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Das jüdische Echo · 1916-05-05 · 18 (5.5.1916) · p. Seite 169

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 169 richten. Auch die Sammeltätigkeit und die Sammelmittel, deren bekanntestes die N.F.-Biichse ist beweisen, daß der Fonds eine durchdachte, klug gegliederte Schöpfung ist. Die Schrift ist sehr belehrend und gibt dem Eingeweihten wie dem Uneingeweihten ein klares Bild vom Ausbau der nationaljüdischen Palästinatätigkeit im allgemeinen und dem Nationalfonds, ihrem wichtigen Werkzeug, im besonderen. H. Priester. Dr. Hermann Moseowitz Aus Palästina kommt eine erschütternde Trauerkunde: Dr. Hermann Moseowitz ist tot! In der Nacht zum 19. März wurde er, der als Arzt in der Kolonie Rechoboth wirkte, zu einem Kranken in der Farm Ben Schemen gerufen. Unterwegs geriet sein Wagen in einen vom Regen angeschwollenen Wassergraben und wurde umgeworfen. Zur gleichen Zeit kamen neue Wasser massen heran, und als man am nächsten Morgen den Graben absuchte, fand man Dr. Moseowitz weit enfernt von der Unglückstätte tot vor. Wer jemals einen Fuß über dlie Schwelle des Moscowitzschen Hauses gesetzt, wer jemals in die gütigen Augen dieses Mannes gesehen und seine warme Stimme gehört hat, der weiß, welch einen unermeßlichen Verlust sein Tod für uns, seine Freunde und Bekannten und für das Land Palästina bedeutet. Die Größe und Wärme seines Herzens erhob ihn weit über den Durchschnitt der Menschen. Er war keiner, der Feuerbrände entzündet, aber einer, der heilige Flammen zu hüten berufen ist, ein treuer Diener am Licht. Ein junger Akademiker zur Zeit, als die Wiener jüdische Jugend sich zuerst um Theodor Herzl scharte, hat er in den 47 Jahren seines Lebens seinem Meister und seinem jüdischen Ideal unerschütterliche Treue gewahrt. Von einer inbrünstigen Liebe zu dem Lande seiner Sehnsucht beseelt, wagte er es, eine gesicherte Existenz in Europa aufzugeben und mit seiner jungen, wunderschönen Gattin und seinen Kindern nach Palästina zu übersiedeln, wo ein mühseliger, kärglich bezahlter Posten als Kolonialarzt seiner harrte. Welch ein Segen die Ansiedlung dieser Familie für die Kolonie und für ganz Palästina geworden ist, das weiß jeder, der einmal in Erez Israel gewesen ist. Wenn wir ihn sahen, wie er unermüdlich in seinem Beruf wirkte, wie er stets bereit war, Kranken und Bedürftigen Hilfe zu leisten, wie ihm keine Mühe zu groß war, wenn es galt, für das Aufblühen der Kolonie zu arbeiten, dann verehrten wir den hilfreichen Arzt, den von echter Menschenliebe beseelten sozialen Arbeiter Moseowitz. Wenn wir ihn in seinem eigenen Hause, .im Verein mit seiner schönen jungen Frau, die eine so musterhafte Hausfrau ist und seinen fünf an Körper und Seele adligen Kinder sahen und die wohltuende Harmonie dieser Häuslichkeit uns umfing, dann liebten wir den edlen, guten Menschen Moseowitz. Wenn wir ihn mit seinem in allen Prüfungen bewährten Glauben an das Judentum und an das Erwachen neuen Lebens in Erez Israel von seinen jüdischen Idealen sprechen hörten, wenn wir sahen, wie sein Leben ein ununterbrochenes Dienen für dieses Ideal war, so waren wir stolz auf den Juden Moseowitz. Dr* Hermann Moseowitz gtehört der langen Reihe jener an, die im Kampfe um die Eroberung des jüdischen Landes den Heldentod starben. Wir müssen fürchten, daß seine Familie, die zu den innerlich und äußerlich schönsten im Lande gehört, nun nach Europa zurückkehren wird. Aber wir wissen, daß seine vier Söhne, so jung sie noch sind, das Erbe, das ein solcher Vater ihnen übergab: die Liebe zum Lande Palästina, ihr Leben lang hochhalten werden. Wir vertrauen darauf, daß Hermann Moscowiitzs Kinder dereinst an dem Werke weiter schaffen werden, das ihr Vater begonnen hat: der Begründung eines Stammes jüdischer Edelmenschen in Erez Israel. Helene Hanna Cohn. Feuilleton Änkunft einer deutschen Jüdin in Ämerika. (Aus einem noch unveröffentlichten Manuskript.) Eben bin ich in meine Kajüte gegangen und habe begonnen mich zu entkleiden, da klopft es an meine Tür: „Kommen Sie, ach bitte kommen Sie noch einmal auf Deck!“ Ich protestiere energisch, aber die bekannte Stimme läßt nicht ab mit Bitten, und halb unwillig folge ich der dringenden Aufforderung des Reisegefährten. Einige Minuten stehe ich auf dem Verdeck, wo mich ein eisiger Windhauch umweht, und da — da — sehe ich es vor mir: Land! Elf lange Tage ist um mich nichts gewesen als Wellen und Himmel und die enge Welt des Schiffes und jetzt — jetzt liegt es vor mir und rund um mich her, ein Gefunkel von tausend, abertausend Lichtern, die sich zu leuchtenden Inseln und blendenden Feuern vereinen. Lichter, die sich bis in die Wolken emporheben und über den Meeresarm forttanzen, steigende Lichtgarben, dahinrasende Lichtschlangen, nichts als blendendes, verwirrendes Licht und das wohl mehr geahnte als wirklich vernommene rasende Toben einer Riesenstadt, eines unendlichen Kontinents — Amerika! Ein Zittern befällt mich, ich höre meine Zähne aufeinanderklappern und möchte mich in jäher, wahnsinniger Angst an den Reisegefährten klammern. Wer bin ich, die da eingehen soll in dieses neue Land, die schon morgen teilhaben soll an seinem Licht, seinen tausend Stimmen, seinem Glück und Leid, seinen Wünschen und Idealen? Herrgott, wer bin ich, die einer jähen, kaum erklärbaren Laune folgend über das Meer fuhr, diesem völlig unbekannten Lande entgegen? Wer? Tausenderlei bin ich, ein Kind meiner Zeit, ein Weib, eine Arbeitsuchende, eine in heißer Leidenschaft Brennende, vor allem aber bin ich eine Heimatlose, eine Verstoßene, eine ruhelos wandernde Tochter des ewigen Juden. Das Land München, Weinstraße 13, altes Polizeigeb. Stets Eingang von Neuheiten. — Umarbeitung sämtlicher Zutaten. Preise billigst.

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