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Das jüdische Echo · 1916-05-05 · 18 (5.5.1916) · p. Seite 166

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 Das Jüdische Echo Nr. 18 der Militärverwaltung, welche die erwähnte Verordnung vom 7. März 1915 erlassen hat) einem Kriegsberichterstatter gegenüber: „Bezüglich der Juden will ich da einschalten, daß ihre Lage infolge der Stockung des gesammten Zwischenhandels sich ziemlich verschlimmert hat. Auch bin ich nicht berechtigt, ihnen die freie Ansiedlung auf dem Lande, welche während der Russenzeit verboten war, zu gewähren. Diese Äußerung war in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung“ vom 27. September 1915 ab gedruckt und in der Nr. 41 der Zeitschrift „Polen“ vom 8. Oktober 1915 wörtlich zitiert. Bis heute wurde dieselbe weder dementiert noch zurückgezogen. Die Beibehaltung des Verbotes der Ansiedlung auf dem Lande ist aber zweifellos mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung nicht in Einklang zu bringen. Dieser Widerspruch in den Erklärungen des Oberkommandierenden und des Chefs der Verwaltung des Okkupationsgebietes ist augenfällig. Eine jüdische Arbeiterhilfsaktion in Österreich. Auf Veranlassung des ausführenden Ausschusses der Jüd. Soz. Arbeiterpartei Poale Zion Österreichs ist vor kurzem in Wien ein „Jüdisches Arbeiterhilfskomitee für Österreich“ ins Leben gerufen worden, das auf dem Prinzip der gesellschaftlichen Selbsthilfe beruht. Für die nächste Zeit ist folgendes Tätigkeitsprogramm in Aussicht, teilweise schon in Angriff genommen: 1. Herausgabe von populären Schriften über aktuelle ökonomische und rechtliche Fragen (Rechte der Reservisten- und Kriegerfamilien, Flüchtlingsfragen usw.), über die Bekämpfung epidemischer Krankheiten, Arbeiterkooperativen, Arbeiterküchen usw., in jüdischer Sprache. 2. Rechtliche und finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau von gewerkschaftlichen und kulturellen Arbeiterorganisationen, Gründung von Rechtsschutz-Bureaux, Bibliotheken, Lesehallen. 3. Gründung von Arbeiterküchen, Konsumgenossenschaften, Arbeitervermittlungsbureaux und anderen Selbsthilfs-Institutionen, eventuell gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen. Rückkehr des amerikan. Botschafters Morgenthau. Der Botschafter Morgenthau beabsichtigt, am 5. Mai die Rückreise nach Konstantinopel anzutreten und seine dortige Tätigkeit wieder aufzunehmen. — Von anderer Seite wird demgegenüber berichtet, der amerikanische Rechtsanwalt E 1 k u s sei 'mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Botschafters in Konstantinopel betraut worden. Jüdische Bezeichungen für mathematische Begriffe. In Warschau befaßt sich eine aus Lehrern verschiedener jüdischer Schulen zusammengesetzte Kommission mit der Festsetzung einer jüdischen Terminologie für mathematische Wissenschaften. Sederabend in Kowno. Die in Kowno stationierten jüdischen Soldaten hatten Gelegenheit einen stimmungsvollen, feierlichen Sederabend an den beiden ersten Pessachabenden mitzumachen, der ihnen lange in Erinnerung bleiben wird. An beiden Abenden fand zunächst in der überfüllten großen Chorsynagoge in der Kurowskastraße ein würdiger Feldgottesdienst statt, an dem der Feldrabbiner Dr. Rosenak aus Bremen, tiefempfundene, warmherzige Ansprachen an die zahlreich versammelten Soldaten hielt, und der weiter noch durch den Gesang eines mit schönen Stimm-Mitteln begabten, als Vorbeter fungierenden Kownoer Bürgers namens Jelski verschönt wurde. Im Anschluß an den Gottesdienst fand in der Jüdischen Volksküche (Ludendorf-Kiiche), in der tagaus, tagein eine Anzahl Kownoer Damen mit hingebendem Eifer für die arme Bevölkerung bemüht ist, eine Sedertafel statt, die am ersten Abend, wie am zweiten von Dr. Rosenak abgehalten wurde und an der insgesamt 510 jüidsche Soldaten teilnahmen. Außerdem wurden gesondert 150 russische Gefangene gespeist und 300 Arme beköstigt. Die Stimmung an den Soldatentafeln war prächtig. In seiner fein-humoristischen, warmherzigen und gewinnenden Weise verstand Dr. Rosenak es meisterhaft, sofort den Konnex mit seiner stattlichen Soldatenschar zu gewinnen und eine feiertäglich behagliche Stimmung, wie auch stark betontes jüdisches Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken. Die alten schönen Hagodoh-Weisen erklangen im Chore, ein beinahe unkriegsmäßig gutes Essen vermittelte auch die leiblichen Genüsse des Sederabends — kurzum, den jüdischen Soldaten wurde in der Fremde ein echt jüdischer Sederabend geschenkt, der ihnen die tiefinnerliche Schönheit des Passahfestes plastisch vor Augen führte. — Wie wir hören, haben auch in Lida und Grodno auf Veranlassung des Herrn Dr. Rosenak unter gleich großer Beteiligung herrliche Sederfeiern stattgefunden. Die Notlage der jüdischen Arbeiterschaft Polens. Infolge des durch den Krieg verursachten Stillstandes von Industrie und Gewerbe ist die Lage der jüdischen Arbeiterschaft Polens eine verzweifelte. In einer ganzen Reihe von Gewerbezweigen ist die Arbeitslosigkeit eine allgemeine, in den andern ist der Grad der Arbeitslosigkeit ein ganz abnormer. Uns liegen die Ergebnisse einer Enquete der unparteiischen jüdischen Gewerkschaften Warschaus vom Januar er. vor. Die Zahlen sprechen eine furchtbare Sprache. In den 11 von der Erhebung ergriffenen Berufen, die 12,600 Arbeiter umfassen, sind 10,400, also mehr als 80 Prozent beschäftigungslos. Zu den in der Erhebung einbezogenen Arbeiterkategorien gehören u. a. die Holzarbeiter, Uhrmacher, Bürstenarbeiter, Hutarbeiter. Es begreift sich von selbst, daß die geringe Anzahl von beschäftigten Arbeitern bei den ungeheuer hohen Lebensmittelpreisen ganz außer Stande ist, der Masse ihrer in Not geratenen Kollegen wirksame Hilfe zu leisten. Es besteht eine ganze Anzahl von Arbeiterküchen in Warschau, Lodz und anderen Orten, die bemüht sind, der allgemeinen Hungersnot zu steuern. Die Mittel, über die diese Küchen verfügen, reichen aber nicht für die allergeringsten Bedürfnisse hin. Hilfe von auswärts ist dringend notwendig. Piano - Magazin Hermann Seherner München, Dienerst!*. 22/11 (vis-ä-vis d.Ratskeller) empfiehlt sein großes Lager in erstklassigen Pianinos u. Flügel wie E. Kaps, Fr. Schwechten, G. Fiedler usw. zu billigen Preisen. :: Auf Wunsch Teilzahlung :: Reparaturen und Stimmungen

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