Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102942-9137312--00874-9073700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Radom 1× ep/1000823
OCR text
206 Das Jüdische Echo Nr. 22 und kamen stets durch Taten der Massen und der Einzelnen zum Ausdruck.* * 5) Das Jungjudentum, der Wille zu einer neuen, gesunden, freien und schaffensreichen Zukunft für das jüdische Volk in seiner alten Heimat, ist der beste Beweis für diese Kontinuität des jüdischen Volkscharakters, und wenn Herr Prof. Gunkel die Geschichte der Juden mit demselben Interesse und derselben Objektivität erforschen und verfolgen würde, wie ej es mit der alten Geschichte getan hat, so würde er manches finden6) dessen sind wir sicher — worüber er seine helle Freude hätte. Unseren Gesinnungsgenossen und besonders auch unseren Gesinnungsgenossen und Feldgrauen sei die Lektüre des hier besprochenen Aufsatzes aufs wärmste empfohlen. Welt-Echo Die Anstellung der jüdischen Religionslehrer. Der Verband der deutschen Juden hat in Verbindung mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und dem Lehrerverband einen Ausschuß einsetzt, der endlich eine Regelung der Anstellungs- Verhältnisse der jüdischen Religionslehrer herbeiführen soll. Der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands hat in einem Berliner Vorort einen Schulgarten angelegt. Hier können junge Leute gegen eine mäßige Bezahlung eine Parzelle Land pachtweise erwerben und in ihren freien Stunden bebauen. Die Tätigkeit der Feldrabbiner. Im Laufe des Pessachfestes haben die im Osten wirkenden Feldrabbiner (für mehr als 5000 jüdische Soldaten Gottesdienste und Sederfeiern veranstaltet. Jüdische Arbeiterauswanderungen. Durch Vermittlung eines deutschen Agenten wanderten aus Lodz vor kurzem einige Hundert jüdischer Druckerei-Arbeiter aus, die bei angemessenem Lohn Beschäftigung in verschiedenen Druckereien des deutschen Reiches gefunden haben. Viele Familien von Fabrikarbeitern wanderten wegen Mangel an Beschäftigung in Lodz in polnische Provinzstädte aus. Ehrung für Dr. Moscowitz. Zu Ehren des in Palästina hochverehrten Dr. Hermann Moscowitz, dessen tödlichen Unglücksfall wir kürzlich meldeten, hat man beschlossen, dem neuen jüdischen Krankenhaus in Jaffa den Namen Dr. Moscowitz- Krankenhaus zu geben. Der Rabbiner von Belgien in Haft genommen, Der Rabbiner von Belgien, Dr. Bloch, wurde im Anschluß an eine Predigt, die er in der Synagoge von Brüssel hielt und in der er der belgischen Königsfamilie eine baldige Rückkehr wünschte, von deutschen Militärbeamten verhaftet. Kulturarbeit im Osten. Auf Verordnung des Schulinspektors in Radom wurden die dortigen Chederschulen geschlossen. An deren Stelle werden demnächst neue Schulen, ähnlich den Konfessionsschulen mit Polnisch als Unterrichtssprache und jüdischen Lehrfächern, einschließlich des Talmudunterrichtes, treten. — Die Verwaltung der „Bildungsvereine für jüdische Arbeiter“ in d) vid. ein Artikel in der „Frankf. Zeitung“ vom 6. VIII. 13.: „Sind die Juden eine kriegerische Rasse?“ 6) Nur ein Beispiel: die „Bilu“-Pioniere. Warschau veranstaltete eine Kunstausstellung des jüdischen Künstlers Elisenberg mit sachundigen Führungen und Kunsterklärungen für jüdische Arbeiter. — Vor kurzem wurde in Warschau ein Verein jüdischer Lehr e r auf der Grundlage gegenseitiger Hilfeleistung gegründet. — Die Schüler der jüdischen Schule „Beth Ulfana“ in Lodz veranstalten jeden Sonntag mit ihren Lehrern Ausflüge ins Freie. Diese Veranstaltung ist eine neue, höchst erfreuliche Erscheinung im Ghettoleben des Ostens. — Der Verein für Gründung von jüdischen Mittelschulen in Lodz beschloß, eine Frauenmittelschule schon für das kommende Schuljahr zu eröffnen. Die Aufnahmeprüfung für diese Schule, sowie auch für das jüdische Schiilergymnasium findet bereits am 15. Juni d. J. statt. — Die Schulkommission des jüdischen Handwerkervereins in Lodz veranstaltet am 1. Juni abends Kurse für jüdische, hebräische, deutsche und polnische Sprache, sowie für Rechnen. Ähnliche Abendkurse veranstaltet auch das „Arbeiterheim“ in Lodz. Jüdische Volksschule in Bialystok. In der früheren Regierungsschule zu Bialystok wurde eine jüdische Volksschule eröffnet, an der 17 Lehrer und Lehrerinnen angestellt wurden. Die Unterrichtssprachen sind j i d i s c h und deutsch. Gegen das Tragen der jüdischen Tracht. Der „Moment“ bringt in seiner Nummer vom 12. Mai einen Aufsatz gegen das Tragen der jüdischen Tracht, der deutlich eine immer stärker werdende „moderne“ Strömung im Osten verrät. „Ich berühre eine Frage, die der Teilnahme eines großen Teiles der orthodoxen polnischen Juden, sowie des jungen Geschlechtes sicher ist, soweit es sich zum orthdoxen Lager zählt. Die Frage, die ich meine, ist die Kleidungsfrage. Keinen kleineren Wunsch hätte ich, als den, daß der erste Beschluß und der erste Schritt der neuen orthodoxen Organisation der Änderung unserer Kleidung gelten möchte, daß wir die langen Röcke und altfränkischen Hüte mit europäischer Kleidung vertauschen. Dieser Wunsch ist nicht mein besonderes Eigentum, sondern 90 Prozent der langgekleideten Juden Polens und fast das ganze Geschlecht des orthodoxen Lagers denken so. Ich fühle, wie sie diesen Vorschlag gerade alle mit großer Dankbarkeit aufnehmen und für sich ein jeder denkt: Ach, wer doch damit heraustreten könnte! Andererseits jedoch fühle ich, wie bei den übrigen 10 Prozent der älteren Juden es wie das Hineinwerfen eines glühenden Funken in eine Pulvermasse empfunden würde, und hinter mir höre ich den stürmischen Chor: „Frechheit, Unverschämtheit, Hetzer!“ Fs ist keine so arge Gewaltmaßregel. Die russischen Juden (Litwaki) wissen auch von der Sache, und die Frankfurter Juden (die euch doch jetzt allein als Muster gelten) sind große Eiferer für den verachteten jüdischen Namen. Jeder Verständige sieht ein, daß es mit dieser Sache nicht auf eine Oberflächlichkeit hinausläuft. Was unsere heutige „geheiligte“ Kleidung anbetrifft, so weiß jeder, daß sie ein Erbe der alten polnischen Schlachta, d. h. nichtjüdischen Ursprungs ist . . . In der Tat, hundert Jahre lang haben wir uns an sie gewöhnt, sie ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und man trennt sich schwer von alten Überlieferungen. Mag die alte Überlieferung aber noch so fest bei uns eingewurzelt sein, mag es noch so schwer sein, sie auszureißen, jetzt ist doch