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Das jüdische Echo · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · p. Seite 252

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 252 (sequence 8)
Language
German
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252 Das Jüdische Echo Nr. 27 blick über die Lage der Juden in Polen von den ältesten Zeiten bis zur Katastrophe in der Mitte des 17. Jahrhunderts; der zweite einen solchen über die Periode von den Kosakenkämpfen bis zur Teilung des Reiches; als dritte Periode wird diejenige vom Untergang des Reiches bis auf die Gegenwart behandelt. Der Herzl-Wald. Herausgegeben vom Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds. Den Haag. Das Schriftchen schildert in anschaulicher Weise die Entstehung und Entwicklung des Herzl-Waldes in Palästina und enthält wichtige Zahlen und Daten. Ein Anhang berichtet in knapper, übersichtlicher Form über den Jüdischen Nationalfonds und seine Kolonisationstätigkeit. Schlichte Kriegserlebnisse von Dr. Felix A. Theilhaber (Lamm’s Jüdische Feldbücherei, Verlag Louis Lamm, Berlin). Das Büchlein enthält eine Reihe frischer, packender Schilderungen von Eindrücken und Erlebnissen, die der Verfasser im Westen und 'im Osten hatte. Huber und Cox; Ein zeitgenössisches Gespräch von Bernhard Guttmann (Eugen Diedrichs Verlag in Jena). Ein Engländer und ein Deutscher unterhalten sich über die Eigenschaften ihrer Völker, auf einmal entstehbn durch kapriziöses Saltomortale des Verfassers vier Vertreter neuer Zwischentypen, und es gibt eine geistreiche Debatte mit Persiflage der üblichen Philisterphrasen. 1914. Der deutsche Krieg im deutschen Gedicht. Balladen, ausgewählt von Julius Bab. (Verlag Morawe & Scheffelt, Berlin). Unter den Verfassern sind Franz Karl Ginzkey, Albrecht Schaeffer, Josef Winckler, Börries v. Münchhausen, Hans Brennert, Isolde Kurz u. a. Feuilleton Die Stadt der Toten. Von L. S c h a p i r o. (Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz.) i. In der Totenstadt herrscht stets friedlich-weiche Stille. Die einst Menschen waren und jetzt ihr Gezelt hier aufschlugen, die haben dort unten in der Stadt der Lebenden nie jene glückliche Ruhe und milde Stille gefühlt, die sie jetzt genießen; —auch die Glücklichsten unter ihnen kennen diese gute Stille erst jetzt. So werfen sie denn ihre Körper von sich, wie schwere drückende Kleider und bergen sie unter den Grabsteinen. Frei und leicht erheben sich die Seelen aus den Gräbern, schweben glücklich über dem heiligen Ort ihrer ewigen Ruh’ und besehen ihr Reich. Ihr Blick aber schweift gern über ihr Reich hinaus. Wenn das Reich sich nach Norden wendet, ersieht es träumerisch wogende Kornfelder, umgoldet von den kosenden Sonnenstrahlen. Im Westen, jenseits der staubigen Landstraße, blinzeln ein paar schläfrige Bauernhäuschen ins Sonnenlicht. Hinter ihnen träumen wieder Felder den Traum ihrer Fruchtbarkeit. ' Ostwärts wiegt sich am Fuße des zackigsteilen lehmgelben Berghanges das trägtiefe Wasser des Flusses. Sein Gegenufer umzittern schwanke schlanke Weiden und streben vom Ufer fort dem Gipfel eines Hügels zu. Von der Südseite aber wenden die Seelen unwillig den Blick: denn im Tale breitet sich unter einer grauen Nebeldecke die Stadt der Lebenden, ihr einstiger Wohnsitz .. . Ihre jetzigen Wohnungen stehen in langen Reihen, mit naiver, doch vielfältiger Architektur gebaut, bewacht von hohen und niedrigen Grabsteinen. Über den ganzen Friedhof sind die lotenhäuschen zerstreut; frischaufgeworfene braune Gräber wechseln mit wildumwachsenen altgrünen Frdhiigeln; bald stehen sie in geraden Reihen, bald sind sie durcheinander geworfen, wie die Würfel eines Knöchelspiels. Tintenbäumchen und Friedhofbirnen recken sich schattend aus dem grünen, blumenbesäten Plan .... Lustig und leicht schweben die Seelen ohne Furcht von Sonne und Tag im weiten umzäunten Friedhofsraum. Manche ^lustig-dTfeiste schwebt über den Zaun hinüber ins freie Feld. Mit ihren Flügeln streicht sie sanft über die Köpfe der träumenden Ähren und kehrt mit still-freudigem Lächeln zurück zum Frieden der Totenstadt .... Manchmal kommt ein Lebender in die Totenstadt hinein oder geht nahe am Zaun vorüber. Da verschwinden die Seelen eilends. Und nur der Schauer, der durch die Seele des Lebenden zieht, läßt ihn ahnen, daß die Seelen der Toten hier geweilt .... Wenn der alte Dan, der Wächter der Totenruhe, mit Hacke und Schaufel durch sein „Revier“ streift — die Schaufäden seiner Arbekanfas laufen wie Herolde ihm voraus — da verstecken sich die Seelen hinter den Grabsteinen und gucken ungeduldig hervor; sie warten, bis er geht und ihnen Platz macht. Ein einziges lebendes Wesen scheucht die Seelen nicht fort. Wenn die kleine Bejle, Dans Enkelin, •— sie ist kaum neun Jahre alt — zwischen den Gräbern herumtollt, dann einen sich die geläuterten Seelen mit den Sonnenstrahlen und dem lichten Windhauch vom Felde her — und alle zusammen streicheln das Kind, spielen mit ihren schwarzen Locken, jagen und haschen und fangen sie, lassen sie los und fassen sie wieder. Und Bejle tollt zwischen den Grabsteinen, tanzt und springt und klatscht in die Hände. Sie spricht etwas und lacht; ihr Lachen klingt durch die Stille wie ein frohhelles Glöckchen in weiter Wüste . . . Der alte Dan hört ihre Stimme, beugt sich aus dem kleinen Fenster und ruft: „Bejle! .... Bejle! .... Mit wem sprichst Du, Kind? . . . .“ Sie hört ihn nicht und verschwindet zwischen den'Gräbern. Mit finsterem, versorgtem Blick schaut ihr der Großvater nach und seufzt; schmerzlich murmeln seine Lippen: „Kind! . . . j Lieb Kind! ... Wip wirr! Hac nur wprrlpn? . . * II. Der Mann an der Schwelle des Todes, das Kind an der Schwelle des Lebens —■ das sind die Hüter der Totenstadt. Dreißig Jahre wohnt schon der alte Dan in dem kleinen Häuschen mit den blinden Fenstern. Dreißig Jahre öffnet er stumm das alte graue Tor unter dem spangrünen Dach und läßt die Toten ein .... Doch bis heute hat er noch nie jene leichte Aufregung bezwingen können, die ihn immer erfaßt, wenn die Totengemeinde um ein Mitglied reicher wird. „Wieder ist einer gestorben! Es ist ja ganz natürlich, denn so hat Gott die Welt geschaffen; doch. . . .“ Und während die Diener Erde über dem Grabe aufschiitten, solange die Waisen das Totengebet sagen und die Menge ihnen in einer gewissen Spannung zuhört, solange ist das Gesicht des alten Dan erregt und feierlich. Etwas Bedeutsames

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