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Das jüdische Echo · 1916-06-16 · 24 (16.6.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, mmmmm Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 24 München / 3. Jahrgang 16. Juni 1916 Dienstag, den 20. Juni abends Sl/2 Uhr, hält in den Prinzensälen des Cafe Luitpold Frl. Helene Hanna Cohn einen öffentlichen Vortrag über: Palästina im Weltkriege. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben. Die Rechtgläubigen, die Zionisten, die Getauften und die andren.1) In dem Chaos von Äußerungen zur Judenfrage, welches diese „große“ Zeit unter all ihren anderen schönen Begleiterscheinungen hervorbrachte, hat nun auch der betriebsame Literat Oskar Schmitz seine Stimme hören lassen. Er tat es schon einmal, in einer Art Mittelmeerbuch. Die Melodie von damals ist mir nicht mehr genau im Gedächtnis; nur erinnere ich mich, daß ich den Autor damals für sachkundiger sowohl in Fragen der Politik als auch des Judentums hielt als es — wie es sich jetzt zeigt — wirklich der Fall ist. Das, was Oskar Schmitz in der letzten Nummer der „Zukunft1 als Bruchstücke aus einem demnächst erscheinenden D i s r a e 1 i - buche über die Judenfrage veröffentlicht, zeugt von soviel unentschuldbarer — sagen wir — Naivetät, daß es besprochen werden muß. Nach einigen Sätzen, welche Lord Beaconsfield und Lassalle in Parallele ziehen und bei ihnen eine konsequente Grundanlage konstruieren, aus welcher sich dann die inkongruentesten Persönlichkeiten entwickelt haben sollen, geht Oskar Schmitz an die Beantwortung der Frage: „Wie soll sich Deutschland künftig zu seinen Juden stellen?“ Da unterscheidet er, nachdem er die Kolumbusentdeckung gemacht, daß Deutschland weniger Juden habe, als man glauben konnte, zunächst vier Gruppen von Juden: „die Rechtgläubigen, die Zionisten, die Getauften und die Anderen“. Die „Rechtgläubigen“ sind bald abgetan: sie sind selig in ihrem Glauben, mögen es weiter bleiben; für das sogenannte deutsche Judenproblem bieten sie keine Schwierigkeiten; denn „Ansprüche auf die Ausübung der Staats- und Militärhoheit machen sie nicht, können sie nicht machen, da ihnen ihr Bekenntnis eine Anzahl von Regeln auferlegt, welche die Ausübung einer Beamten-^oder Offiziersstelle in unserem Staate ausschließen“. Die Zionisten, welche Herr Oskar Schmitz „als Menschen an Charakter wie an Geist eine Aus- ') Die Judenfrage von Oskar Schmitz. Harden- Zukunft Nr. 35. lese“ nennt, bezeichnet er als die Träger eines (von ihm sehr vage skizzierten) Rassebewußtseins und einer Eigenstaatsidee. Aber — wer sollte es glauben? Diese wahrhaft sympathischen Geschöpfe Gottes setzen sich sofort „logisch ins Unrecht“; denn „die meisten Zionisten verlangen die Zulassung zu den höchsten Staats- und Militärstellen im Reiche“. Was tun spricht Zeus? Die Frage erhebt sich „ob man ihnen nicht trotzdem der Früchte wegen entgegenkommen kann?“ Herr Oskar Schmitz geht leider nicht näher auf die Früchte und Früchtchen ein, hält aber die Zionisten immerhin für ein beachtenswertes Element, denn (und nun folgt der erste Höhepunkt dieser Interessanten Darlegung) ,jdie Zionisten empfinden den jüdischen Geist als unjüdisch, wie wir ihn als undeutsch empfinden“. „Was ist“, — so fragt später Herr Oskar Schmitz und so fragen auch wir — „der mißachtete jüdische Geist, in dem die Zionisten mit Recht eine Entartung sehen?“ Und mit ruhiger, geradezu beruhigender Sicherheit beantwortet der Autor: „Man behauptet, der Jude könne s o, aber auch anders handeln; niemals liegt eine überzeugende Notwendigkeit in ihm und deshalb könne er niemals herrschen.“ Die Musik kommt mir riesig bekannt vor, — singt Leporello. Die dritte Judenvarietät, die Getauften (warum hat sie Herr Oskar Schmitz nicht aus seinen Anschauungen von Staat und Regierung heraus präziser „die andersgläubigen Rechtgläubigen“ genannt?) sind bald erledigt: Sie haben den rechten, den anderen Glauben, sind schon des jüdischen Geistes bar, also (um ein Kirchenlied zu zitieren); dignus est intrare. Aber — „die Zulassung würde von der Persönlichkeit abhängen“; natürlich —. in diesen Klub „Staat“, wie er sich im Kopfe des Herrn S. spiegelt, kann man doch nicht am Ende Leute von „gesellschaftlich unzulässiger Lebensart“ aufnehmen! Bleiben noch „die Anderen“. Das sind die, welche „gebrochen haben mit dem Glauben ihrer Väter; das zionistische Rassenideal erscheint ihnen bald lächerlich, bald feindselig; fragt man sie aber, warum sie sich nicht taufen lassen, so erhält man die anfangs entwaffnende Antwort:

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