Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 19 (12.5.1916)
- Date
- 1916-05-12
- Page
- Seite 177 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 177 Städten sowie m London und verschiedenen Orten in Amerika wurden anläßlich des ersten Todestages des Dichters Feiern veranstaltet. Ein Umschwung in der polnischen Assimilation Vor einiger Zeit fand in Warschau eine Konferenz von Vertretern sämtlicher jüdischen Parteien und Richtungen über die Frage der künftigen Gestaltung der rechtlichen Lage der Juden in Polen statt. An dieser Konferenz nahmen Vertreter des extremen und des gemäßigten Flügels der Assimilauten, dann der C h a s s i d i m , der Zionisten, des Jüdischen Arbeiterbundes und der Sozialdemokratischen Partei P o a 1 e Zion teil. Es wird uns von informativer Seite versichert, daß sich die Teilnehmer schließlich auf die Minimalforderung einer jüdischen Schul- und Kulturautonomie unter der Leitung eines obersten nationalen Kulturrates geeinigt haben. Die Anhänger der Assimilation begründeten ihre überraschende Zustimmung zu diesem Programm in nachstehender Erklärung. Erklärung der Assimilanten. „Indem wir das Judentum als ein nationalbildendes Element nicht anerkennen, indem wir ferner an die Möglichkeit der kulturellen Entwicklung des Jargons nicht glauben und endlich die Assimilation als einzig wirksames Mittel der Regelung der jüdischen Frage auf der Grundlage des kulturellen Fortschrittes anerkennen (obwohl wir einsehen, daß diese Entwicklung nur stufenweise vor sich gehen muß), sind wir jedoch von der zwangsmäßigen politischen Assimilation der jüdischen Massen weit entfernt. Ebenso erkennen wir an, daß die Massen Erziehungsmethoden, die ihrem Wesen angepaßt sind, genießen müssen. Wir sind hingegen der Meinung, daß der Gedanke eines verfassungsmäßigen und gesetzlich garantierten obersten nationalen Kulturrechtes grundsätzlich annehmbar ist, also eines Organes, welches die Erziehung und kulturelle Entwicklung der jüdischen Jugend auf der sprachlichen Selbstbestimmung und auf diesbezüglicher Matrikulierung der jüdischen Bevölkerung gründen wird. Dieser Gedanke ist jedoch nur unter der Bedingung annehmbar, daß dies erst im Rahmen der freien polnischen Verfassung durchgeführt wird und daß es weder die Entwicklung der freiwilligen Assimilation noch die Einimpfung der bürgerlichen Pflichten dem polnischen Vaterlande gegenüber und der polnischen politischen Idee in den jüdischen Massen zerstören wird. Es versteht sich von selbst, daß Juden und Polen unbeschadet ihrer sprachlichen Selbstbestimmung volle bürgerliche Gleichberechtigung genießen werden, die in den Satzungen der Verfassung eine absolute Garantie findet“. Diese Erklärung bedeutet trotz der prinzipiell assimilatorischen Einleitung, einen vollständigen Bruch mit der bisherigen Theorie und Praxis der Assimilationspolitik. Schon das Geständnis, daß die jüdischen Massen eine „ihrem inneren Wesen angepaßte Erziehungsmethode“ brauchen, ist eine Verurteilung der bisherigen polnisch-assimilatorischen Schulpolitik und insbesondere auch des erbitterten Kampfes gegen die Einführung der jidischen Unterrichtssprache in jüdischen Schulen in allerjüngster Zeit. Die Konjunktur ist für die polnische Assimilätionspohtik hm /deutschen Okkupationsgebiet nicht günstig, ein starres Festhalten an dem Grundsatz der bedingungslosen Assimilation könnte die deutsche Verwaltung auf den Gedanken bringen, daß es nicht nur eine Assimilierung an Polen geben könne, was sowohl für Juden wie Polen verhängnisvoll werden könnte. (Wir erinnern an die erste Schulverfiigüng des Oberkommandierenden, derzufolge in den jüdischen Schulen Deutsch als Unterrichtssprache eingeführt werden sollte.) Es ist, gewiß kein Zufall, daß es gerade die Warschauer Assimilanten waren, die diesen „Verrat? an den Traditionen der Assimilationspolitik begingen, während ihre Freunde in Österreich und im österreichischen Okkupationsgebiete mehr denn je an der alten Praxis der Zwangsassimilation festhalten. Doch bleibt die Erklärung auf jeden Fall ein wertvolles Dokument, über das man nicht ohne weiteres zur Tagesordnung wird übergehen können. Englische Synagogen und Zionismus. Der „Jewish Chronicle“ verzeichnet das stetige Wachsen der Macht der zionistischen Bewegung im ganzen britischen Reiche. Letzthin hat die englische Zionisten-Föderation erfolgreiche Versuche unternommen, ihre Arbeit auf die Synagogen auszudehnen. Bei einer Vorstandssitzung der Großen Synagoge Bethnal Green in London wurde beschlossen, daß der Schekel künftig gemeinsam mit den Tempelsteuern eingezogen werden solle. Eine ähnliche Einrichtung wird in anderen Synagogen erwogen. Bei einer großen Versammlung von Rabbinern und Synagogenvorständen, die kürzlich in London stattfand, wurde beschlossen, alle Juden aufzufordern, sich der zionistischen Bewegung anzuschließen. Während der Pessachwoche wurden von zahlreichen Rabbinern Predigten mit ausgesprochen zionistischer Tendenz gehalten. Enver Pascha in Jerusalem. Vor einigen Wochen statteten Enver Pascha und Djemal Pascha der Stadt Jerusalem einen Besuch ab. Die Stadt war zu Ehren der Gäste festlich geschmückt. Professor Boris Schatz hatte die Ausführung einer Ehrenpforte besorgt. Unter den Schulkindern der Stadt, die die Gäste begrüßten, waren auch jüdische Schüler und Schülerinnen geführt von David Jellin. Enver Pascha empfing den Chacham Baschi sowie eine jüdische Abordnung. Kongreßstimmung in Palästina. Die amerikanisch-jüdische Zeitschrift „Der jüdische Kongreß“ bringt eine interessante Darstellung aus der Feder des palästinensischen Kolonisten Serubabel über die Wirkung der Kongreßbewegung auf die palästinensischen Juden. In Palästina ist sofort nach Ausbruch des Krieges der Gedanke eines jüdischen Kongresses aufgetaucht, und in allen Kolonien und Städten fanden Versammlungen statt, in denen auf die Notwendigkeit eines solchen Kongresses hingewiesen wurde. Auch hier waren die Poale-Zionisten (neben einigen führenden Persönlichkeiten! Anm. d. Red.) die Anreger des Gedankens. In einem Sammelbuch wurden die Aufgaben des Kongresses im einzelnen gekennzeichnet. Auch heute noch hält der Gedanke die palästinensische Judenheit in Spannung. Sie Hotel Simson Tutzing am Starnbergersee fwieder geöffnet.