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Das jüdische Echo · 1916-06-09 · 23 (9.6.1916) · p. Seite 218

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
23 (9.6.1916)
Date
1916-06-09
Page
Seite 218 (sequence 6)
Language
German
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218 Das Jüdische Echo Nr. 28 rika fließenden Gelder zu verteilen hatte, mußte wessen Vcrsiegens ihrer Mittel ihre Tätigkeit einsteilen. Infolgedessen sehen sich eine Reihe gemeinnütziger Anstalten wie Suppenkiiehen, Arbeiter¬ und Kinderheime, Krankenhäuser usw. in ihrem Fortbestand bedroht. Kulturarbeit im Osten. Die Bibliothekar-Kommission der jüdisch. Vereinigung „Hasomir“ sucht durch ein Rundschreiben alle jüdischen Bibliotheken in Polen und Litauen zu einer Vereinigung für literarische Zwecke zu veranlassen. — Vor kurzem wurde in Warschau ein j ii - d i s c h e r Studenten verein für Sport u n d Gymnasti k gebildet, der unter anderem bestrebt ist, dem Judentume noch fernstehende Studenten heranzuziehen. Ähnliche Zwecke verfolgt auch der in Warschau schon längst bestehende jiid. Studentenverein „Selbsthilfe“. — In der vor kurzem stattgefundenen Versammlung des Handwerker-Klubs in Warschau wurden mehrere Beschlüsse zur Hebung der geistigen und materiellen Lage der Handwerker gefaßt, darunter: die Gründung einer Handwerkerbank, von regelmäßigen Ausstellungen, Inf o rmationsbüros, Fach- und allgemeinen B i 1 d u n g s kursen, Versicherungskassen, ferner Herausgabe einer monatlichen Handwerkerzeitschrift in jüdischer Sprache, Eröffnung eines Kindergartens und einer Elementarschule für die Kinder der Mitglieder usw. Als offizielle Sprache des Handwerkerklubs ist J ii d i s c h und Polnisch anerkannt worden. — Die Lehrer und Lehrerinnen der jüdischen S c h u 1 e n in den Gouvernements Charkow und P o 11 a w a hielten anfangs Mai eine allgemeine Versammlung ab, in der folgender Lehrplan festgelegt wurde: Hebräische Sprache und Bibelkunde 12 Stunden, jüdische Sprache 3 Stunden, Rechnen in russischer Sprache 6 Stunden, Geschichte, Geographie und Naturkunde in jüdischer Sprache 3 Stunden. — In Lodz wurde, die Gründung einer Abteilung der Warschauer Gesellschaft zur Bekämpfung des Analphabetentums für die breite jüdische Arbeitermasse beschlossen. Die Hauptaufgabe dieser Gründung ist die Errichtung von Bildungskursen für Arbeiter, Elementarschulen für Arbeiterkinder, Vorlesungen usw. Der Schulen- und Chedarim besitze rverein in Lodz hat beschlossen, seine Schulen derart zu reformieren, daß allgemeine Fächer dort gelehrt werden sollen. Der Kronrabbiner von Kasan wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weil er eine Reise nach Petersburg unternommen hatte, ohne zuvor das Aufenthaltrccht in dieser Stadt nachzusuchen. Verurteilung jüdischer Sozialdemokraten. Wie Moskauer Zeitungen berichten, fand vor dem dortigen Gericht ein Prozeß gegen mehrere Polen wegen ihrer Zugehörigkeit zu der sozialdemokratischen Partei Polens und Litauens statt. Der Prozeß hätte in Warschau stattfinden sollen, er wurde aber nach der Räumung Warschaus nach Moskau verlegt. Ein Angeklagter wurde zu sechs Jahren Zuchthaus, drei andere zu lebenslänglicher Verbannung^ verurteilt. Eine andere Abteilung desselben Gerichts verhandelte gegen mehrere Juden wegen ihrer Zugehörigkeit zum sozialistischen Bund. Sämtliche Angeklagten wurden zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt. Das Pariser Haus Rothschild hat der französischen Sektion des Jiid. Kriegshilfsfonds 250.000 Rubel gespendet, die direkt nach Petersburg ge- Die italienischen Juden. Im „Corriere della Sera“ schreibt Luigi Luzzatti über die religiöse Gruppierung des italienischen Volkes und erwähnt dabei, daß im Laufe der letzten 10 Jahre die Zahl der Juden von 35 617 auf 34 324 zurückgegangen ist. Diese Tatsache führt Luzzatti auf den Übergang eines Teiles der Juden zu den Konfessionslosen zurück. Feuilleton Schabuoth in Palästina. Ephrata nannten die Kinder Israel das Städtchen, darin das Haus des Boas stand, das heißt: die Fruchtbare. Heute führt das Städtchen, das sich voll unendlicher Anmut an den Berghang schmiegt, den Namen Bethlehem. Wenn man die breite Landstraße von Jerusalem hinabschreitet, vorbei am Grabe der Stamm-Mutter Rahel, so liegt plötzlich die Bergstadt in ihrer ganzen Fruchtbarkeit und Holdseligkeit vor einem: Weni- und Olivengärten erstrecken sich vom Fuße bis zum Gipfel des Berges, schneeweiße Häuser glänzen dazwischen im Sonnenlicht, und ringsumher breiten sich goldne Ährenfelder aus. Freilich, sobald man die Stadt erreicht hat und durch ihre Straßen wandert, tritt der erste freundliche Eindruck zurück hinter den vielen unerfreulichen Bildern, die einem umgeben: Nichts mehr erinnert an das schlichte, freundliche Landstädtchen, durch das Ruth, die holde Ährenleserin mit müden Füßen wanderte, wenn sie ihre Nachlese auf den Feldern des Boas gehalten hatte. Nichts mehr erinnert an das Städtchen der Hirten, unter denen der Knabe David war, der draußen auf den Wiesen seine Herden weidete und sein Saitenspiel erklingen ließ, bis ihn eine unbezwingbare Sehnsucht und Begeisterung in den Kampf gegen die Philister hineinriß. Nichts mehr erinnert an die strahlende Davidsstadt, die des großen Königs Nachfolger Rehabeam mit einer Mauer umgeben und mit Prunkbauten und Palästen verzieren ließ, dem siegreichen Vorfahren zu Ehren. Im heutigen Bethlehem starren die engen Gassen von Schmutz und Elend. Faul und unbeweglich hocken die Bewohner vor ihren übelriechenden Läden oder auf dem großen Platze vor der Geburtskirche, und auf der Stirn tragen sie das Kainszeichen abscheulicher Seuchen. Noch kommen, wie in den -Zeiten Ruths und Davids, Beduinen aus den Gegenden des Roten und des Toten Meeres, uin Früchte und Werkzeuge zu kaufen und glänzendes Perlmutter dagegen zu verhandeln. Aber in mächtigeren Scharen als jene Beduinen kommen Pilger aus der ganzen W;elt nach Bethlehem Ephrata. Christliche Pilger, die an der Geburtsstätte Jesu Christi beten wollen. Bethlehem steht ganz im Zeichen der christlichen Überlieferung. Auf engem Raume drängen sich Kirchen, Kapellen, Klöster und Stifte. Mit unschätzbaren Kostbarkeiten an Gold, Diamanten, Teppichen und Mosaiken sind diese Kirchen und Klöster geschmückt. Ein Heer von griechischen, russischen, armenischen, italienischen, deutschen, französischen und englischen Mönchen, Nonnen und Priestern bevölkert die Stadt. Sic singen und beten und verfolgen einander mit tödlichem Haß —

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