Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Das Jüdische Echo Nr. 26 gen ausgeführt, teils Vidal (auf Typhus) und auf Wassermann (auf Syphilis). III. Die Vaccino-therapeutische Abteilung. In dieser Abteilung wurden bis zum Herbst 1915 über 1140 Pockenimpfungen ausgeführt. Anfangs arbeitete sie mit der aus dem Auslande eingeführten Lymphe. Bei der stets zunehmenden Schwierigkeit der Einfuhr von frischer, d. h. noch wirksamer Lymphe aus dem Auslande und bei der daraus resultierenden steten Gefahr einer Pockenepidemie im Land hat sich die Gründung einer eigenen Pockenlymphfabrikation für Palästina und Syrien als dringendstes Bedürfnis der Zeit herausgestellt. Diese Pockenlymphanstalt wurde mit Hilfe der Militärbehörde, die die notwendigen Mittel lieferte, von Herrn Dr. Beham im Anschluß an die bestehenden Abteilungen ins Leben gerufen und entwickelt sich aufs erfreulichste. Die Militärverwaltung bestellte Lymphe für 100000 Militärpersonen, davon sind bereits für 55 000 Impfungen an die Armee abgegeben worden. Außerdem wurden 3000 Personen der Bevölkerung (darunter Schulen, Kindergärten, Seminare) im Institut selbst mit der sehr wirksamen Lymphe geimpft. Ferner haat die Vaccino-therapeutische Abteilung ungefähr 100 Personen mit den im Institut fabrizierten Vaccinen gegen verschiedene Hautausschläge (Occema, Excema, Furunkolose), behandelt. Jetzt im Kriege, wo die Einführung der Pockenlymphe fast unmöglich ist, ist das Institut imstande gewesen, das gesamte vom syrischen Heere benötigte Vaccin zu liefern, für die Zivilbevölkerung palästinensischer Städte die notwendige Lymphe herzustellen und außerdem die jüdischen Kolonien zu versorgen. Auch die Behandlung der tollwutverdächtigen Personen ist natürlich von der größten Bedeutung und auch hier hat die türkische Heeresverwaltung die Tätigkeit des Instituts fortwährend zu ihren Zwecken herangezogen. Es ist klar, daß das Institut noch bedeuted weiter ausgebaut werden kann. Herr Dr. Beham plant vor allem die Gründung einer Abteilung zur Bekämpfung der für Palästina so überaus verderblichen Viehseuchen. Daß immer noch keine jüdischen Milchwirtschaften im Lande existieren, liegt ja zum größten Teil an den Viehseuchen, besonders der Rinderpest, die den Kolonisten das Halten größerer Viehbestände fast zur Unmöglichkeit macht. Vorläufig freilich gilt es, das Institut während des Krieges über Wasser zu halten. Es ist eine Ehrenpflicht sämtlicher Mitglieder der Gesellschaft jüdischer Ärzte und Naturforscher für die sanitären Interessen Palästinas, daß sie trotz der ungünstigen Zeit ihren Verpflichtungen nachkommen und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Institut unterstützen, das inmitten der unglaublichsten Schwierigkeiten sich so tapfer durchgekämpft hat und dem es gelungen ist, der Bevölkerung und Regierung Achtung vor jüdischer Arbeit einzuflößen. D. C. M. -Vi. ■= _ _ _ __ 1 Hotel Simson Tutzing III am Starnbergersee! Pension von Mk. 7.— an bei bekannt guter Verpflegung .t j IIIIIIIIIIIIIII||||||||((|||||||1IM Hn unsere Leserl Auch während des verflossenen Vierteljahres hat das „Jüdische Echo“ sich bemüht, seine Leser mit allen Fragen des jüdischen Lebens bekannt zu machen. Es ist ihm gelungen, sich einen ständig wachsenden Einfluß und damit einen sich fortgesetzt vergrößernden Leserkreis zu schaffen. Trotz des immer reichhaltiger werdenden Inhalts unserer Zeitschrift und trotz der erhöhten Arbeits- und Papierpreise haben wir es unterlassen, gleich so vielen anderen Blättern, den Bezugspreis zu erhöhen. Wir bitten jedoch alle Leser, die unser Blatt erhielten, das „Jüdische Echo“ möglichst sofort zu abonnieren. Der geringe Preis von 1 Mk. für das Vierteljahr erleichtert jedem die Bestellung. Welt-Echo Zionistische Delegiertentage. Die skandinavischen Zionisten veranstalteten im Mai einen Delegiertentag, der von Vertretern der Landsmannschaften und iVereline in Dänemark, Schweden und Norwegen gut besucht war. Es wurden Beschlüsse gefaßt, durch deren Ausführung das jüdische Leben in Skandinavien eine starke Belebung erfahren dürfte. Am 2. Juni versammelten sich die Delegierten der schweizerischen Zionisten vereine zu einer Tagung in Bern. Herr Dr. Arnstein - Basel eröffnete als Parteipräsident die Versammlung. Der Präsident der Gemeinde, Herr Henri B o n e f f, begrüßte die Versammlung. Die Herren Arnstein, Simon und P i n k u s erstatteten Berichte über einzelne Zweige der Tätigkeit. Folgender Beschluß wurde gefaßt: „Der am 1. Juni 1916 tagende 18. Delegiertentag des Schweiz. Zionistenverbandes sieht in der Einheit der zionistischen Gesamtorganisation nach wie vor das vornehmste Instrument zur Verwirklichung des Basler Programms. Der Delegiertentag ist der Meinung, daß den zionistischen Landesverbänden heute die heilige Pflicht obliegt, den Gedanken der Einheitlichkeit der Bewegung und noch mehr der Einheit des jüdischen Volkes als hehrstes Gut der Herzl'schen Schöpfung rein und unversehrt zu bewahren“. Die Verteilung der jüdischen Bevölkerung nach Konfessionen in Russisch-Polen. Die 1915 erschienene Schrift „Polen und die Polen“ von Stanislaw Ihugutt behandelt die Verteilung der Bevölkerung nach Konfessionen in Stadt und Land, wobei zu beachten ist, daß das Zahlenmaterial sich selbstverständlich auf die Zeit vor Kriegsausbruch bezieht. Das Gouvernement Kalisch weist unter 1 206 141 Einwohnern 983 062 Katholiken, 7504 Orthodoxe, 106084 Protestanten und 107 876 Juden auf. Von der jüdischen Bevölkerung wohnen 99 744 Personen in den 13 größeren und 40 kleineren Städten des Gouvernements. Protestantische Einwohner fmden wir unter der Stadtbevölkenmg 21 407. Das Gouvernement Kielce zählt unter 973 247 Einwohnern 106 511 Juden und 3040 Personen evangelischen Glaubens. 81 956 Personen der jüdischen Bevölkerung und 492 Personen evangelischen Glaubens wohnen in den 7 größeren und 34 kleineren Städten des Gouvernements.