Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-06-02 · 22 (2.6.1916) · p. Seite 209

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
22 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
Seite 209 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9137312--00877-9073703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 22 Das Jüdische Echo 209 und der Liebe, moralische und unmoralische Handlungen, Verehrung ganz verschiedener Gottheit von einem und demselben Orientalen ausgeübt werden. Beim Occidentalen herrscht das Nacheinander des Erlebens, beim Orientalen das Nebeneinander der anscheinend verschiedenartigsten Lebensinhalte, das Leben des Occidentalen erfüllt sich in der Zeit, das des Orientalen im Raum. Das Wesen des Occidentalen hebt sich von seinem Lebensinhalt ab, der Orientale geht vollständig in seinem Lebensinhalt: einer Arbeit, einer Idee usw. auf. Der Occidentale tritt sich selbst kritisch gegenüber, der Orientale bejaht sich unbedingt (daraus der Gegensatz von occidentaler Ehre und orientalischer Würde). Seinen höchsten Ausdruck findet dieser Wesensgegensatz in der Religiosität des Orientalen und derjenigen des Occidentalen: des Orientalen letztes Ziel ist Erlösung im Sinne einer tiefsten Versenkung in das Nur-Geistige, im Sinne einer Ablösung; von den Objekten. Dem Occidentalen dagegen, dem gleichfalls Erlösung das letzte Ziel ist, bedeutet sie eine innigste Verschmelzung mit den Objekten. Dort Anschauung, Inbrunst, hier Liebe. Sollte man vielleicht weitergehen und sagen: beim Orientalen Entsinnlichung', Übers:inn,lichkeit, beim Occidentalen höchste Veredlung der Sinnlichkeit? Im Grunde läuft die von Haas geschaffene Kennzeichnung auf den von Martin Buber aufgestellten Wesensgegensatz hinaus: der Orientale ist der motorische, der Occidentale der sensorische Mensch. Die von Haas gegebenen Ausführungen können nur dann einen Beweis dafür bilden, daß der Jude dem motorischen, dem orientalischen Menschentyp zuzurechnen ist, wenn man nicht als den Zentralpunkt der jüdischen Lehre: die Ethik um der Jithik willen, also die innige Verschmelzung des Subjekts mit den Objekten betrachtet. H. Kühn. Der Jude: Eine Monatsschrift. R. Löwit Verlag, Berlin. Wien. Demnächst erscheint das zweite Heft der von Martin Buber herausgegebenen Monatsschrift „Der Jude“. Es wird u. a. folgende Aufsätze enthalten: Max Mayer: „Rivalen oder Verbündete?“ Gegen den innerjüdischen Sprachenstreit: hebräisch und jidisch Bestandteile einer einheitlichen Kultur, die durch' den bevorstehenden Ansturm der (polnischen und russischen) Landessprachen aufs schwerste bedroht ist. Martin Buber: „Das Gestaltende“. Eine Ansprache. Lazar Abramsohn: „Die ostjüdische Gemeinde“. Sachkundige Darstellung des vielfältigen Lebens der jüdischen Gemeinde, deren Leistungen umso bewunderungswürdiger sind, als sie vom russischen Gesetz fast völlig ignoriert wird. Hillel Zeitlin: „Aufgaben der polnischen Juden“. Warmherziger Appell zur Verteidigung der bürgerlichen und nationalen Rechte, wozu auch der Schutz des Jidischen gehört und vor allem eine Erneuerung des Chassidismus. Adolf Böhm: „Die jüdischen Positionen in Palästina“. Sieht in dem Erreichten die Gewähr für die Lebensfähigkeit des palästinensischen Siedlungswerkes. Oskar Epstein: „Grundsätzliches zur zionistischen Gegenwartsarbeit“. Unterscheidet