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Das jüdische Echo · 1916-06-16 · 24 (16.6.1916) · p. Seite 222

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 222 (sequence 2)
Language
German
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222 Das Jüdische Echo Nr. 24 weil wir nicht so gesinnungslos sind, um des äußeren Nutzens willen ein fremdes Bekenntnis anzunehmen. Diesen sonderbaren Schwärmern, welche Herr Oskar Schmitz wohl für die stets der Diskussion ernsthaft würdige kompakte Majorität hält, spricht er gütlich zu und bittet sie um des lieben Friedens willen dringend, da sie selbst nun einmal an ihren törichten Prinzipien festhalten, wenigstens ihre Kinder taufen zu lassen, — damit doch amal a Ruah is! Und nachdem dann Herr Schmitz, ehe der Hahn dreimal gekräht, eine jüdische Rasse verleugnet, den jüdischen Rassengeist aber, und zwar den echten des Moses und Jesaias usw., den „entarteten des jüdischen Oiroßstadtmenschen, wie er in einem Teil unserer Presse, unserer Bühne und in gesellschaftlichen Gewohnheiten gewisser jüdischer Emporkömmlingsschichten unverkennbar ist,“ mit Nachsicht Chamberlains glücklich neuentdeckt hat, nachdem er die „jüdische Zweideutigkeit“ aus der jüdischen „Schollenlosigkeit“ erklärt und daraus die Vorliebe für die „Zerfahrenheit allgemeiner Menschheitsideale“ bei den Juden mit glücklichem Griff erschlossen hat, mahnt er uns mit eindringlicher weisheitsvoller Lehrgebärde; „Die Juden könnten etwas Entgegenkommen beweisen, wenn sie ihre Kinder taufen ließen, täten sie nichts anderes als nichtjüdische Eltern, die selbst den Kinderglauben aufgegeben haben, aber ihre Kinder in der Staalsreligon erziehen lassen.“ Die getauften Kinder werden schließlich auch den „jüdischen Geist“ aufgeben und da der Jude durch Charakter und Überlieferung eigentlich doch eine „konservative Gesellschaftsschicht“ darstellt, wird es sich doch noch mit ihnen im Staate des Herrn Oskar Schmitz machen lassen — der kluge Mann baut vor: Warum „den Eingewurzelten“ einen Anteil an der Regierung und Verwaltung nicht vorsichtigerweise gleich geben, ehe sie jene durch Zwang auf das Parlament auch „für die Unerwünschten“ durchsetzen?“ Dies also hat Herr Oskar Schmitz geschrieben und läßt es drucken. Solcher eitlen Einfalt und großen Lautheit gegenüber müssen die Argumente verstummen. Vor allem ist es erhebend zu hören, wie anmutige guterzogene Ansichten der Autor von der Ausübung der „Staats- und Militärhoheit“ hat. Sie sind so herzig feudal und so feinkünstlerisch mit demokratischen Lichterchen durchsetzt, daß ich den Staat beneiden könnte, der eine Regierung des Herrn Schmitz besäße. Doch schließlich — die deutsche Reichsregierung mag den Politiker Oskar Schmitz, falls sie einer Neuorientierung ihrer Ideen bedürfen sollte, rechtzeitig zur Mitarbeit heranziehen. Was aber die Juden betrifft, welche, insbesondere die Zionisten, „d-i e Zulassung zu den deutschen Staats¬ und Militärämtern im Reiche verlange n“, so will ich Herrn Oskar Schmitz ein Geheimnis mitteilen: Die ganze Frage spitzt sich nämlich nicht unbedingt darauf zu, sondern die Judenfrage ist leider nicht so einfach. Es handelt sich nämlich hier leider, verehrter teuerer Namensvetter — weder um Offizierspatente noch um Richterstellen für die Juden Deutschlands, sondern um die Existenz der gesamten Judenheit. Und die Judenfrage der Juden Deutschlands ist zunächst, geehrter Herr Zeitgenosse vergangener Zeiten, die Frage nach einer gleichberechtigten Stellung der Juden als Juden. Diese kann man aber nie von dem Gesichtspunkte einer „guten Erziehung“ lösen. Herrn Schmitz und allen, die es noch nicht wissen, (es gibt ihrer noch genug) sei ein für alle Mal gesagt: Wir wollen als Jude n leben, einerlei ob „rechtgläubig“1 oder linksgläubig, in gleichem Recht mit den anderen Bewohnern dieses Reiches. Es ist uns höchst gleichgifltig, ob unser „jüdischer Geist“ Gefallen findet oder nicht. Wir haben einen eigenen Geist, den unseres dreitausendjährigen Lebens; niemand hat das Recht zu verlangen, daß wir ihn und uns aufgeben. Wir werden unsere Kinder nicht aus „Entgegenkommen“ taufen, damit sie „die eindeutige Weise der Offiziere“ erlangen. Schon deshalb nicht, weil uns solch eine Begriffslosigkeit des Herrn Oskar Schmitz gar keinen Inhalt gibt. Wir sind nun einmal als Juden, als Judenvolk da, nicht als Religionsgemeinschaft des oder jenes rechten, geraden, oder Gott weiß was für Glaubens. Herr Schmitz, welcher die Ideen vor 1789 die „Zerfahrenheit allgemeiner Menschheitsideale“ nennt, operiert in seinen Vorschlägen zur Lösung der deutschen Judenfrage mit eben diesen Ideen, welche von den Juden eine Entäußerung ihres Jüdischen erwarteten, damit sie gnadenweise als Menschen gelten dürfen! Damals sind die Juden Deutschlands auf den Schwindel hereingefallen, weil sie den Freiheits- und Menschheitsidealmäklern glaubten. Sie haben sich geirrt. Sie sind heute weniger <Juden als sie waren, aber sie gelten nicht höher als Menschen unter dem Volke des Idealismus. So liegen die Dinve; und wir lehnen es ab, über die Töne eines überspielten Klaviers, welche Herr Oskar Schmitz anschlägt, weiter ein Wort zu verlieren. Alles andere, was Herr Oskar Schmitz vorbringt, sind aus Zeitungen und Zeitschriften zusammengelesene Brocken vom Tage. Mit der „Freiheit“ des Juden, seinem „Rassengeist“ u, dgl. werden wir täglich von anderen Zeilentaglöhnern, auch aus eigener Mitte gefüttert. Wir lehnen sie ebenso ab; es wird vielleicht noch die Zeit kommen mit ihnen abzurechnen. Herrn Oskar Schmitz wollen wir zubilligen, daß er guten Willens ist, aber er ist weder guten Wissens noch hat er eine Ahnung auch nur von dem, was ihm der lag über die Judenfrage zugetragen hat. Also — ihr sollt sie lassen stali’n! „Wir aber ziehen eine Lehre daraus: unseren Weg zu gehen, ohne auf die Urteile der „anderen“ gebannt hinzuhorchen. Wir haben es zu lange getan. Hören wir auf uns und t u n wir! . . . Wien. Siegfried Schmitz. ei«r. Reitunterricht gründlich und zweckgemäss erhalten Sie im Universitäts-Tattersall Amalienstr. 27 Trambahnitnie 2, 3, 10, 26 Telephon 26451 Prospekte auf Wunsch Hotel Simson Tutzing am Starnbergersee Pension von Mk. 7.— an bei bekannt guter Verpflegung

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