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Das jüdische Echo · 1916-05-12 · 19 (12.5.1916) · p. Seite 174

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
19 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 Das Jüdische Echo Nr. 19 tens meiner englischen Freunde auf den stärksten Widerstand stoßen würden.“ Mit den „inneren Angelegenheiten“ war in diesem Aufsatz in erster Linie die russische Judenfrage gemeint. Auf diesen Artikel hin hat sich ein Mitarbeiter des „Jewish Chronicle“ der Aufgabe unterzogen, mit Herrn Egaroff über die Stellung Rußlands gegenüber den Juden zu verhandeln. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der russische Politiker '.folgendermaßen: „Die jüdische Frage hat mit auswärtiger Politik überhaupt nichts zu tun. Der Kernpunkt ist das Erziehungsproblem. Rußland kann nicht für jedermanns Bildung sorgen. Von 160 Millionen Einwohnern leben nur 20 Millionen in Städten, während 140 Millionen dem Bauernstände angehören. Die Kinder dieser ungeheuren Bauernklasse in höhere Schulen zu schicken, ist unmöglich. Da wir aber Millionen unserer eigenen Kinder keine ausreichende Erziehung geben können, ist es unmöglich, jüdischen Kindern gleiche Rechte zu geben oder sie zu bevorzugen. Würden gleiche Rechte verliehen, so könnten die Juden Stellungen einnehmen, in denen sie über Erziehungsfragen zu bestimmen hätten, und infolgedessen würde eine ungleiche Verteilung der Berufe zwischen Landeskindern und Juden eintreten. Es geht nicht, daß der geistig schwerfällige russische Bauernsohn dem gescheiteren deutschen oder jüdischen Kinde Platz macht.“ Damit ist also die Beschränkung der Bildungsmöglichkeiten für die Juden als Prinzip offen ausgesprochen! Der englische Journalist machte dann Herrn Egaroff auf das energische Eintreten der englischen Juden zugunsten der russischen Juden aufmerksam und meinte, daß eine Einigung über diese Frage zu einem innigeren Verständnis zwischen den beiden Völkern verhelfen würde. Hierauf gab Egoroff die bedeutsame Antwort, d a ß das Agitieren englischer Juden gegen Rußland den russischen Juden sicher nicht zum Nutzen gereichen werde. Er fuhr fort: „Ich gebe zu, daß durch eine Änderung in der Lage der russischen Juden das Bündnis gestärkt werden würde. Aber durch eine Agitation gegen Rußland werden sie das nicht erreichen. Ich möchte Ihnen folgendes sagen: Die Haltung der englischen Juden kann für die Zukunft ihrer Glaubensgenossen in Rußland sehr ernste Folgen haben!“ Diese Worte des russischen Politikers sind offenbar als eine zum Zweck der Einschüchterung unternommenen Bedrohung aufzufassen. Man weiß in Rußland, daß die Judenheit der ganzen Welt gegen die Vergewaltigung und Bedrückung der russischen Juden aufsteht. Man hat Anzeichen dafür, daß diese jüdische Aktion auch von nichtjüdischer Seite eine starke Unterstützung erfahren wird. Und man greift nun zu dem elenden Mittel, den auswärtigen Verfechtern der Beitunterricht gründlich und zweckgemäss erhalten Sie im Universitäts-Tattersall Amalienstr. 27 Trambahnlinie 2, 3, 10, 26 Telephon 26451 Prospekte auf Wunsch Rechte jüdischer Stammesgenossen in Rußland damit zu drohen, daß man sich für ihre Agitation an den russischen Juden rächen wird. Man erwartet wohl, daß das Gefühl der daraus entspringenden übergroßen Verantwortung die Arbeits- und Entschlußkraft der ausländischen Juden lähmen wird. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Rußland tatsächlich die Infamie besitzen würde, seine Drohung wahrzumachen. Es kann aber auch nicht daran gezweifelt werden, daß sich die Juden der übrigen Länder von dieser Drohung nicht abschrecken lassen, sondern im Gegenteil sie als Ansporn betrachten, sich in ihrem Kampfe gegen die Bedrückung der russischen Juden die baldige und starke Unterstützung einflußreicher Regierungen zu sichern und damit den russischen Racheplänen oder deren Ausführung in den Weg zu treten. Rußland hat ohnehin an seinen Juden soviel Unrecht getan, daß ihm zu tun fast nichts mehr übrig bleibt . . . Sucher — Versucher. Zum Erscheinen des ersten Heftes der von Martin Buber heraugegebenen Monatsschrift „Der Jude“. Aus der großen Sehnsucht wird die Tat geboren! In einigen, deren ganzes Wesen vom Erlebnis des Judentums, der jüdischen Gemeinschaft bis in seine Grundvesten hinein erschüttert wurde, lebte seit Jahren die große Sehnsucht, reden zu dürfen. Sie wollten reden von ihrem Erlebnis, von ihren Erkenntnissen, wollten denen die nach Klarheit streben, aber noch nicht bis zu ihr vorgedrungen sind, Wege weisen, Antworten auf Fragen erteilen, Ziele zeigen. Seit Jahren fehlte diesen, die sich berufen fühlen durften, zu reden und zu lehren, die geeignete Tribüne, von der herab sie ihre Lehren verkünden konnten. Innerhalb der derDöim : iteratur und Presse war für sie, die den Weg zu einem neuen Judentum suchten, kein Raum — nur vereinzelte, zersprengte Äußerungen der jüdischen Sucher fanden ihren Weg in die deutsche Öffentlichkeit. Die jüdische Presse aber diente den Interessen und Nöten des Tages, diente einzelnen Parteien und politischen Gruppen im Judemum oder trug einen streng wissenschaftlichen Chalakter. Noch war die Zeit nicht reif für die Schaffung eines eigenen Organs für jene Einzelnen die reden wollten, denn noch war die große Gemeinde nicht vorhanden, die hören wollte. Noch stand die Mehrzahl der Juden den Vorgängen im Judentum kalt oder ablehnend gegenüber und ahnte nichts davon, daß der Augenblick nahe war, der auch ihnen das Erlebnis ihrer Verbundenheit mit dem jüdischen Volke bringen würde. Der Krieg ist es, der jenen, die längst den Zusammenhang erlebt hatten, eine Gemeinde geschaffen hat. Der Krieg hat in Tausenden von Juden das Gefühl der jüdischen Gemeinschaft, das Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber jener Gemeinsch'aft erweckt, hat ein großes Fragen nach Weg und Ziel des Judentums wach werden lassen. Nun brauchen nicht mehr die, welche lehren wollten, eine Gemeinde zu suchen, denn nun gibt es eine Gemeinde, die Lehrer sucht. Die Zeit ist gekommen, da ein Organ, das beim Bau des werdenden, neuen Judentums Losungsworte ausrufen, das diesem werdenden Judentum in allen

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