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Das jüdische Echo · 1916-06-16 · 24 (16.6.1916) · p. Seite 226

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 226 (sequence 6)
Language
German
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226 Das Jüdische Echo Nr. 24 um als Ingenieure oder Kandidaten für Handelswissenschaften zu promovieren. In einer Versammlung des jüdischen Studenten- Vereins „Selbsthilfe“ in W a r s c h a u wurde festgestellt, daß mehrere Mitglieder aus diesem Verein in den polnischen Studentenverein „Brüderhilfe“ übergetreten sind, weil sie mit der jüdisch-nationalen Richtung der „Selbsthilfe“ nicht einverstanden waren. Der jüdische Schul- und Volksbildungsverein in Lodz tritt an die sofortige Eröffnung der e r - s t e 11 jüdischen Volksschule heran. Der jüdische Frauenbildungsverein „Benoth Zion“ eröffnete eine A b t e i 1 u n g f ii r höhere hebräische Wissenschaften für jüdische Frauen und Mädchen. In der letzten Vereinsversammlung hielt Frau Halperin eine Vorlesung über Bjaliks religiöse und nationale Dichtung. Der Verein „A r b e i t e r h e i m“ in Lodz eröffnete am 14. Juni seine Abend-Unterrichtskurse für jüdische Arbeiter, die sämtlich vollständig belegt sind. Ferner plant der Verein die Einrichtung von Arbeiter-Vermittlungsbüros, Einführung eines normalen Arbeits- und Ruhetags, sowie Belehrung der Mitglieder über Reichsversicherung und sonstige Einrichtungen für Handelsangestellte in den westeuropäischen Ländern. Der jüdische Hilfsverein für Schulk Inder in Lodz ordnete am ersten Schabuothtag einen Ausflug sämtlicher unter seiner Aufsicht stehenden etwa 400 Schulkinder in der Umgebung von Lodz an. Das Perezkomitee in Lodz beschloß, eine Anzahl populärer Perezscher Dramen in jüdischer und hebräischer Sprache zur Aufführung zu bringen. In der Gründungsversammlung des jüdischen Schuhmachermeistervereins in Lodz wurde die Eröffnung einer Gewerbeschule nach europäischem Muster beschlossen. Die Kriegswaisen in Galizien. Neulich fand in Krakau unter dem Vorsitz des Präsidenten, Herrn Hofrat S a r e , die erste Sitzung des Landes-Zentralkomitees für die Kriegswaisen-Fiirsorge statt. Als Kriegswaisen sollen alle diejenigen Waisen zu betrachten sein, deren Väter oder Mütter infolge der Kriegsereignisse direkt oder indirekt gestorben sind, sei es im Felde, sei es infolge der Kriegsepidemien. Auch die Kinder derjenigen, die von den Russen als „Geiseln“ verschleppt wurden, sollen bis auf weiteres als Kriegswaisen betrachtet werden. Tags darauf begab sich eine Delegation des Komitees nach Biala zur Statthalterei. Dieselbe wurde von Herrn Hofrat Brückner empfangen, welchem sie die Forderungen und Wünsche des Komitees unterbreitete. Zunächst handelt es sich darum, daß die k. k. Regierung erklären möge, dalLd.ie Tätigkeit des Komitees mindestens Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (HotelKönigshof) drei Jahre nach Kriegsabschluß dauern werde, da das Komitee nur in diesem Falle im Stande wäre, eine segensreiche Tätigkeit zu entfalten. Weiter wurde die Flüssigmachung eines Betrages von 70 00Ü K verlangt, damit das Komitee seine Tätigkeit aufnehmen könne. Herr Hofrat Brückner erklärte diese Wünsche nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Er verständigte die Delegation ferner, daß die Regierung die Absicht habe, für diejenigen Waisen, die in Waisenhäusern untergebracht werden würden, K 1.50 pro Tag und Kopf zu zeichnen, hingegen sollen für diejenigen Waisen, die bei Privatfamilien Unterkunft finden, pro Kopf monatlich 10—25 K bewilligt werden. Das Waisenkomitee dürfte in der nächsten Zeit seine eigentliche Tätigkeit aufnehmen. Die Eröffnung einiger Waisenhäuser in der Provinz steht unmittelbar bevor. Feuilleton Senders Ehen. Von J. L. Pe r e z. Übertragen von Siegfried S c h m i t z. Sender hat schon sechs Frauen gehabt und will nun zum siebenten Male heiraten. An seine erste Frau erinnert er sich nicht mehr. Sein Vater Pinehas — er ruhe in Frieden! — hat ihm eines Tages eine goldene Uhr mitgebracht. Dann hat er einen Pelz und eine Sabbatmütze anziehen müssen und dann — fand er sich unter dem Trauhimmel . . . Wie die Frau ausgesehen hat, dessen kann sich Sender beim besten Willen nicht mehr erinnern. Undeutlich sieht er noch ein Kleid mit silbernen Borten, ein seidenes Kopftuch und ein Paar Ohrringe; — aber das Gesicht? ... sie muß doch auch ein Gesicht gehabt haben! . . . Das eine weiß Sender noch genau: ein bis zwei Monate vor der Hochzeit war er Bar-Mizwali geworden. Damals nahm ihm der Vater, ein Chassid des Rabbi von Beiz, vor allen Leuten das Versprechen ab, im Hause des Schwiegervaters keine fremden Bräuche anzunehmen, niemals, niemals des Schwigervaters Irrwege zu gehen und etwa ein Chassid des Rabbi von Kozk zu werden. Sender mußte eidlich geloben, alljährlich zu Fuß nach Beiz zu pilgern. Dann hielt Sender seine erste Thoradisputation vor der versammelten Gemeinde. Zum Lohn für seine Geschicklichkeit im Disput kniff ihm der Rabbi des Städtchens — der auch ein „Beizer“ war — in die Wange und hielt ihm dann eine lange, lange Rede. Er sagte, das Wissen der Thora allein rette nicht vor der Hölle, und der Gaon1) von Wilna, der doch gewiß ein großer Gelehrter war, gelte in der Welt des Jenseits doch herzlich wenig: er sitzt im Vorraum des Himmels und muß die ganze Thora nochmals lernen; und das Herz bricht ihm, da er sehen muß, wie einfache, gewöhnliche Juden, die kaum das Alphabet kennen, über ihn hinweg in die höchsten Höhen des himmlischen Paradieses gelangen . . . „Denn das Wichtigste“ — schloß der Rabbi — „ist Inbrunst und Begeisterung im Glauben, im Glauben an IHN und noch mehr, au jenen einen Mann, der zuhöchst innehat das, was . . .“ Was das war, ist Sender heute bereits entschwunden. Der Schluß des Ganzen aber war: es „ ) üer Gaon von Wilna war ein grimmiger Gegner der Chassidim; darum auch die ihn verspottende Legende über sein Leben im Jenseits. i

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