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Das jüdische Echo · 1916-06-30 · 26 (30.6.1916) · p. Seite 243

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 243 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 248 wort oder mit einer Aufgabe, die sie ihnen stellte, über die sie liachdenken oder ihren Zaddik befragen sollten. Als der Zaddik das nächste Mal seinen Schülern den Talmud erklärte, begannen sie, ihn mit Fragen nach dem tiefsten Sinn so zu bestürmen, diaß dem Zaddik vor Staunen der Atem stockte. Niemals noch hatten sie derart scharfsinnige Fragen gestellt! Er begann seine Schüler auszuforschen, und sie gestanden ihm, daß sie ihren Wissensdurst nicht hätten zügeln können und heimlich die Talmudistin aufgesucht hätten, die ihnen diese meerestiefen Fragen gestellt hätte, auf die sie trotz angestrengten Nachdenkens keine Antwort finden könnten. „Und hat die Schönheit des Mädchens Euch nicht in Versuchung geführt?“ fragte der Zaddik ernst. „Von ihren Lippen ging so große Himmelschönheit aus, und ihre Seele entsandte so himmlische Strahlen, daß jeder irdische Gedanke fernblieb.“ Der Zaddik versank in tiefes Sinnen; er forschte in den alten Büchern, aber er konnte den Schülern die Antwort auf ihre Fragen nicht geben, und sein eigener Durst, sie zu wissen, wurde immer brennender. „Geht nun zu ihr, und sagt ihr, ich ließe sie bitten, Euch die Antwort auf die von ihr gestellten Fragen zu geben. Aber gebt acht,“ fügte er hinzu, „daß wenigstens zwei von Euch zusammen bei ihr sind, auf daß ihr nicht das Gesetz übertretet und allein bleibt mit einer Fremden!“ Traurig kehrten die Jünglinge zu ihrem Zaddik zurück und berichteten ihm, das Mädchen könne ihm die Antwort nur persönlich geben, umsomehr, als sie längst den brennenden Wunsch habe, ihn, die Stütze Israels, den Leuchtturm im Meere des Talmuds kennen zu lernen. Er möge ihr gestatten, ihn aufzusuchen. In des Zaddiks Seele kämpfte der Wissensdurst mit der Furcht vor dem fremden Weibe einen schweren Kampf. Niemals hatte er mit einem Weibe ein Wort gesprochen, außer mit seinem Eheweibe, und auch mit diesem nur das Notwendigste; denn die Schrift sagt: Sprich nicht viel mit einem Weibe, weder mit deinem Eheweibe, noch mit einem fremden. Aber sich in die Geheimnisse der Thora zu versenken, einem toten Worte Seele einzuhauchen — das ist das heiligste Gebot Gottes! Und schließlich siegte in des Zaddiks Seele die Liebe zur Thora und er ließ dem Mädchen sagen, sie möge zu ihm kommen, er wäre bereit:, persönlich ihre Antwort zu vernehmen. Als das Mädchen das große Zimmer des Zaddik betrat, waren die Jeschiwajiinglinge wie von einer wunderbaren Erscheinung geblendet. Nur der Zaddik hielt die Augen gesenkt. Steif saß er auf seinem Platze und wartete auf das erstg Wort des Mädchens. Wie eine Himmelsglocke erklang ihre Stimme, als sie eine Talmudfrage nach der anderen mit wunderbarer Leichtigkeit beantwortete. Der ganze Raum war wie erfüllt von dem glühenden Hauch der Thora. Niemand unterbrach sie. Der Zaddik lauschte regungslos ihren Worten und erst als sie schloß, sprach er mit milder Stimme: „Und nun, meine Tochter, bleibt nur noch die letzte und tiefste Frage, auf deren Beantwortung ich am sehnsüchtigsten harre.“ „Ich ließ diese Frage,“ sprach das Mädchen, „denn ich kann sie in Gegenwart anderer nicht beantworten.“ Eine Welle der Überraschung jagte durch den Raum. Mit fragenden Blicken sahen die Jünglinge einander an. „W'as wird der Zaddik wohl tun?“ Des Zaddiks Seele aber war so versunken in die Herrlichkeit der Thora, daß er sich selbst vergaß und zu seinen Schülern sprach: „So verlaßt uns denn!“ Im nächsten Augenblick war das Zimmer leer, und nur hier und da brach das Erstaunen durch. „So bleibt er freiwillig allein mit ihr?“ „Der Schutz der Thora ist ihm sicher!“ beruhigte einer. Und der Zaddik blieb allein mit dem fremden Mädchen. Durstig trank er die heilige Weisheit, die von ihren Lippen floß, ihre Worte erklangen seinen Ohren wie Himmelsharfen. Seine Seele, sein Herz, sein ganzes Wesen war durchströmt von Himmelspracht, und als er auf das Mädchen blickte, hatte er einen Moment lang das Gefühl, als sei der Hauch der Thora eins mit dem duftenden Atem, der ihren Lippen entströmte! Da durchzuckte ihn der Schreck. Er erhob sich plötzlich, eilte zur Tür, riß sie auf und' rief mit angstvoller Stimme hinaus: „Freunde und Schüler, kommt herbei!“ Diejenigen aber, die tiefer in den Lauf der Welt hineinzublicken vermögen, wissen, daß das Ganze das Werk des Teufels war, der, mit Hilfe der Thora, den Beizer Zaddik zu dieser Übertretung des Gesetzes verleitet hat, um damit den Messias zu vertreiben und die Erlösung der leidenden Menschheit zu vereiteln. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.) Personalien. Dem k. bayer. Leutnant der Reserve Dr. Robert Ulrich und dem k. Stabsarzt der Reserve Dr. Benno H a 11 a u e r in Charlottenburg wurde das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. Der prakt. Zahnarzt Bernhard L e w i n in München wurde zum k. bayer. Militär-Zahnarzt ernannt und zu einem Feldlazarett kommandiert. Der Münzforscher Dr. Jakob Hirsch in München wurde zum k. bayer. Hofrat ernannt. Die k. bayer. goldene Tapferkeitsmedaille wurde verliehen den Offiziersstellvertretern Walter DrKlebs Joghurt Präparate unterdrücken die Bildung von Darmgiften, regeln unschädlich Verstopfung, Magenu. Darmkatarrh, erleichtern die Altersbeschwerden. Glänzende Anerkennungen. Erhältlich in Apotheken u. Drogerien, wenn dort nicht zu haben, auch direkt zu beziehen. Prospekte u. Proben kostenlos. Chem.-Bakt. Labor. Dr. E. Klebs, München, Schillerstr. 28 A iv

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