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Das jüdische Echo · 1916-06-30 · 26 (30.6.1916) · p. Seite 239

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 289 Der Abend vereinte uns alle auf der Wiese, wo wir um ein gewaltiges Feuer gelagert waren! Fine zündende Ansprache von Karl Glaser rief Festesstimmung \jn iuns hervor; unsere Lieder schallten in die stille Nacht hinaus. Und in den Wäldern halte es wider; „Auf Hedad, hedad, unsere Bahn ist frei“. Dort ist so manchem erst zum Bewußtsein gekommen, was unser Blau-Weiß-Bund ist und was er will, und manch einer, der noch nicht ganz den Anforderungen des Bundes entsprach — an den lodernden Feuern hat er sich vorgenommen, ein richtiger Blau-Weißer zu werden. Einen tiefen Eindruck machten in der Sitzung der Führerschaft, in der geschäftliche Dinge erledigt wurden, Moses Calvarys an uns gerichtete Worte: Über die Erziehungsfragen im Wanderbund sprechend, betonte er, daß der Blau- Weiß sein Hauptaugenmerk darauf richte, die Jugend zu körperlich und geistig tüchtigen Menschen heranzuziehen. Politik zu machen, ist nicht die Aufgabe des Blau-Wleiß; sein Ziel ist es, in den Wanderern Mitgefühl und Interesse für das Judentum zu erwecken, ihnen einzuprägen, daß wir eine nationale Gemeinschaft bilden, ein Volk, das von den Anfängen seiner Geschichte bis heute durch seinen Willen zur Selbsterhaltung besteht, das kann nicht untergehen, und wir Blau-Weiße müssen dazu beitragen, unser Volk herauszureißen aus Elend und Not, damit unser Judentum zu seiner früheren Größe zurückkehre. Wenn ich heute' zurückdenke, frage ich mich, warum war denn diese Tagung so schön und so eindrucksvoll? nur weil vielleicht eine so große Schar von Wanderern anwesend war? Nein, nicht nur die Zahl machte es, sondern die Erkenntnis, daß der Blau-Weiß einen Stamm lebensfroher lustiger Menschen herangezogen hat, gesund an Körper und Geist, und daß diese Menschen Juden sind. Schmerzerfüllt gedachten wir in Lockwitz derer da draußen an allen Fronten, die Brüder sind und doch einander töten müssen, in Erfüllung ihrer Pflicht gegenüber ihrem Vaterland, jener, die uns schützen, damit auch wir unsere Pflicht tun können. Wir aber, die wir daheim sind, leben in Eintracht und Friede und wollen unsere Aufgabe nicht aus dem Auge lassen, damit die Brüder, die jäh aus unserer Mitte gerissen wurden, zufrieden und ruhig sein dürfen im Bewußtsein: der Blau- Weiß lebt weiter in dem Geist, die sie ihm gegeben. Noch klingt das Wort „Schalom!“ im Ohr, das so unzähligemale von kräftigem Händedruck begleitet, Brüdern und Schwestern zugerufen wurde, dieses Wort, das sogar die Lockwitzer Dorfjugend uns zum Gruße bot. Der Geist dieses Wortes schwebte über uns beim Wandern, beim Spielen, bei den dampfenden Kochkesseln. Als am Dienstag früh allmählich die Abfahrt der Züge vor sich ging, als am Nachmittag die letzten Feuer verlöschten und auch die Letzten sich aufmachten, da verspürten wir alle, wie schwer es uns wurde, von einander zu scheiden. Aber in unsren Abschiedskummer mischte sich die Freude über die Kraft unserer jungen Bewegung, die Zuversicht, daß der Blau-Weiß einen Stamm von Kämpfern für die Erhaltung des Judentums heranzieht. Und ins Land hinaus ziehen die Boten von Lockwitz und spornen uns alle an, uns weiter mit unserem ganzen Ich der großen Sache unseres Volkes zu weihen, vorwärtszuschreiten, dem Lichte der Freiheit entgegen. Vom Pasteur~Institut in Jerusalem. I. Die Wutschutz-Abteilung (Pasteur-Institut). In der Wutschutz-Abteilung des Jerusalemer Pasteur-Institutes finden Personen, die von tollwütigen Tieren (Hunden, Katzen, Kamelen, Schakalen) gebissen sind, die zur Heilung; notwendige Behandlung. Trotz der kurzen Zeit des Bestehens wurden bereits bis jetzt etwa 900 Personen in der Abteilung behandelt. Es wurden ferner 28 Gehirnuntersuchungen auf Tollwut (bei Tieren) ausgeführt. Bis zur Gründung des Instituts mußten die Gebissenen nach Kairo oder Konstantinopel zur Behandlung fahren. Da diese infolge der schwierigen und ungünstigen Beförderungsmittel sehr oft zu spät kam, hatte man im Lande, auch unter den jüdischen Kolonisten, viele Opfer der. Tollwut zu beklagen. Es kam unter anderem der tragische Fall vor, daß ein Arzt (Nichtjude) seinen an Tollwut erkrankten Sohn mit eigener Hand niederschoß. Die Gründung des Instituts hat im Lande ungemein segensreich gewirkt. Aus allen Teilen des Landes, vom Libanon bis zur Wüste und von Gaza bis Berscheba, aus den Städten und. Kolonien kommen die Gebissenen nach Jerusalem zur Behandlung. Dr. Beham ist fortgesetzt bestrebt, durch Publikationen in den hebräischen, deutschen und arabischen Zeitungen des Landes, durch Broschüren sowie durch Beeinflussung der Scheichs die Bevölkerung über die Tollwut und ihre Behandlung aufzuklären. Interessant ist ein Einblick in den großen Warteraum des Pasteur-Instituts am Vormittag. Da sieht man 25—30 Personen jeden Alters und Geschlechts, Chalukajuden und sonnengebräunte jüdische Kolonisten, verschleierte Araberinnen und Fellachen, Beduinen und Soldaten, deutsche und amerikanische Soldaten. Alle warten mit orientalischer Ruhe, bis die Reihe der Einspritzung an sie kommt. Das Vertrauen und die Achtung, die das Institut und sein Leiter genießt, ist außerordentlich und trägt viel zum Prestige der jüdischen Bestrebungen bei. Jetzt zur Kriegszeit hat sich die Einrichtung des Pasteur-Instituts als besonders notwendig erwiesen, da das Institut in Kairo überhaupt nicht in Frage kommt und Konstantinopel nur mit den größten Schwierigkeiten zu erreichen ist. II. Die Serologische Abteilung. Diese Abteilung wird hauptsächlich von den verschiedenen Krankenhäusern und jetzt auch von den Lazaretten in Anspruch genommen. Es wurden bis jetzt über 1470 serologische Üntersuchun- Josefine Marti Sendlingerstraße 52 Damen-Hoden Atelier nur erstklassige Ausführung Kostüme, Sport-, Reit- und Gesellschafts - Kleider Kriegspreise r t £

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