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Das jüdische Echo · 1916-05-26 · 21 (26.5.1916) · p. Seite 197

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
Seite 197 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 197 t h a u mehrmals über Palästina ausgesprochen. Er ist der Ansieht, daß die türkische Regierung in Zukunft die jüdische Ansiedlung nicht erschweren werde. Im übrigen betonte der Botschafter wiederholt die Notwendigkeit, neben der landwirtschaftlichen eine industrielle Erschließung des Landes anzustreben, da nur durch Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Industrie das erhoffte jüdische Zentrum sich in absehbarer Zeit bilden könne. Juden im französischen Heere. Der „American Hebrew“ veröffentlicht folgende Aufstellung: Von den im französischen Heere kämpfenden Juden haben 1Ü58 den Heldentod erlitten. In die Ehrenlegion wurden aufgenommen: 1 Großoffizier, 1 Commandeur, 15 Offiziere, 126 Ritter. Militärmedaillen wurden verliehen an 145 Juden. Im Tagesbefehl als tapfer erwähnt 617. Kriegskreuz verliehen an 254 Juden. Die Lucker Stadtverwaltung. Die von den verbündeten Heeren eingenommene Stadt Luck, die vor dem Kriege 35 000 jüdische Einwohner hatte, zählt jetzt 24 500 Einwohner, darunter 23 000 Juden. In der vom österreichischen Kommandanten eingesetzten Stadtverwaltung ist kein einziger jüdischer Vertreter. Kulturarbeit im Osten. Die „Gesellschaft zur Schaffung von Arbeit für arme Juden“ unter dem Vorsitz des Ingenieurs Weißblatt in Warschau erhielt vom Ica-Komitee eine Unterstützung von 70000 Rubel zur Errichtung von Handwerkerschulen.— In den nächsten Tagen wird in Tschenstochau ein jüdisches Frauengymnasium mit Polnisch als Unterrichtssprache eröffnet, in dem die jüdischen Gegenstände einen bedeutenden Platz einnehmen werden. — In Lodz bildete sich eine Gruppe jüdischer Kunstmaler, die sich die Ausbildung ihrer Mitglieder und die Unterstützung junger, jüdischer Talente zur Aufgabe machte. — Die Verwaltung der jüdischen Volkshochschulkurse in Lodz „Beth-Am“ veranstaltet demnächst folgende jüdische Kurse: Dr. E. Lewin: Allgemeine Geschichte, Ingenieur H. Kontorovitz: Physik, Dr. Pribolski: Hygiene, Leon Lifschitz: Allgemeine Literaturgeschichte. Ähnliche Kurse veranstaltet auch in verschiedenen Stadtteilen der „Lodzer jüdische Volksbildungsverein“, der auch an die Gründung der ersten jüdischen Volksschule in Lodz demnächst herantritt. Neue Ausweisung von 30 000 Juden in Rußland. Der „Birsch. Wjedomostii“ zufolge bekam der Orlower Gouverneur die Nachricht, daß demnächst 15 000 Juden aus der Frontgegend in seinem Bezirk eintreffen werden. Die gleiche Nachricht ist auch dem Rjäsaner Gouverneur von der russischen Regierung zugegangen. Rumänische Pogromgelüste. Die in Jassy erscheinende „Opinia“ berichtet, daß dort in den Postwagen Karten verteilt werden, in denen zu einem Judenpogrom aufgefordert wird. „Opinia“ fordert die Regierung auf, dem Treiben der rumänischen Antisemiten ein Ende zu machen. Bjaliks 25jährigesi SchViftstelleriubiläum. Anläßlich der 25jährigen Tätigkeit des^ hebräischen Dichters finden in verschiedenen Städten Vorträge und Veranstaltungen zu Ehren des Jubilars statt. Vornehmlich wird er als Dichter von „Frühling und Liebe“ und „jüdischer Renaissance“ von der ganzen jüdisch-gebildeten Welt geehrt und gefeiert. Feuilleton Eine Volksversammlung in New York. In New York fand neulich eine Massenversammlung statt, bei der Tausende von Einwanderern — meistens Juden aus Ost- Europa —■ gegen das Burnett-Dilingham-Gesetz protestierten, durch dessen Annahme Scharen von Emigranten die Einwanderung in Amerika verwehrt werden würde. Tagelang haben sie nichts gesehen als Wasser und Himmel, Wolken und Wogen, lange Tage haben sie in der quetschenden Enge des Zwischendecks gehaust, haben sich tagsüber auf dem Stückchen Verdeck gedrängt, um ein wenig Luft, ein wenig Ausblick in die Ferne zu erhaschen, und des Nachts haben sie sich auf der Pritsche, wo hundert Menschenkörper zusammengeengt liegen, den Raum streitig zu machen gesucht. Wenn das Schiff geschaukelt hat, haben sie alle Unbilden der Seekrankheit erlitten, und wenn es Sturm gegeben hat, sind die Sturzwellen über dem Vorderdeck zusammengebrochen und haben sie bis auf die Haut durchnäßt. In dem dumpfen, tatenlosen Vegetieren war ihre einzige Freude die Musik, die manchmal vom Luxusdeck herab zu ihnen gedrungen ist — wenn nicht gerade der Wind neidisch die Klänge zerriß und verwehte. — Und dabei war in ihrer aller Herzen die gespannte Erwartung, die bange Hoffnung auf das Land der Freiheit, des Erwerbs, des menschenwürdigen Daseins. Als sie der langen stumpfen Fahrt in der elenden Welt des Zwischendecks schon müde, ach so müde waren, ist endlich von irgendwoher die Verheißung gekommen und hat sich von Mund zu Munde fortgepflanzt: Morgen früh sehen wir Land! morgen ziehen wir ein in das neue Leben! Mitten in der Nacht hat die große Schiffsschraube schon langsamer gearbeitet, hat endlich stillgestanden, und sie sind hinausgelaufen und haben den ersten Blick in die neue Welt, das neue Leben getan. Da haben die auf dem Zwischendeck sich bebend umklammert, haben gelacht und geweint und haben sich wieder auf die gedrängt volle Pritsche gelegt in zitternder Erwartung des kommenden Tages. Grau und wolkenschwer ist dieser neue Tag heraufgezogen, ein Beben, ein Ächzen ist durch den Schiffskoloß geglitten, und langsam hat er wieder begonnen sich zu regen, dem Hafen zuzustreben. Schwer hat der Morgendunst auf den Wogen gelastet, und nur ein trüber, schmaler Streifen in der Ferne hat das nahe Land verraten. Bis plötzlich ein heller Schein, ein goldiges Leuchten in den Wolken erschienen ist, das immer stärker und strahlender geworden, bis endlich der Wolkenschleier zerrissen ist und der erste Morgensonnenstrahl die Wolken geküßt hat. Da hat sie vor ihnen gestanden, die sich geschoben und gedrängt haben, ihren ersten Anblick zu erhaschen, die Schutzpatronin der neuen Wielt und des neuen Lebens, die Göttin, die Statue der Freiheit. Im ersten hellen Morgenlicht stand sie auf ihrer Insel mitten im Meer, mit erhobener Fackel, und grüßte das Schiff mit seiner Last Mühseliger und Beladener, grüßte sie, die aus Bauernkathen, aus Bergwerken und Fabrikräumen gekommen, grüßte jene Unseligen, die aus der Tyrannennacht russischer Ghetti entflohen waren.

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