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Das jüdische Echo · 1916-06-02 · 22 (2.6.1916) · p. Seite 208

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
22 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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208 Das Jüdische Echo Nr. 22 Gleichberechtigung, durch, deren Erfüllung Millionen von entrechteten Juden in den Besitz, der Menschenrechte gelangen sollen, und die Frage der kolonisatorischen Emigration desjenigen TeL les des jüdischen Volkes, der nach eigener kultureller und wirtschaftlicher Existenz strebt Das Comite will zunächst in erster Linie die Forderung der Gleichberechtigung der Juden in Rußland, Polen und Rumänien zur Diskussion stellen und die Welt von der Notwendigkeit der politischen und wirtschaftlichen Befreiung der jüdischen Massen in diesen Ländern überzeugen. In Polen und Rußland leben mehr als sechs Millionen Juden in den traurigsten Verhältnissen, entrechtet, zusammengedrängt, ohne Freizügigkeit, immer blutige Pogrome fürchtend, der Willkür einer unverantwortlichen Bureaukratie ausgeliefert. In Rumänien werden 250 000 Juden, trotz des Berliner Vertrages und der formellen Versprechungen der rumänischen Regierung, als Fremde betrachtet und einer Verfolgungs- und Unterdrückungsgesetzgebung ausgesetzt, die zur. völligen Verarmung und Ausrottung führt. Das Comite wird über alle diese Fragen Propagandabroschüren und Flugblätter herausgeben, Konferenzen einberufen, sich mit den großen jüdischen Körperschaften in den neutralen und kriegführenden Ländern in Verbindung setzen, um zu einer gemeinsamen Aktion, hauptsächlich bei Anlaß der Friedensverhandlungen, zu gelangen. Das Comite wird darauf achten, daß die Presse, alle politischen Parteien und gemeinnützigen Verbände, die das Ideal der Gerechtigkeit vertreten, sich der jüdischen Sache annehmen. Das Comite ersucht Juden und Christen, welche die gute Sache unterstützen wollen, um Zustimmungserklärungen sowie materielle Spenden. Zum Präsidenten des Comites wurde erwählt: J. Dreyfus-Brodsky, Basel, Präsident des Schweiz. Isr. Gemeindebundes. Vizepräsidenten: H. Bon eff, Vizepräsident des Schweiz. Isr. Gemeindebundes, Bern; Dr. jur. A. Mamelok, Oberrichter, Zürich; Dr. Aime Schwöb, Pres, de Comm. Isr. de Geneve, Bureauadresse: Zürich: Postfach 15 377. Russische Juden in Italien ausgewiesen. Italienischen Blättern zufolge scheint die russische Regierung nunmehr auch von Italien die Auslieferung der dort lebenden Juden zu verlangen. Wenigstens geht dies aus einem Aufsatz im „Lavoro“ hervor, der gegen die Auslieferung politischer Flüchtlinge an die russischen Militärbehörden protestiert. Die hebräisch sprechenden Juden von Bombay. Die Magen David-Gemeinde in Bombay hielt neulich eine Versammlung ab, bei der Baronet Jacob Sassoon als Vorsitzender wiedergewählt und bei der über die verschiedenartigsten Gemeindeangelegenheiten beraten wurde. Sämtliche Verhandlungen wurden in hebräischer Sprache geführt. „Monarchistenkonferenz“ der Judenhetzer. Nach Mitteilungen liberaler Blätter sollen die echt russischen Leute, die Veranstalter der Judenhetzen, seit einiger Zeit wieder täglich an Einfluß gewonnen haben. Mitte Juni gedenken sie unter dem Namen „Monarchistenkonferenz“ in Petersburg eine große Zusammenkunft abzuhalten, deren Programm als Hauptpunkt die völlige Entrechtung der Juden und nicht-russischen Nationalitäten sowie die Beseitigung der Reichsduma umfaßt. Selbstbesteiieruug in Kopenhagen. In den zionistischen Kreisen Kopenhagens ist eine monatliche Selbstbesteuerung zu Gunsten Palästinas eingeführt worden. Jüdische Auswanderung nach Deutschland. Laut statistischen Angaben sind bisher aus Lodz nach Deutschland 35 000 jüdische Arbeiter ausgewandert. — Eine Beschränkung dieser Auswanderung in der letzten Zeit trat insofern ein, als nur kräftige, ausgelernte Handwerker, die außerdem noch einer Prüfung unterzogen werden, sich in Deutschland ansiedeln dürfen. Der „American Hebrew“, das bedeutendste Organ der amerikanischen Juden in englischer Sprache, ist, nach dem Tode seines früheren Chefredakteurs, Dr. Joseph Jacobs, nunmehr der Leitung des bekannten Schriftstellers Hermann Bernstein anvertraut worden. Ein neu gegründetes jüdisches Blatt in Amerika trägt den Namen „American Jewish Chronicle“. 140.000 Dollars für den jüdischen Fonds. Der jüdische Bazar, der im vorigen Monat in New York veranstaltet wurde, hat einen Reinertrag von 140.000 Dollars gebracht. Diese Summe wurde dem Fonds für die jüdischen Kriegsnotleidenden zur Verfügung gestellt. Nationalfonds-Spenden im April. Die Gesamtsumme der Spendeneingänge für den Jüdischen Nationalfonds während des Monats April beträgt M. 45 077. Von diesem Betrage entfallen!aut Österreich M. 13 887, Ungarn M. 9010, Nordamerika M. 7869, Deutschland M. 5834, Rumänien M. 2738, Rußland M. 2053, Holland M. 1796, England M. 1154, Schweiz M. 317, Australien M. 181, Siidslavische Länder M. 158, Schweden M. 74, Belgien M. 6.— In der nächsten Zeit — Lagbeomer und vor Schabuoth — werden in Amerika und Holland Blumen tage zugunsten des Nationalfonds stattfinden; auch in kriegführenden Ländern sind solche Veranstaltungen in Vorbereitung. literarisches Echo Willy Haas: Die Seele des Orients. (Aus der Sarfimlung „Das Ausland“, verlegt von Eugen Diederichs in Jena). Wir sind durch Martin Buber darauf hingewiesen worden, die Urelemente unseres jüdischen Wesens in geistigen Kräften zu sehen, die den gesamten Orient beherrschen. Weil wir erforschen wollen, wie weit unser Judentum ein Erzeugnis des Orients, wieweit wir Juden mit den übrigen orientalischen Völkern verbunden sind, deshalb greifen wir heute hungrig nach allem, was uns Aufschluß über die Seele des Orients gibt. Willy Haas faßt den Begriff des orientalischen Menschen als einen psychologischen Menschheitstyp, dessen Verbreitung weder historisch noch geographisch begrenzt ist, sich aber meistens im Orient findet. Fast scheint es, daß Haas bei der Darstellung dieses Typs den Menschen des fernsten Ostens, den Mongolen im Auge hatte. Die ganze Struktur dieses orientalischen Menschen ist von der des occidentalen Menschen grundsätzlich verschieden: Während das Wesen des Abendländers eine organische Einheit bildet, sein Wesen einen Wiesenskern hat, um den sich alle seine Eigenschaften gruppieren, liegen beim Morgenländer die einzelnen Teile des Wesens auseinander, ohne sich zu einer Wesenseinheit zu verbinden. Dadurch können Taten des Hasses

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