Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 217 Bis dahin muß die größte Not gelindert werden. Die Bahnverbindung ist perfekt. Im Wege öffentlicher Subskription müssen Verpflegungszüge ausgerüstet werden, um die Bevölkerung mit Speise zu versehen. Es wird vielleicht möglich sein, durch Vermittung eines neutralen Staates, unter Androhung von Repressivmaßregeln die Zurückschickung der verschleppten Männer durchzusetzen. Bies alles mit Energie und ohne Zeitverlust in die Wege zu leiten, ist jetzt Euere Aufgabe . . . Zur Austreibung der galizischen Juden durch die Russen. (Originalbcricht des „Jüdischen Archivs“.) . Nachstehend wird der Originalabdruck des Plakates gebracht, welches zur Zeit der russischen Besetzung den Juden Przemysls ihre Austreibung verkündete. Dieses für die Russenherrschaft in (ializien ungemein charakteristische Plakat, welches in russischer, polnischer und jüdischer Sprache abgefaßt ist, lautet in deutscher Übersetzung: „An das jüdische Exekutivkomitee! Über Verordnung des Kommandanten der Festung Przemysl verständige ich Euch, daß alle Juden der Stadt Przemysl. und des Przemysler Bezirkes so rasch als möglich den Bezirk zu verlassen haben. Um die Räumung zu erleichtern, habe ich ein aus lauter Juden zusammengesetztes Exekutivkomitee ernannt. Bür die abziehenden Juden der Stadt und des Bezirkes Przemysl werden freie Fuhrwerke beigestellt werden. Wenn aber die Juden nicht gutwillig wegfahren und den Weisungen des Komitees gehorchen wollen, werde ich genötigt sein, die schärfsten Mittel anzuwenden. Ein Regiment Kosaken wird im Verlaufe von wenigen Stunden die Räumung durchführen. Die Ungehorsamen werden sich dann die Folgen selbst zuzuschreiben haben. Der Vorstand des Przemysler Bezirkes: Gardeoberst K i r i a k o w.“ Welt-Echo Burgfriede. Das „Hamburger Isr. Familienblatt“ weist auf einen Aufsatz in der „Freideutschen Jugend“ hin, dem Organ des „Greifenbundes“, der die älteren Wandervögel sammelt. In diesem Aufsatz sagt der Gildemeister Ottner Gr äff: „Es muß einmal gesagt werden, daß uns die zuwider sind, die zwar auch nicht mehr das Leben der Masse leben und die Biergesinuung abgcschiittelt haben, die aber nicht im Zeichen des Deutschtums, sondern im Zeichen der „Menschheit“ kämpfen. Wir hören aus ihren Reihen viel von „Freiheit und Gleichheit“, von „Fortschritt“, von „Kultur“, viele von ihnen nennen sich „Freideutsche“ und manche von ihnen sind halbe oder ganze — Juden. Wir können nicht anders, uns v;=55=-*- Hotel Simson Tutzing I am Starnbergersee | wieder geöffnet. stößt es ab, daß diejenigen, die gegen die Goldanbeterei und die Geldherrschaft streiten, sich mit Vertretern dieser widerdeutschen Sippe verbunden haben.“ Man muß sich nur immer wieder fragen, was nach den Zeiten des Burgfriedens noch alles kommen wird! Rabbinerwahl in Braunschweig. Die israelitische Religionsgemeinschaft in Braunschweig nahm für« den verstorbenen Landesrabbiner Dr. Riilf am vergangenen Samstag eine Neuwahl vor. Von den Bewerbern wurde gewählt Rabbiner Dr. Paul Ri eg er in Hamburg, der nunmehr der Staatsbehörde zur Bestätigung präsentiert werden wird. Der neue Landesrabbiner steht im 46. Lebensjahre. Jüdischer Frauenbund. In Königsberg i. Pr. fand kürzlich eine Versammlung statt, die vom Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens, der Jüdischen Gemeinde Königsberg und dem Jüdischen Frauenbund einberufen war. Delegierte der jiididisehen Frauenvereine Ostpreußens waren in reicher Zahl erschienen. Herr Stadtrat Eichelbäum- Insterburg stellte fünf Programmpunkte zur Diskussion: a) die ergänzende Fürsorge für die Kriegerfamilien b) die dauernde Fürsorge für Kriegswaisen (nicht in Waisenhäusern), c) die Fürsorge für die schulentlassene weibliche Jugend (durch Berufsberatung usw.), d) Förderung des Religionsunterrichts, e) rechtzeitige Vorbereitung für die Arbeit nach dem Kriege. Es wurde eine Ortsgruppe Königsberg des Jiid. Frauenbundes gegründet, und zahlreiche Vertreter der Frauenvereine aus der Provinz meldeten ihren Beitritt zum Jüdischen Frauenbund. Am Abend fand eine große Versammlung statt, in der drei Rcdnerinnen aus dem Vorstand des Jüdischen Frauenbundes, Frau Dr. Frankl- Berlin, Frau Clementine Krämer- München und Fräulein Bertha Pappen heim - Frankfurt a. M„ die jüdische Frauenfrage und die Organisation des Bundes beleuchteten. Vier Delegierte des Jüdischen Frauenbundes haben eine Informationsreise durch das zerstörte Ostpreußen gemacht und dabei die Städte Allenstein, Orteisburg, Hohenstein und Soldau besucht. Eine Sabbathfeier in einem Feldrekruten-Depot. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Aus verschiedenen Ersatztruppenteilen waren mit vielen neuen Mannschaften auch 14 Juden in unserem Depot vereinigt worden. Die Ortskommandantur hatte uns liebenswürdiger Weise ein geeignetes Lokal zu Gebetszusammenkünften zur Verfügung gestellt. Dieses Entgegenkommen haben wir den Bemühungen des Gefr. Fr ei sing aus Sulzb ii r g zu verdanken. Bereits am ersten Erev Schabbath konnten wir den Gottesdienst unter Leitung des Kameraden, Lehrer T r a n s 1 a t u r aus Miltenberg, begehen. Auch am Samstag abend vereinigten wir uns, wie wir überhaupt entschlossen sind, nach Tunlichkeit nicht nur zu Gebetszwecken, sondern so oft als möglich uns zu treffen. Schabuoth hoffen wir beim Feldrabbiner der Armee uns mit mehreren Kameraden treffen zu können. — Dieses Beisammensein im Felde soll uns auch in künftigen Zeiten vorbildlich sein zu gemeinsamem Handeln und Denken. Th. H. Die amerikanische Sektion des Jiid. Kriegshilfsfonds, die bisher in Warschau tätig war, aus Zionisten und Orthodoxen bestand und die aus Aine-