Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- Seite 223 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 223 Zur Lage in Palästina. Wir entnehmen der „Jiid. Rundschau“ einen Bericht über die derzeitigen Zustände iin Palästina: „Für die jüdischen Spezialisten im Lande, wie Agronome, Ingenieure, gibt es jetzt ein reiches Arbeitsfeld. Die Behörden betrauen gerne Juden mit der Leitung öffentlicher Arbeiten. So z. B. wurde dem Agronomen Kraus, dem Direktor von Mikweh Israel, die Bepflanzung eines bisher brach liegenden Stückes Erde übertragen. Die Verwaltung der Farm bei Latrun, welche früher den Trappisten gehörte, wurde dem jüdischen Agronomen B u s k e 1 a übergeben. Eine Farm im Libanon, welche früher den Jesuiten gehörte, steht unter der Verwaltung des Agronomen Apfelbau m. Mit der Vorberitung von Maßnahmen für die Bekämpfung einer etwa neu einbrechenden Heuschreckenplage wurde der Agronom Aronsohn betraut. Die Aufsichstkommission der Regierung beim Bau einer Chaussee bestand großenteils aus Juden. Die großartige Straße in Jaffa, die nach dem Oberbefehlshaber der türkischen Palästina-Armee Avenue de Djemal Pascha heißt, wurde von Ingenieur G. Wilbuschewitz beendet. Derselbe ist jetzt in Damaskus mit ähnlichen Arbeiten beschäftigt. Sein Bruder N. Wilbuschewitz hat dieselbe Aufgabe in Jerusalem übernommen. Auch die meisten jüdischen Ärzte sind im Militärdienst beschäftigt. Die wirtschaftliche Lage hat sich nach den kritischen Monaten November und Dezember 1915 infolge des Eintreffens größerer Hilfssendungen gebessert. Auch die Stimmung hat sich gehoben, da reichliche Niederschläge gefallen sind und die Ernteaussichten daher sehr günstig liegen. Auch wurde für die Requisitionen des vorigen Jahres in diesem Jahre von den Militärbehörden volle- Vergütung gewährt. Daß trotzdem die wirtschaftliche Lage immer noch schwierig ist, beweisen folgende Einzeltatsachen: Die Ica-Verwaltung in Palästina hatte zu Beginn des Krieges 500 000 Frs. zur Verfügung, erhielt im Laufe des Jahres noch weitere 250 000 Frs. und den Erlös des in ihren galiläischen Kolonien geernteten Getreides. Da die Zentrale der Ica aber neue Geldmittel nach Palästina nicht überweisen kann, so ist sie jetzt nur imstande, die wichtigsten Regierungssteuern und die Gehälter ihrer Beamten zu begleichen, während sie schon seit längerer Zeit für Ärzte und Schulen usw. das volle Gehalt nicht mehr zahlen kann. In noch schwierigerer Lage ist die Verwaltung der Chowewe Zion. Ihre Schulen werden nur mühselig aufrecht erhalten und die Gehälter ihrer Beamten mußten trotz der Teuerung der Lebensmittel auf fünfzig Prozent herabgesetzt werden. Was die Lage in den einzelnen Kolonien anbetrifft, so ist sie in denjenigen, die auf gemischter Wirtschaft aufgebaut sind, erträglich, aber durch Requisitionen einigermaßen erschwert. Eine kleine Kolonie wie Dagania mußte für den Bau einer Straße tausend Francs aufbringen. Diese Straße ist aber für die zukünftige Entwicklung der Kolonie von großer Bedeutung. In Dagania ist die Lage deshalb befriedigend, weil noch heute von der letzten Ernte ein Getreidevorrat vorhanden ist. Die Verdienstmöglichkeiten in Palästina sind zur Zeit nur noch bei einzelnen Handwerkern, so bei Schuhmachern und Schneidern ausreichend, während die Lage der Maurer, Tischler und ähnlicher Berufe infolge der Bauunlust sehr schlecht ist. Besonders fehlt es für die Handwerker an nötigem Material. Ein Paar Schuhe kostet jetzt 30 Francs. Von den landwirtschaftlichen Produkten ist der Verkauf der Mandeln, die jetzt nach Damaskus und Aleppo versandt werden, recht gut. Im vorigen Jahre hatten die Kolonisten große Mandelpflanzungen angelegt, die zwar durch die Heuschrecken stark geschädigt, aber nicht vollkommen vernichtet sind. Die Orangenbesitzer können ihre Produkte ebenfalls im Lande absetzen. Die Bojaren leiden noch immer schwer unter den Folgen des Heuschreckenfraßes, wie überhaupt die Heuschrecken in den Pflanzungen größeren Schaden angerichtet haben als in den Getreidefeldern. Aber auch da, wo gute Verdienstmöglichkeiten vorhanden sind, reichen die Einnahmen keineswegs aus, um der Bevölkerung normale Lebensbedingungen zu schaffen.“ Jeremia als Realpolitiker. Von Heinrich M a r g u 1 i e s. Als im 6. Jahrhundert die babylonische Macht rasch und gewaltig emporblühte, gab es in Judäa nur Wenige, die die Größe der Gefahr erkannten. Die meisten unter den Juden glaubten immer noch, daß die Bedrohung eine vorübergehende sei und daß sie bei entschiedenem Widerstande, der durch ein Bündnis mit der starken Militärmacht Ägypten noch gesteigert werden konnte, sich wieder verlaufen würde. In Wirklichkeit aber war das Wachstum Babyloniens kein zufälliges und zeitliches, sondern der logische Ausfluß einer konsequenten und unvermeidlichen Entwicklung. Das mesopotamische Territorium, das im wesentlichen als das Zweistromland bezeichnet werden kann, spielte während der ganzen Geschichte des Altertums die Rolle eines Vulkans: eine ungeheure Spannkraft wohnte ihm inne und in stets erneuten Explosionen warf es Völkerschaften aus sich heraus, deren Expansion stets weiter um sich greifende Wellenkreise zog. Jedes dieser Völker war stärker und unverbrauchter als das, dessen Rolle es übernahm, und jedes kam seiner Aufgabe, den Indischen Ozean mit dem Mittelmeer zu verbinden und die auf dieser Strecke liegenden Staaten zu einem Weltreich zusammenzupressen, immer näher. 721 dehnte Assyrien seine Grenzen südwärts bis vor das kleine Zwei-Stämmereich Judäa, 586 wurde auch dieses von Babylonien, das die assyrische Erbschaft antrat, überrannt, und bei der nächsten, durch die persische Weltherrschaft gekennzeichneten Schichtung ward endlich das weltpolitische Ziel erreicht, Ägypten zu einer Provinz des Weltreiches, Susa und Memphis (Suez und Bagdad) zu Endpolen eines und desselben Reiches gemacht. Josefine Marti Sendlingerstraße 52 Damen - Moden- Atelier nur erstklassige Ausführung Kostüme, Sport-, Reit- und Gesellschafts - Kleider Kriegspreise