Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 233 Das von der Konferenz beschlossene Programm fordert die bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung in allen Ländern jüdischer Massensiedlung und freie Einwanderung und Kolonisation in Palästina sowie anderen Einwanderungsländern. Der Verband sucht der Verwirklichung dieses Programms durch die Gewinnung der Sympathie und der tätigen Mithilfe des internationalen Proletariats näherzukommen, ist aber auch bereit, mit anderen Elementen des jüdischen Volkes zusammen zu gehen, insofern deren Tätigkeit mit den Grundsätzen der Taktik des Arbeiterverbandes nicht im Widerspruch steht. Die Landeskonferenz sprach sich auch für einen jüdischen Weltkongreß aus, auf dem die jüdischen Arbeiterparteien aller Länder und Richtungen solidarisch auftreten, und womöglich einen jüdischen Arbeiterkongreß abhalten sollen. Hebräische und jüdische Sammelbücher. Unter der Redaktion „Ben-Zion“ erschienen vor kurzem in Petersburg 2 hebräische Sammelb ii c h e r mit dem Titel „H a a m“, die auch einen Roman aus der Zeit der Vertreibung aus Spanien enthält. — Im Verlage „Der Tag“ erschienen 2 jüdische Sammelbücher „Das jüdische Leben“ und „Der jüdische Ged a n k e“. Im ersten Buch ist u. a. auch ein Aufsatz des jüdischen Historikers Dubnow über „die Politik der jüdischen Abgeordneten in der Duma“ enthalten. Das zweite Buch enthält Erinnerungen und kritische Aufsätze über Perez. Feuilleton Zu Ehren des Dichters Scholem Älejchem. Am 14. Juni veranstaltete der Verein Bne-'Jeh u d a li in München eine würdige und eindrucksvolle Gedächtnisfeier für den entschlafenen Dichter. Einem zahlreichen Publikum im Saale des Hackerbräus erläuterte Herr Lazar Abramson in warmen und fesselnden Worten die Bedeutung des Dichters: Er kennzeichnete ihn als den lachenden Philosophen, den fröhlichen Pessimisten. Es ist nicht ganz leicht, Scholem Alejchems Weltbild darzustellen, denn nirgends hat er ein zusammenfassendes Bild seiner Weltanschauung gegeben. Nur aus der Fülle der von ihm geschaffenen Typen kann man es sich zusammenstellen. Man kann seine Typen geradezu in Klassen einteilen: die ökonomischen, die philosophischen, die Frauen-, die Boheme- und — ja nicht zu vergessen — die jüdischen Kindertypen. Sein Werk in seiner Gesamtheit ist geradezu eine Enzyklopädie des jüdischen Volkscharakters. Neben seiner hohen literarischen hat Scholem Älejchem auch eine große kulturgeschichtliche Bedeutung: er hat der Welt gezeigt, wie das jüdische Volk lebt und empfindet. Er hat nicht nur eine jüdische Literatur, sondern auch einen jüdischen Leserkreis geschaffen, hat das Volk gelehrt, die Erlebnisse in seiner Mitte Hotel Simson Tutzing am Starnbergersee Pension von Mk. 7.— an bei benannt guter Verpflegung —i ■ ~ rn künstlerisch zu empfinden oder einem jüdischen Dichter uachzuempfinden. Nach Herrn Abramsons fesselndem Vortrag sang Erl. Mysch ein jüdisches Wiegenlied mit Worten von Scholem Älejchem, und Herr Alexander E 1 i a s b e r g las eine der schönsten Erzählungen des Dichters vor. .;;;i In New-York wurde der verstorbene Dichter; am 15. Mai zu Grab getragen. Seine Beerdigung war eine nationale Trauerfeier, an der sich eine Viertelmillion Menschen beteiligten. In dem unübersehbaren Trauerzuge waren auch die Schulkinder jüdischer Schulen und jüdische Organisationen aller Gesellschaftskreise vertreten. Elpe Ehrenwache von Schriftstellern, darunter Schalom Asch, A. Reisen, Jehoasch, Pinsky, Sch. Levin, Syrkin u. a. umgab in den zwei Tagen vom Ableben bis zur Beerdigung den Sarg des Dichters. Eine Reihe bekannter Persönlichkeiten sprach an Scholem Alejchems offenem Grabe. In seinem'Testament schreibt der große Dichter vor, daß man ihn nicht unter Aristokraten, Reichen, sondern zwischen einfachen Juden, Arbeitern, „mit dem wahren Volke“ begraben soll. „Religiöse Überzeugungen können meine Kinder und Enkel immer welche haben. Nur ihre jüdische Abstammung bitte ich sie zu bewahren. Diejenigen von meinen Kindern, die von ihrem Stamm abfallen und einem anderen Glauben beitreten sollten . . . habe ich selbst aus meinem Testament gestrichen, sie haben keinen Teil am Erbe unter ihren Brüdern.“ 10 Prozent der Einnahmen aus seinen Werken vermachte Scholem Älejchem einem zu gründenden Fonds für jüdische Schriftsteller, die jidisch oder hebräisch schreiben. , < Zur Ausführung des letzten Willens des großen Toten wurde von seinen nächsten Freunden eil] „Scholem Älejchem Volksfonds“ begründet. Die jüdischen Schriftsteller New-Yorks haben Jn ihrer letzten Trauerversammlung beschlossen, auj die Namen von Perez und Scholem Älejchem einen jidischen Schriftstellerverband zu gründen. Ü Senders Ehen. Von J. L. P e r e z. ■ ' 1! Übertragen von Siegfried Schmitz. . (Schluß.) *•'; Mit dem Handel war nichts zu verdienen, dazu fehlte es Sender an Geld. So würde er Lehre?! Doch ein Lehrer ohne Frau ist ein Ding der. Unmöglichkeit. Sender heitratet und hatte während sechs Jahren drei Frauen; eine gab ihm den Scheidebrief, zweien gab er ihn selbst. Die efste von den Dreien war — daß Gott erbarm — ein Ungliicksweib; er hatte sich tüchtig mit ihr angeschmiert. Man hatte ihm eingeredet, sie sei eine W i t w e. Dann aber kam es heraus, sie sei schon vier Mal geschieden, Sender war ihr fünfter Mann, unberufen! Man sagte ihm, sie habe ein Kind; Sie brachte fünf mit. Es wär/eih Glück für Sender, daß nicht alle ihre Kinder'am Leben geblieben waren; denn sie hatte von jedem Maune drei bis vier gehabt! ... „Und es hat Mühe gekostet“ — erzählt er — „ihr den Scheidebrief zu geben. Sie war so ein Unglücksvogel, solch’ ein gottverlassenes Geschöpf, daß es nicht möglich war mit ihr zu lebön und nicht möglich sie loszuwerden! — Seid überzeugt, ich bin schön hereingefallen! Ihr sagt: Weib ist Weib! Ihr habt, ja Recht, mein Gott, —