Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- Seite 219 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 219 türkische Soldaten wachen in der Geburtskirehe darüber, dal.? die Christen ihre Heiligtümer nicht mit ihrem Blute besudeln. Dazwischen fanden sich in den all den Jahren vor dem Kriege in geistlichem Gewände Agenten der verschiedensten weltlichen Mächte, in denen der glühende Wunsch nach geistlicher und weltlicher Macht über das Morgenland brannte. Der Jude aber, der sich nach der Stadt Ruths und des Königs David wagt, kann gewärtigen, beschimpft, angespien und mit Steinwürfen vertrieben zu werden. Und doch lebt die alte Liebe zu dem Städtchen Ruths und Boas in den Herzen der Juden, und alljährlich am Schabuothfeste gedenkt man in den Tempeln von Jerusalem, Safed und Tiberias der jungfräulichen Ährenleserin. Einmal aber — zwei Jahre ist es jetzt her — da wurde in Palästina ein andres Wochenfest gefeiert als je zuvor. Nicht in den Tempeln ging dieses Fest vor sich, nicht nach uralten versteinerten Gebräuchen wurde es begangen, nicht richtete man seine Phantasie mühsam auf eine Begebenheit in grauer Vorzeit. Bei jenem Scliabuothfest, das ich vor zwei Jahren in Jaffa mitfeiern durfte, gedachte man wohl auch der Jungfrau Ruth, aber man gedachte in erster Reihe des Segens, der auf den Feldern, in den Wein- und Olivengärten heranreifte, man dachte des Getreides, das man soeben hereingebracht hatte, der jungen Ziegen und Lämmer, die auf den Weiden heranwuchsen und feierte das Fest der mit Mühe und saurem Schweif? erzielten palästinensischen Frühernte. Nach der Gartenstadt Tel Awiw bei Jaffa strömten vom Mittag ab Leute aus den benachbarten Kolonien: Arbeiter, Besitzer mit ihren stattlichen Gattinnen, Kolonistensöhne, junge Mütter mit ihren Kindern; alle Klassen der Eleganz, alle Grade der Orthodoxie waren in der Kleidung der Leute vertreten. Am Eingang der Stadt ordnete man sich zu einem Festzuge. An die Spitze traten die Schüler der Ackerbauschule Mikweh Israel. Sie standen und saßen auf ährengeschmückten Leiterwagen und bildeten in ihren blauen Arbeitsblusen und den großen Strohhüten über den sonneverbrannten Gesichtern, mit ihren ährengeschmückten Sicheln und Sensen ein Bild der Kraft und Jugendfrische. Ihnen folgten die Kolonisten und Arbeiter, kräftige Knaben und schlanke Schwestern der Ährenleserin Ruth. Dann eine Schar von Kindern mit Blumenkränzen im Haar und Blumenkörbchen in den Händen, würdig schreitend. Eine besonders fesselnde Erscheinung in dem Festzuge war eine Gruppe jemenitischer Arbeiter; mit ihren bronzefarbigen Gesichtern und langen Schläfenlocken gingen sie in ihren malerischen arabischen Hemden daher und trugen auf dem Kopfe Riesenkürbisse, Körbe mit gackernden Hühnern oder gar, um die Schultern gelegt, junge Lämmer und Ziegen. In strahlender Buntheit, nicht allzu streng geordnet, aber doch keineswegs regellos, bewegte sich der Zug durch die Straßen von Tel Awiw begrüßt von den Bewohnern der Stadt, die vor ihren Türen standen oder mit Tüchern aus den Fenstern winkten; zum Gruße den sehnigen Jünglingen und den schlanken Ruthschwestern. Bis zu den Weingärten vor der Stadt zog man hinaus, lagerte sich draußen auf einem mächtigen Sandplatz, lachte, sang hebräische Lieder, scherzte und harrte des Festabschlusses. Und der Abschluß kam. Die Sonne sank ins Meer, der Himmel erglühte in unvergleichlichen Farben. Die Farben verblaßten, verschwammen, und in leuchtender Pracht erschien die Venus am Himmelszelt. Da plötzlich stieg eine Lichtgarbe in den ergrauenden Himmel hinein, eine zweite, eine dritte. Eine Rakete zerstob und ließ einen Regen von goldnen Sternen niedersinken. Ein Rad drehte sich in den Wolken und zerspriihte zu einem Feuerregen. Und auf dem großen Landplatz, dicht geschart, drängten sich die Menschen und begleiteten das Aufsteigen jeder einzelnen Rakete mit brausendem Beifall. Immer höher stieg die Begeisterung der Leute, immer lauter wurde ihr Jubel, und schließlich machte sich all die Freude, die in ihren Herzen wogte, im Gesang hebräischer Lieder Luft, deren Melodien durch die klare Nachtluft hindurch weit hinaus in das dunkelnde Land tönten. Die strahlende Venus stand hoch über unsren Häuptern. Als ich von dem fröhlichen Wochenfest müde heimkehrte, mußte ich daran denken, daß dieser selbe Stern in gleicher Stunde auch über dem Städtchen Bethlehem Ephrata stand und vielleicht hoch über der Erde den andren Sternen zusang: „Seht ihr, wie das Rad des Menschenschicksals sich dreht? Ruth wandelt auf den Feldern des Boas, und die Kinder Israel bringen ihre Ernte ein. Das Volk Gottes wird in die Verbannung getrieben, und fremde Völker säen und ernten auf den Gefilden ihres Landes. Nun aber sind sie heimgekehrt, säen und ernten aufs neue, und der Jubel ihrer Erntefreude dringt bis zu den Sternen empor!“ H. Kühn. GiseiaSchimmel München Werkstätten für feine Damen-Moden LindwurmsMel Ecke Sendlingertorpl, Tel. 52754 Rauchen Sie Zigaretten , m Nach 5jähriger Berufung ins Ausland habe ich meine Praxis in München wieder aufgenommen. Emma Elisabeth Brill wissenschaftliche Naturheilkundige Lehrerin für Körperkultur München, Königinstrasse 41/11 (Ecke Veterinärstrasse) Sprechzeit: 3—5 Uhr. Behandlung mit Elektrotherapie, Hydrotherapie, Thure - Brandt, Diät-, Licht, Luft-, Kräuter-, Sonnen-, Organotherapie, Heil- Gymnastik für Kinder und Erwachsene, rhythmische Gymnastik mit Musik, gründliche Untersuchung. - Spezialfach: Veraltete Leiden.-