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Das jüdische Echo · 1916-05-12 · 19 (12.5.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
19 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanslalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Ver 1 ag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Ängelegenheiten Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 19_München / 3. Jahrgang 12. Mai 1916 Ämerika. Es ist unser eigentümliches Schicksal, daß wir in diesen Krieg in zwiefacher Art verwickelt sind : als Bürger eines Staates und als Angehörige der jüdischen Volksgemeinschaft. Daß darum Dinge, die für andere Menschen klar sind und nur von einem einzigen Standpunkt aus beurteilt werden können, für uns einen Januskopf mit zwei Gesichtern besitzen: auf dem einen Gesicht steht die Antwort auf die Frage nach Nutzen oder Schädlichkeit eines Ereignisses für den Staat, dem wir angehören, auf dem andren Gesicht die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung eines Ereignisses für die Judenheit. Das Beispiel Amerika hat es aufs neue bewiesen. Wir haben der deutschen Note und damit der Entscheidung über Krieg oder Frieden zwischen Amerika und den Mittelmächten mit grenzenloser Spannung entgegengesehen. Wir haben vom allgemein menschlichen Standpunkt und wir haben als Bürger des Deutschen Reiches gehofft, daß die Losung nicht: Krieg! sondern: Friede! heißen möge. Freilich haben wir als deutsche Bürger davor gezittert, daß Deutschland zu einem Schritt gezwungen werden könnte, der sein Ansehen und seine Würde vor den Augen der Welt schädigen könnte; so sehnlich wir die endgültige friedliche Erledigung der amerikanisch-deutschen Differenz erhoffen, so würden wir deutschen Juden uns doch mit dem gesamten deutschen Volke gegen das Ansinnen, daß Deutschland einen schmählichen Rückzug antreten und klein beigeben solle, bis zu dem Augenblick bitterster Notwendigkeit auflehnen. Als deutsche Staatsbürger hoffen wir, daß Deutschland ohne Einbuße an Prestige und Bewegungsfreiheit den Frieden mit Amerika möge wahren können. Aber nicht geringer ist die Spannung, mit der wir als Juden den Ausgang dieses Konfliktes erwarten. Wir sehen in allen Ländern den Juden als willenloses Werkzeug in diesen Krieg, der mit seinem geistigen und nationalen Judentum nichts zu schaffen hat, hineingezogen. Wir sehen ihn in fast allen kriegführenden Ländern, während er diesen Gut und Blut opfert, durch den Krieg bitter leiden, als Juden leiden, indem der Krieg alte Gegensätze verschärft, alte Vorurteile neu belebt und viele innerlich längst gelöste Gemeinschaften auch äußerlich zerrissen hat. Uns ist in der Kriegszeit die Sehnsucht nach einem engeren nationalen Zusammenschluß der Judenheit als Vorstufe zu einer Umwälzung ihrer politischen Lage erwachsen. Und da uns Juden in den kriegführenden Ländern die Hände gebunden sind, da wir nur in einem Lande, in dem eine einflußreiche, politisch freie und in ihrem jüdischen Nationalgefühl ungehemmte Masse von Juden wohnt, eine Plattform zur Vertretung der Interessen des Judenvolkes finden können, darum richten sich unsere Augen auf Amerika. Bleibt Amerika jenseits des Streites der Völker, bleiben seine drei Millionen Juden vor dem Schicksal bewahrt, ihre Pflichten als Staatsbürger im Widerspruch mit ihren Pflichten als Juden ausüben zu müssen, so dürfen wir erwarten, daß dort die Tribüne errichtet wird, von der herab die Forderung nach den Rechten, die dem jüdischen Volke in den verschiedensten Ländern gebühren, erschallt. Auch als Juden haben wir daher mit banger Sorge die deutsche Note erwartet, sahen wir der endgültigen amerikanischen Antwort entgegen. Und als Juden werden wir es mit Freude begrüßen, wenn die Wahrung des Friedens möglich ist. Denn dann bleibt es uns deutschen Juden erspart, uns von unseren amerikanischen Brüdern getrennt zu sehen, wie wir von denen in so vielen anderen Ländern getrennt wurden; dann bleibt es uns erspart, ein neues eben erst geschaffenes Zentrum jüdisch-nationaler Arbeit, an dem wir Teil haben wollen, in Trümmer gehen zu sehen. Auch als Juden hoffen wir, daß der Friede zwischen Deutschland und Amerika gewahrt bleiben möge, damit uns nicht unsere letzte Hoffnung auf eine Vertretung unserer nationalen Interessen geraubt wird und das Gefühl unserer hoffnungslosen Machtlosigkeit ,slich lähmend auf unsere Herzen legt. Mit der durch äußere Ereignisse bedingten, fortschreitenden Auflösung unseres nationalen Gefüges erwächst uns die Sehnsucht nach einem politisch unabhängigen Zentrum jüdischen Lebens in irgendeinem Lande der Welt. H. Priester. Russische Drohungen gegenüber englischen Juden. Eine Unterhaltung mit einem russischen Politiker. Der auswärtige Berichterstatter der „Nowoje Wlremja“, M. E. A. E g a r o f f, hat kürzlich einen sehr scharfen Aufsatz gegen die englischen Bevormundungsgelüste /in der „Times“ veröffentlicht. Es heißt darin u. a.: „Man hört häufig die Behauptung, daß ein politisches Bündnis mit Großbritannien auf Rußlands innere Politik einwirken muß. Ich sage ganz offen, daß irgendwelche Versuche einer Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten sei-

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