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Das jüdische Echo · 1916-05-26 · 21 (26.5.1916) · p. Seite 194

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
Seite 194 (sequence 6)
Language
German
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194 Das Jüdische Echo Nr. 21 Leider erklärten sich auch die einflußreichsten Mitglieder der Alliance für außerstande, die harte Verordnung zu bekämpfen. Wie viele Hasser des Zarismus, der russischen Willkürherrschaft werden die Republik verlassen müssen? Wohl 35 bis 40 000. Sie lebten in Frankreich als fleißige Arbeiter, die zur Aufrechterhaltung des Kleinhandels wesentlich beitrugen. Frankreich wird ihren Verlust empfindlich spüren. Da ja bekannt ist, daß der Antisemitismus in Frankreich i m Steigen begriffen ist, so billigt die Öffentlichkeit, mit einer merklichen Schadenfreude, den Abtransport der Russen. Ich selbst hörte von einem Pariser Deputierten die Worte: „Unsere Leute wunderten sich seit langer Zeit, daß die russischen Flüchtlinge ungestört ihrem Berufe nachgehen können, während wir alle unsere Männer ins Feld schicken. Die sollen in ihre Heimat.“ Der Franzose will sich der entsetzlichsten Leiden, die das Judentum in Rußland erdulden mußte, und noch erduldet, nicht erinnern. Seine Kriegswut unterdrückt in ihm jede humane Regung . . Wie inzwischen bekannt geworden ist, hat die englische Regierung vorläufig von der Auslieferung der russischen Juden abgesehen. Von verschiedenen Seiten wird befürwortet, dkß man auch den ausländischen Juden das Dienen in der englischen Armee, das ihnen bisher nicht gestattet war, möglich machen solle. Von den Sprachen Verhältnissen der Juden.*) Von Davis Trietsch, Berlin. Ich habe über die deutsch-jüdische Interessengemeinschaft auf dem Gebiet der Sprache schon seit Jahren hingewiesen. Meine erste Veröffentlichung darüber erschien Ende 1910 in den „Vierteljahrsheften des Vereins für das Deutschtum im Ausland“ unter dem Titel „D i e D e u t s c h s p r a, c h i g k le i t d e r Jude n“. Föne wesentlich erweiterte Bearbeitung des Themas erschien dann 1911 in den „Mitteilungen zur Abwehr des Antisemitismus“ und eine abermals wesentlich erweiterte Fassung erschien um Mitte 1915 als selbständige Schrift.1) Hier war auf Grund der dem Verfasser zugänglichen Statistiken und Schätzungen vor (allem eine (in runden Ziffern gehaltene) Darstellung gebracht worden, aus der nach den Hauptwohnländern der Juden neben der Gesamtzahl die der deutsch redenden hervorging. Das Ergebnis war, daß von den etwa 141/:» Millionen Juden der ganzen Welt 12,93 Millionen-) dem deutschen Sprachgebiet Jzuzuzähilen seien, und zwar (wie dort näher ausgeführt) in dem Sinne, daß deutsch und jüdisch-deutsch — sowohl als Muttersprache, wie als zweite, oder auch als irgendwie eine Verständigungsmöglichkeit bietende Sprache in Betracht gezogen waren. Heute bin ich in der Lage, einige weitere Ergänzungen vorzunehmen. *) Aus der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“, Nr. 7/8 9. U „Juden und Deutsche. Eine Sprach- und Interessengemeinschaft“. (60 Seiten. R. Löwit Verlag, Wien). 2) Inzwischen ergänzt auf: Gesamtzahl 14 420 000 deutsch redende 13 085 000 Land Gesamtzahl der Juden’) Deutschredende Juden Rußland . . . . 7 000 000 6 780 000 Vereinigte Staaten . 2 300 000 2 200 000 Österreich-Ungarn . 2 260 000 2 260 000 Deutschland . . 620 000 620 000 Türkisches Reich 400 000 120 000 Großbritannien 300 000 275 000 Rumänien . . 300 000 290 000 Frankreich . . 120 000 100 000 Niederlande . . 110 000 100 000 Marokko . . . 110 000 — Griechenland 95 000 — Argentinien . . 90 000 90 000 Kanada . . . 100 000 100 000 Algerien . . . 70 000 — Tunesien . . . 65 000 — Italien4) . . . 60 000 — Abessinien . . 50 000 — Bulgarien . . . 50 000 10 000 Ägypten . . . 50 000 10 000 Südafrika . . 50 000 40 000 Persien . . . 40 000 — Indien .... 20 000 — Schweiz . . . 20 000 20 000 Serbien . . . 20 000 10 000 Australien . . 20 000 15 000 Belgien . . . 30 000 25 000 Afghanistan . . 20 000 — Andere Länder etwa 50 000 20 000 Gesamtzahl . . * . 14 420 000 * * 13 085 000 Angesichts der Zeitereignisse und des Streites der Meinungen, der schon jetzt über die Frage von Freizügigkeit, bedingter Zulassung oder Grenzschluß hinsichtlich der Ostjuden entbrannt ist, deren Kulturgrad vielen fragwürdig erscheinen will, dürfen wir hier vor allem auf die recht frappante Tatsache hinweisen, daß im Königreich Preußen (nach der Bevölkerungsaufnahme von 1905) deutsch als Muttersprache angegeben ist: bei der Gesamtbevölkerung von 81,81 Proz. bei den Evangelischen von 91,02 Proz. bei den Katholiken von 66,43 Proz. bei den Juden von 94,39 Proz. Es zeigt sich also, daß in Preußen die Juden hinsichtlich der Deutschsprachigkeit weit ii b e r dem Durchschnitt und sogar auch weit über der evangelischen und katholischen Gemeinschaft stehen. Hierbei verdient besondere Beachtung, daß unter den 370 657 Juden in Preußen fast 10 Proz. Reichsausländer sind (genau genommen 9,4857 Proz.), während noch nicht 21/2 Prozent der deutschen Gesamtjudenschaft (also noch nicht der vierte Teil dieser Ausländerziffer) einer anderen als der deutschen Muttersprache zugezählt werden. Daß somit die Juden in Preußen — und hiernach wohl (wenn auch nicht in so großem Abstand) auch in Deutschland -— zu einem größeren Prozentsatz der deutschen Muttersprache zuzurechnen sind als die anderen Konfessionen, ist gewiß schon auffällig genug. Ein noch merkwürdigeres Bild bekommen wir aber, wenn wir daneben in Betracht ziehen, wie beispielsweise in Rußland das Hauptverbreitungsgebiet der deutschen Verständigungssprache nicht bei den 3) In abgerundeten Ziffern nach dem Stande von Mitte 1914. 4) Mit Tripolitanien (20 000).

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