die Unlänglichkeit der Stofferfassung die Schuld tragen. Jüdische Geschichte. Man stelle einander gegenüber die bekannten jüdischen Geschichtswerke von Graetz, Philippson, Caro usw. einerseits, andererseits Sombarts „Die Juden und das Wirtschaftsleben“. Jene kommen von ganz wo anders her, als dieser. Jene wollten ex professo die Geschichte der Juden er-

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