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Das jüdische Echo · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · p. Seite 250

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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250 Das Jüdische Echo Nr. 27 ist es bezeichnend, daß der von ihm zum Studium der Verhältnisse1 nach dem nördlichen Kriegsgebiet entsandte Sekretär der „Osterr.-Israelit. Union“, Herr Fleischer, folgende „Wahrnehmungen“ mitteilt: Erstens gehe es den Juden im Okkupationsgebiet gar nicht so schlecht. Zweitens sei es ihre Pflicht, alle „separatistischen Tendenzen aufzugeben, d. h. sich den Polen zu assimilieren. Auch sollten sie sich über ihr Schicksal nicht beklagen, denn —< es sei ja Krieg. Und was die Schulfrage betreffe, so brauchten die Juden keine Schulen mit eigener Unterrichtssprache, sondern müßten die polnische Unterrichtssprache annehmen. Wenn sich das jüdische Volk nur vor einer Vergewaltigung durch manche seiner „Retter“ schützen könnte! Kulturarbeit im Osten. In Petersburg wurde eine jüdische Gesellschaft für Kunst und Liiteratur gegründet, 'die sich vornehmlich die Pflege der jüdischen Sprache zum Ziel setzte und zu diesem Zwecke Abteilungen in den Provinzstädten zu eröffnen beabsichtigt. — Der Verein „Agudath Israel“ hat sich mit dem Lodzer jüdischen Hilfsverein Jn Verbindung gesetzt zum Zwecke der gemeinsamen Eröffnung eines Arbeitervermittlungsbüros für die Auswanderung jüdischer Arbeiter nach Deutsch fand. — Die Verwaltung der Arbeiterkulturgesellschaft „Haor“ in Lodz hat beschlossen, demnächst eine Reihe systematischer Vorträge über ökonomische und soziale Fragen für die Mitglieder der Arbeitergesellschaften zu veranstalten. Ein ähnliches Unternehmen hat der Lodzer Fabrikmeisterverein ins Leben gerufen. — Am 12. Juni fand in Lodz ein großes jüdisches Turnfest statt, an dem über tausend Personen teilnahmen. Die Verwaltung des Lodzer Schul- und Chedarimbesitzervereins hat beschlossen die bisherige 10 —• 1 2 s t ü n d i g e Schulzeit, die sich für die Kinder als sehr ermüdend erwies, entsprechend abzukürzen. Russische Juden und Staatsdienst. Bei dem im Juni stattgefundenen Seniorenkonvent in der russischen Duma wurde die Nationalitätenfrage aufs neue aufgerollt. In ihren Kommentaren zu dieser Sitzung des Seniorenkonvents erklärten die Petersburger Zeitungen, daß die Frage der kleinen Nationalitäten bald in der Reichsduma aufs Tapet kommen werde. Den Anstoß hierzu gibt ein von Maklakow ausgearbeiteter Gesetzentwurf über die völlige Gleichstellung der Bauern mit allen anderen Klassen der russischen Bevölkerung. Es soll Maklakow gelungen sein, für seine Fassung des Gesetzes eine Mehrheit zu gewinnen. Der Entwurf Maklakows stellt die Bauern allen anderen Klassen gleich, nur die Kadettenfraktion hat beschlossen, einen Zusatzantrag zu stellen, dahingehend, daß sämtliche Nationalitäten Rußlands das Recht zum Eintritt in den Staatsdienst erhalten. In den betreffenden Sitzungen der Kadettenfraktion sprach ein Bauernabgeordneter die Befürchtung aus, daß durch diesen Zusatzantrag, der die Verleihung des Rechtes zum Staatsdienst auch an die Juden vorsieht, der Gesetzentwurf für die anderen Parteien und für die Regierung unannehmbar werde und deshalb seine Ablehnung zu befürchten sei. Br ersuchte daher im Interesse der Bauernschaft das Gesetz nicht durch Aufrollen Zwei Dichter. Das sozialistische Tageblatt von Toulouse „Midi Socialistc“ gibt seinen Lesern mit denken: Er hieß Leon Israel und war revolutionärer Dichter. Er schrieb proletarische Lieder für die Guerre Sociale“, in denen er mit großer lyrischer Begabung die Arbeiter für die Brüderlichkeit der Völker (und für den Menschheitsfriedlen begeisterte. Am Vorabend des Kriegsausbruches beteiligte er sich an der Friedensdemonstration des Pariser Gewerkschaftsbundes. Als aber Frankreich in Gefahr war, niedergeschlagen zu werden, da eilte er zu den Fahnen. Er wurde zweimal’ verwundet, aber er kämpfte weiter wie ein Löwe, bis eine deutsche Kugel seinem Leben bei Verdun ein Ende machte. — Er hieß Maurice Barres und war Romanschriftsteller. Seit fünfundzwanzig Jahren predigte er die Revanche, den Nationalismus und den Antisemitismus. Er gab Lektionen der Energie an die Studenten, die er jedes Jahr zum Grabmal des Kaisers Napoleon I. und zur Straßburgstatue führte. Er war Präsident des Bundes der Patrioten und seiner Freunde, seine Bewunderinnen und auch seine Gegner zweifelten gar nicht daran, daß er als erster ins Feuer gehen würde. Er ging tatsächlich ins Feuer, aber doch nur in die Flammen, die von der Rampe des Theatre Frangais ausstrahlten. Die amerikanisch-jüdischen Wähler. Es scheint, daß die jüdischen Massen Amerikas, die sich — trotz der gegenteiligen Versicherungen ihrer assimilatorisch gesinnten Führer — im öffentlichen Leben, besonders zur Zeit der Präsidentenwahlen immer wieder als eine geschlossene Nationalität erweisen, sich für die Wahl des Kandidaten Hughes einsetzen werden. Der Grund der Bevorzugung ist folgender: Eine Körperschaft, welche die über 500 000 Seelen zählenden jüdischen Wähler vertrat, hat sich kürzlich sowoli1 an Wilson wie an Hughes mit der Frage gewandt, was jeder von ihnen zur Linderung der russischen Judennot zu tun gedächte. Wilson hat hierauf überhaupt keine Antwort erteilt, während Hughes erklärte, er würde, falls er Präsident werden sollte, die von dem einstigen Präsidenten Taft eingeleitete Aktion zur Aufhebung der russischen Ausnahmegesetze wieder aufnehmen, da Amerika kraft seines Einflusses auf die europäischen Mächte imstande sei, der Menschheit zu dienen. Wieweit die jüdischen Wähler berechtigt sind, sich auf diese Versicherung zu verlassen, läßt sich freilich noch nicht übersehen. Die jüdische Kongreßbewegung in Amerika. Nachdem sich das American Jewish Committee, in dem jene amerikanischen Juden vereinigt sind, die sich bisher kraft ihrer ökonomischen Lage und ihres Einflusses auf das öffentliche Leben als die Führer der amerikanischen Judenheit fühlten, noch nicht entschließen konnte, sich dem bevorstehenden Kongreß anzuschließen, der auf einer demokratischen Basis beruhen und die 'amerikanisch-jüdischen Massen zu einer nationalen Einheit verbinden soll, hat das genannte Komitee beschlossen, eine Konfernz der jüdischen Organisationen Amerikas zu veranstalten. Auf dieser Kon-

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