Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 196 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Das Jüdische Echo Nr. 21 50 000 in Südafrika und 20 000 in Australien. Bei dieser Zuteilung ist absichtlich außer acht gelassen worden, daß ein sehr wesentlich e r Teil dieser 2,77 Millionen, die ja zu neun Zehnteln erst während des letzten Menschenalters in die genannten englischsprachigen Gebiete eingewandert sind, gegenwärtig noch keineswegs der englischen Sprache mächtig sind. Wir haben uns aber bei der Zuteilung auch dieser zum englischen Sprachgebiet von der Erwägung leiten lassen, daß in fünf oder zehn Jahren alle diese Juden — wenn auch der Hauptsache nach weitaus vorwiegend bei der deutschen und jüdisch - deutschen Umgangssprache verharrend — dem englischen Sprachgebiet weitester Auffassung zuzurechnen sein werden. Unter den gleichen Voraussetzungen und mit denselben Vorbehalten rechnen wir der französischen Weltsprache die 120 000 Juden Frankreich und 30 000 Belgiens zu. Von den nicht ganz 250 000 Juden Algeriens, Tunesiens und Marokkos wird höchstens die Hälfte auch bei weitherzigster Zuteilung dem französischen Sprachgebiet zuzubilligen sein. Aber rechnen wir selbst die algerischen und tunesischen Juden ganz und die marokkanischen Juden zu einem reichlichen Drittel hierbei mit, so bekommen wir etwa 175 000 heraus, so daß die bisherige Gesamtziffer 325 000 betragen würde. Nun wollen wir noch in der Türkei nebst Ägypten, in Persien und in den Balkanstaaten als Hauptgebieten des Schulwerks der „Alliance Israelite Universelle“ die sehr hohe Schätzung von 175 000 hinzufügen und bekämen dann eine Gesamtziffer von etwa 500 000 heraus.5) Hiernach ergäbe sich also die aus folgender Aufstellung ersichtliche Zugehörigkeit der Juden zum Gebiet der drei Weltsprachen: 5) Diese Ziffer wird wahrscheinlich heftig bestritten werden. Es ist aber ganz klar, daß keine denkbare Rechenmethode es fertig bringen kann, die französische Ziffer auch nur bis zu einem Zwanzigstel der deutschen Dreizehnmillionenzahl aufzubauschen. Insgesamt % dav. Europa Asien Afrika Amerika Austr. Deutsch . . , . . 13 085 000 96,1 „ 10 330 000 280 000 50 000 2 390 000 15 000 Englisch . . . . 2 770 000 20,3 „ 300 000 — 50 000 2 400 000 20 000 Französisch . . , . 500 000 3,7 „ 200 000 100 000 200 000 — — Zum Geb. d. drei Weltspr. 16 385 000 worunter Individuen rund 13 620 000. * * ♦ Zum Schluß sei noch der Versuch gemacht, für eine mehr ins Einzelne gehende Bearbeitung dieser wichtigen Frage die Skizze einer Gesamtübarsicht Gier Sprachzugehörikeit aller Juden darzustellen, wobei aber nochmals hervorgehoben sei: 1. daß es sich hier nur (was besonders für die kleineren Sprachgebiete gilt) um eine ganz rohe Skizze und sozusagen nur um eine Diskussionsunterlage handeln soll, und 2. daß durch Berücksichtigung der Doppelsprachigkeit die Summe der Sprachziffern die Gesamtzahl der Juden übertreffen muß. Es ergibt sich dann die folgende Aufstellung: Weltsprachen: Deutsch . . . . . 13 085 000 Englisch . .... 2 770 000 Französisch .... Andere Sprachen: Polnisch . .... 2 500 000 Russisch . .... 2 000 000 Ungarisch . .... .... 600 000 Spanisch u. Spaniolisch6) . . . 400 000 Arabisch . 375 000 Rumänisch . 300 OCX) Holländisch . 110 000 Ruthenisch7) . 100 000 Tschechisch usw.8) . 100 000 Bulgarisch . 50 000 Italienisch. 50 000 Persisch . 40 000 Serbisch u. Kroatisch .... 30000 Hiernach kann die Doppelsprachigkeit der Juden innerhalb der drei hauptsächlichsten Weltsprachen auf über 20 Prozent, die Doppelsprachigkeit der Juden im Allgemeinen auf über 60 Prozent veranschlagt werden. °) Spanisch in Argentinien usw. rund 50 000 Spaniolisch in der Levante 350 000. 7) Ruthenisch als Muttersprache wurde 1900 allein i n Österreich-Ungarn angegeben von 51 000 Juden. 8) Böhmisch, Mährisch und Slowakisch. Welt-Echo Generalversammlung des Rabbinerverbandes. Vom 8. bis 10. Mai hielt der Rabbinerverband in Berlin seine Generalversammlung, an der gegen 100 Mitglieder teilnahmen. Es wurde u. a. beschlossen, auf eine Gleichstellung der jüdischen Feldgeistlichen (mit ihren (christlichen (Kollegen zu dringen. Ferner wurde die nicht ganz geklärte Stellung zum Verband der deutschen Juden geregelt. Die unhaltbare rechtliche Lage der preußischen Rabbiner soll gleichfalls geregelt werden. Ein Ausschuß wird über die Anstellung eines besoldeten Syndikus des Rabbinerverbandes und^ über die Schaffung einer Fachpresse beraten. Eine eingehende Beratung erfuhr die Frage des Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten. Verlangt wu'rde schließlich, daß jüdischer Religionsunterricht überall eingeführt werden soll, wo jüdische Schüler vorhanden sind. Die Kosten werden von der Patronatsbehörde getragen. Der Unterricht wird in allen Klassen erteilt; befreit werden davon nur solche Schüler, die anderweitig vollgültigen Unterricht erhalten. Die Lehrer haben einen Befähigungsnachweis beizubringen und müssen in den obersten Klassen akademisch gebildet sein. Die Schüler erhalten eine Zensur im Religionsfach, und der Religionslehrer muß zu allen Konferenzen hinzugezogen werden. Das Hebräische ist als Lehrgegenstand zu erstreben. Der neue galizische Statthalter, Baron Diller, hat kurz nach seiner Ankunft in Lemberg die Reprästentanten der dortigen Kultusgemeinde und eine Deputation des jüdischen Rettungskomitees empfangen, die ihm die traurige Lage der jüdischen Bevölkerung schilderten und um Unterstützung bei ihrer Arbeit baten. Industrie in Palästina. Bei seinem Aufenthalt in New York hat sich Botschafter Morgen-