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Das jüdische Echo · 1916-06-30 · 26 (30.6.1916) · p. Seite 242

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 242 (sequence 6)
Language
German
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242 Das Jüdische Echo Nr. 26 Leidenschaftlich tief der Dichter wiederholt seine näheren Freunde dazu auf. sich an die Aufgabe der Schaffung einer hebräischen Kinderliteratur zu stellen und ihre Pflicht dem künftigen Geschlecht gegenüber zu erfüllen. Wir sind daher überzeugt, daß die Gründung eines speziellen Fonds auf den Namen des Dichters zwecks Herausgabe guter Kinderliteratur in der hebräischen Sprache von Bialik als das schönste Geschenk empfunden werden wird, das wir ihm zum 25jährigen Jubiläum seines Schaffens bringen können. Für einen fruchtbaren Anfang werden nur 25 000 Rubel gebraucht. Wir sind überzeugt, die Judenheit wird schnell und freudig diesen Betrag zusammenbringen. Jeden, dem der Dichter, dem die jüdische Zukunft und ihr Zusammenhang mit der Vergangenheit teuer ist, der Leben will und nach Erneuerung des Volkes und der Sprache strebt, soll an dieser kleinen aber sehr wertvollen und wahrhaft volkstümlichen Arbeit Anteil nehmen.“ Die Zeitschrift „Jewrejskaja Shisn“ begann bald darauf Listen der einlaufenden Beträge zu veröffentlichen. Den bisher veröffentlichten Listen zufolge sind im Laufe eines Monats an die Adresse des Herrn J. A. Najditsch (Moskau, Armjansk Nr. 9) 8220,60 Rubel eingegangen. Es ist ein bedeutsames Zeichen, daß sich in diesen Tagen höchster Not das jüdische Volk der hohen Bedeutung dieses Dichters für das Leben des Judentums bewußt ist und inmitten aller Bedrängnis sein Jubiläum zu einer nationalen Feier gestaltet. Die Talmudistin. Eine chassidische Legende von Josef Patai. Autorisierte Übersetzung aus dem Ungarischen von Rose Friede. Wie alle Welt weiß, war der Beizer Zaddik dazu auserkoren, als Messias auf Erden zu erscheinen und die Welt zu erlösen. Die Heiligkeit und Reinheit seiner Seele hatte sich zu so erhabener Höhe aufgeschwungen, daß die Engel im Himmel sie ihm neideten. Fast hätte die glückselige Stunde der Erlösung geschlagen, fast hätten die Leiden der Menschheit ihr Ende erreicht — da aber trat der Satan dazwischen, dessen höchste Freude bekanntlich in den Leiden der Menschheit besteht, und vereitelte wieder einmal den göttlichen Plan von der Erlösung der Welt. Davon erzählt die folgende Geschichte. In Litauen, wo, wie bekannt, die Kinder schon in der Wiege anfangen, Talmud zu lernen, und wo, wie ebenfalls bekannt, die größten Talmudisten der Welt aus den Chedern hervorsprießen wie Gras und Blumen aus dem Erdreich, dort lebte ein Mädchen, welches so wunderschön war, daß Piano - Magazin Hermann Seherner München, Dienerstr. 22/11 (vis-ä-vis d. 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Von früh bis spät blieb sie daheim bei ihrem Bruder, der von einem hervorragenden Talmudgelehrten in die Geheimnisse des Talmud und der Heiligen Schrift eingeführt wurde, dem Unterricht lauschend, und schritt mit dem Knaben fort von Stufe zu Stufe, und schließlich als der Lehrer so schwierige Aufgaben stellte, daß der Knabe sie nicht beantworten konnte, löste das Mädchen sie mit staunender Sicherheit; die ganze Stadt sah voller Bewunderung zu der Talumdistin auf. Der Ruf des Mädchens drang von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, und das ganze Land war voll von ihrem Namen. Der Vater starb und hinterließ den beiden Kindern eine reiche Erbschaft. Der Knabe befolgte das Gesetz und gründete in seinem 18. Jahre eine eigene Familie, das Mädchen aber blieb allein und widmete sich vollkommen der heiligen Wissenschaft. Als sie fühlte, daß sie sich auch mit Größeren messen könne, begab sie sich auf eine lange Reise, um die Bekanntschaft der größten Talmudisten der Welt zu machen. Sie reiste von Stadt zu Stadt und wurde überall mit großer Feierlichkeit empfangen. Die berühmtesten Talmudisten suchten sie auf, ließen sich in eine Debatte mit ihr ein und bewunderten die grundlsoe Tiefe ihres Wissens. Da war keine Frage, auf die sie die Antwort nicht gewußt hätte, und wenn sie eine Frage stellte, versanken die Leuchten des Talmuds in finsteres Grübeln. Das brennende Verlangen, den Beizer Zaddik, die weithin leuchtende Fackel des Golus kennen zu lernen, führte sie auch nach Beiz. Aber der Zaddik, der noch niemals in das Antlitz einer fremden Frau geblickt hatte, weigerte sich, mit ihr zu sprechen, ja er befahl auch seinen Glaubensgenossen, sich nicht in ein Gespräch mit der Fremden einzulassen, und seinen Schülern gab er die strengste Weisung, die Talmudistin zu meiden. „Die Perlen des Talmud sind kein Schmuck des Weibes“, sprach er zu den Jünglingen der Jeschiwfa. „Seid achtsam und laßt FGich nicht in Versuchung führen!“ Und die Jünglinge mieden ängstlich das geheimnisvolle fremde Mädchen und wagten nicht, ihr nahe zu kommen. Nur ein Jüngling, der sich seit langem mit einer besonders schwierigen Frage quälte, und dessen Wissensdurst noch größer war als die Ehrfurcht vor den Worten des Meisters, ging heimlich zu dem Mädchen, auf daß sie ihm die schier unverständliche I almudfrage löse. Mit Leichtigkeit gab ihm das Mädchen Antwort, und der Jüngling eilte strahlend heim. Dem Zaddik sagte er nichts, aber einigen seiner Genossen verriet er sein Geheimnis. Nun schlichen die Talmudisten einzeln heimlich zu dem Mädchen, stellten ihr die schwierigsten Fragen und verließen sie glückstrahlend mit der Aut-

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