den formalen Nationalismus von einem wesenhaften. Salomon Lehnert: „Jüdische Volksarbeit“. Zeigt ankniipfend an die Eröffnung des jüdischen Volksheims in Berlin große Möglichkeiten nationaler Volksarbeit im Westen. Arno Nadel: „Jüdische Volkslieder“. Verfasser hat wohl am meisten zur Erschließung des Schatzes beigetragen, der in den jüdischen Volksliedern liegt. Schon diese kurze Inhaltsangabe des neuen Heftes zeigt den bedeutenden Fortschritt auf dem Wege, den sich der Herausgeber vorgezeichnet hat. Während das erste Heft mehr prinzipiellen Untersuchungen gewidmet war, behandelt das vorliegende vorwiegend praktische Fragen unserer Kultur und Politik. Die Zeitschrift kann durch den Jüdischen Verlag G. m. b. H., Berlin W. 15, abonniert werden. Die beiden ersten Hefte werden auf Wiunsch zur Ansicht verschickt. Abonnementspreis jährlich 10 Mk., halbjährlich 5 Mk., vierteljährlich Mk. 2.50, Einzelhefte 1 Mk. Paul Adler: E 1 o h i m : Hellerauer Verlag, Dresden-Hellerau. Paul Adler ist ein Dichter und ein Prophet. Er schaut die Zusammenhänge von Zeitlichkeit und Ewigkeit, von Kunst und Wirklichkeit. Die Erzählungen seines Buches „Elohim“ sind Zeugen einer Erfindungsgabe, die ihres Gleichen in unserer Literatur sucht. Er ist kein Dichter und Denker für die große Menge, aber die wenigen, die auf einsamen Wegen nach einer erhöhten Geistigkeit streben, werden seine fast erhabene Sprache verstehen. Unseren jungen Juden, die nach einer Läuterung ihrer ererbten Gottesbegriffe streben, sei dieses Buch empfohlen. Der Neue Merkur; Monatsschrift für geistiges Leben. Georg Müller Verlag, München. Die Zeitschrift beginnt unter unseren deutschen Zeitschriften einen hohen Rang e'inzunehrnen. Das kürzlich erschienene 12. Heft enthält folgende Beiträge: August Mayer: Kriegsbetrachtung; Dr. Moriz Dub (Wien): Die wirtschaftliche Annäherung; Oscar A. H. Schmitz: Eine heimliche Geschichte (Novelle); Firmin Coar: Über das Wesen französischer Macht; Kl ab und: Die Himmelsleiter (Gedichte); Wilh. Michel : Gott und die Sprache; Arnold U 1 i t z : Die Flucht nach Indien (Novelle). Zum Schowuausfeste versendet der Verband der Deutschen Juden ein Heft für die jüdischen Angehörigen des Heeres, das mancherlei interessante Beiträge enthält. Gemeinden und Vereinen, sowie allen, die Exemplare der Schrift ins Feld senden wollen, stehen solche zur Verfügung. Feuilleton Jüdische Sagen. Aus der Sammlung „Die Sagen der Juden“, gesammelt und bearbeitet von Micha Josef bin Gorion, Verlag Riittcn & Loening, Frankfurt a. M. Die vier Winde. Vier Winde wehen alltäglich, von allen vier Weltgegenden kommen sie her. Von Morgen bis Mittag weht der Ostwind, und mit ihm zusammen kommen dreitausendfünfundsiebzig für die Welt heilkräftige Winde; alle entspringen Jsie einer Schatzkammer, welche oben in den östlichen Toren liegt und welche die Schatzkammer der Lust genannt wird. Was immer auch für Leiden und Gebrechen einen plagen, er strauchelt nimmer am Morgen. — Der Engel aber, der von Morgen bis Mittag über diesen Wind, der von Osten kommt, befohlen ist, heißt Michael, derselbe Michael, von dem es heißt: Siehe, mein Bote geht dir voran. Wann der Morgenwind erwacht um in die Welt hinauszugehen und zu der Zeit einer des Weges geht und dieselbe Richtung einschlägt, ihm gehen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.