Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 19 (12.5.1916)
- Date
- 1916-05-12
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 175 Stufen seiner Entwicklung ein Spiegel sein soll, zu einer Notwendigkeit für das jüdische Volk geworden ist. Martin Bub er, der uns Jungjuden mehr jüdisches Leben und jüdischen Geist zu soenden vermag, als irgend ein anderer, der wirklieh berufen ist, Wege in die Zukunft zu bahnen, wurde der Herausgeber der neuen Zeitschrift „Der Jude“. In seiner Einleitung zu dem nun erschienenen ersten Heft nennt er die Aufgaben der neuen jüdischen „Lehrer“, denen die Zeitschrift als Sprachrohr dienen soll: Sie wollen das Judentum als Volkstum gegen die Völker abgrenzen, damit es in dieser Abgrenzung seine Funktion erfüllen kann, nämlich die Verbi n düng der Völker, bei der das wichtigste Bindeglied die neue Gemeinde in Palästina sein wird. Noch ist diese Funktion „keine Wirklichkeit, sondern eine Aufgabe“, noch gilt es, das Wiesen dieser Aufgabe des Judentums zu erfassen und Wege zu suchen, zu versuchen, auf denen an ihre Erfüllung geschritten werden kann. Daß aber das Judentum als Volkstum ein Amt an der Menschheit hat , daß es sich nicht von den Ereignissen 'beherrschen lassen darf, sondern die Pflicht hat, die Ereignisse zu beherrschen, das soll in dieser Zeitschrift dargetan werden. Den Juden der Zukunft, der noch kein Bild, sondern mir eine Hoffnung ist, will die Zeitschrift verbildlichen und verwirklichen. Weil aber dieser neue Jude noch ein Werdender, kein fertig Geschaffener ist, darum treten uns alle, die durch diese Zeitschrift zu uns reden, nicht als Finder, sondern als Sucher, Versucher des neuen Judentums, dessen Erwachen wir alle fühlen, entgegen. Hermann Glenn fragt nach der Beziehung des Einzelnen zur jüdischen Gesamtheit, und antwortet: Erst der, dem das Bewußtsein des Judentums zum primum movens seines Wesens wird, ist als der eigentliche Jude anzusehen — eine Antwort, die freilich keine Lösung für die bedeutet, die aus dem Zwiespalt heraus zur vollen Bejahung ihres jüdischen Volkstums, zur uneingeschränkten Erfüllung ihrer nationalen Pflichten hinstreben. Hugo Bergma n n fragt, wie das neue jüdische Leben aussehen wird, wie es nach dem Kriege verwirklicht werden kann! Er vermag hierauf noch keine Antwort zu geben, aber er versucht einen Weg zu seiner Verwirklichung zu weisen: Mehr Judentum kann nur durch eine Entwicklung zum höheren Menschentum erzielt werden. Fritz M. Kaufmann ist in diesem 1. Heft der Einzige, der sich nicht mit der Entwicklung des Judentums, sondern mit dem Schicksal der Judenheit beschäftigt: In seinem Aufsatz: „Grenzsperre“ beweist er, daß für Deutschland eine „Ostjudengefahr“ nicht besteht. Auf die Frage, ob selbst dann wenn Deutschland sich nicht von der „Gefahrlosigkeit“ überzeugen sollte, eine solche Grenzssperre vom Standpunkt der Menschlichkeit und Gerechtigkeit erlaubt scheint, geht er nicht ein. In warmen Worten weist Alfons Paquct auf die beiden schöpferischen Kräfte im Judentum hin: die Orthodoxie und den Zionismus. Auch Moses Calvary rührt an ein Problem, ohne es zu lösen: In seinem reizvollen Aufsatz „Jiddisch“ erkennt er der jüdischen Sprache das Recht einer selbständigen Sprache zu, ohne doch entscheiden zu wollen, ob ihr der Rang einer nationalen Sprache gebührt, Dies sind die Aufsätze, die Probleme ..des jüdischen Lebens und der jüdischen Zukunftskultur aufrollen. In den Fragen nach der Gestaltung des werdenden Judentums erwarten wir noch keine Antworten; hier muß es uns genügen, daß die, welche von der neuen Tribüne herab lehren, uns zum Nachdenken, zum Bewußtsein der Tiefe unserer künftigen Aufgaben bringen. Aber was jene Probleme betrifft, die nicht das 'Judentum, sondern die Judenheit betreffen, so erhoffen wovon der . neuen Zeitschrift Antworten, Richtlinien. Denn wir wollen nicht über dem werdenden Judentum der seienden Judenheit vergessen. Sehr schön ist jener Teil der neuen Zeitschrift, der nicht Fragen stellt, sondern Bilder aus dem jüdischen Leben hinstellt: Max Brod «in dem prachtvollen Aufsatz über seine „Erfahrungen im ostjüdischen Schulwerk“) spricht zu einem weiteren Hörerkreise, dem er etwas Positives, einen Fingerzeig zu geben vermag: „Gebt den Juden ihre jüdische Schule, und unser Volkskörper wird gesunden!“ A. D. Gordons Aufsatz „Arbeit“ — Arbeit an der Eroberung Palästinas für die Juden — ist wie ein lebendiges Beispiel zu Hugo Bergmanns Lehre, daß höheres Judentum nur durch höheres Menschentum errungen werden kann. Wer über den Einfluß nachgedacht hat, den orientalische und okzidentale Lebensanschauungen auf das Judentum haben werden, der findet in diesem Hohelied der Arbeit eine starke Bejahung der Lebensauffassung des Abendlandes. E. Salm ans „Emanzipation und Entjudung“ bringt ein Kapitel aus der jüdischen Geschichte, das eine fast verblüffende Ähnlichkeit mit den heutigen Verhältnissen aufweist, R. Bernsteins „Russische und jüdische Feldpost“ wirft ein helles Licht auf die Psyche des heutigen Juden. In den „Bemerkungen“ wird manches kluge kritische Wort gesprochen. „Der Jude“ ist — das beweist dieses erste Heft — eine Tat, zum mindesten der Beginn einer Tat. Er wird Klarheit verbreiten helfen unter denen, die schon lange und inbrünstig nach Klarheit strebten. Er wird (besonders, wenn er eine warme und schlichte Sprache zu sprechen versteht), solche, die auf dem Wege sind, sich den Wahrheitssuchern anzuschließen, zu werben wissen, und er wird denen, die außerhalb des Judentums stehen, verraten, welche Kräfte im Judentum lebendig sind, wohin seine Sehnsucht nach Entwicklung strebt. Ob sich zu denen, die heute als Sucher, Versucher eines neuen Judentums zur Gemeinde der Leser reden, Finder und Verkünder des Zieles gesellen werden, ob man uns die neue Lehre, nach der wir dürsten, predigen, uns lehren wird, wie der Jude sich zu den religiösen und ethischen Werten des bestehenden Judentums, zu den geistigen Triebkräften seiner Umwelt stellen soll, welche Art der Entwicklung seines Judentums er Stets Eingang von Neuheiten. — Umarbeitung sämtlicher Zutaten. Preise billigst. München, Weinstraße 13, altes Potizeigeb.