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Das jüdische Echo · 1916-05-05 · 18 (5.5.1916) · p. Seite 163

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 163 dertfach in dem geistigen Ringen unseres Volkes offen zutage. Aus diesem Gedanken heraus mag unser Verlangen nach einer Reform an Haupt und Gliedern nicht unbegründet erscheinen. Die jüdische Gemeinschaft, die etwas gelernt und nicht alles vergessen hat, muß sich zu einem stärkeren Konzentrationspunkt geistigen jüdischen Lebens — begonnen mit der Jugenderziehung — entwickeln. Wir rufen nicht nach neuen Männern, aber wir bitten um Gehör und Aussprache. Und wir werden nicht müde werden, diese These zu verteidigen. Eine jüdisch-nationale Organisation in Österreich. Der jüdische Nationalverein in Österreich versendet einen Aufruf folgenden Inhalts: Juden Österreichs! In ernster Zeit tritt der „Jüdische National-Verein in Österreich“ an die österreichischen Juden mit dem Mahnrufe heran, sich zu sammeln und zu organisieren. Die alte Habsburger Monarchie wird nach dem Kriege, nach siegreicher Überwindung ihrer äußeren Feinde an ihren inneren Aufbau zu einem modernen Völkerstaate, zu einem Rechts-, Kultur- und Wirtschaftsstaate schreiten müssen. Anläßlich dieses historischen Momentes werden alle Nationalitäten mit ihren Forderungen herantreten. Berücksichtigung aber werden nur jene finden, hinter welchen starke Organisationen als Machtfaktoren stehen. Die Juden der Monarchie werden dann trotz ihres während des Krieges mit den größten Opfern von Blut und Gut betätigten österreichischen Patriotismus einen harten Kampf für die Gleichberechtigung als Nation, Religion und Staaatsbürger führen müssen. Der '„Jüdische Nationälverein in Österreich“ der auf reichstreuer und volkstreuer demokratischer und sozial-reformatorischer Grundlage fußt, erstrebt in erster Linie die Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nationalität in unserer Monarchie. Um diesen Kampf für seine jüdisch-nationalen, modern-östereichischen, demokratischen und sozial - reformatorischen Anschauungen energisch führen zu können, ist es unerläßlich, daß dies durch Massenbeitritt der Juden Österreichs ermöglicht wird. Schon jetzt harren des „Jüdischen Nationalvereines“ wichtige Aufgaben sozial-wirtschaftlicher und nationalpolitischer Natur, an deren Lösung er jedoch naturgemäß während des Krieges unmöglich herantreten kann. Umso früher und intensiver wird daher seine Wirksamkeit auf allen diesen Gebieten nach dem Kriege einsetzen müssen. Nun gilt es die gegenwärtige Kriegszeit _ gehörig auszunützen, diese Arbeiten vorzubereiten, sich gleich den anderen Völkern der Monarchie zu sammeln und zu organisieren. Mögen sich allerorts die gesunden, treujüdischen Elemente m den Dienst dieser wichtigen Organisierungsarbeit stellen. Besonders aber die Juden im Osten der Monarchie, die sich gerade während dieses Kruges vom Wert einer politischen Reichsorganisation mit dem Sitze in der R e 1 c h shauptstadt, welche die Interessen und Beschwerden direkt und nachdrücklich bei den Zentralstellen zu vertreten in der Lage ist, überzeugen konnten. Der „Jüdische Nationalverein in Österreich“ ist ein politischer Verein. Sein statutarischer Zweck ist die Stärkung des jüdischen Stammesbewußtseins, die Wahrung und Förderung jüdischnationaler Bestrebungen und Einrichtungen, sowie die Geltendmachung der Interessen der Juden Österreichs auf politischem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete. Die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind: a) Abhaltung von Versammlungen, b) Veranstaltung von Vorträgen und geselligen Zusammenkünften, c) Aufstellung und Unterstützung gesinnungstüchtiger Kandidaten für die verschiedenen öffentlichen Vertretungskörper in Österreich; d) Herausgabe und Verbreitung von Flugschriften, Broschüren und anderen Druckschriften gemäß den Vorschriften des Paßgesetzes, e) Abfassung und Kundgebung von Petitionen, Adressen, Denkschriften und Aufrufen, f) Gewährung von Rechtsschutz an eines stächen bedürftige Juden. Mitglied des Vereines kann jeder großjährige, eigenberechtigte, jüdische Mann sein, der das Staatsbürgerrecht in Österreich besitzt. Der mindeste Beitrag beträgt K. 1.—. Juden Österreich, wollt ihr in dem werdenden Neu-Österreich einen Anwalt euerer nationalen, politischen und wirtschaftlichen Interessen, wollt ihr die Zusammenfassung aller Juden des Reiches, dann schaffet durch Beitritt zum „Jüdischen Nationalverein in Österreich“ eine starke politische Reichsorganisation. Für den Ausschuß: Advokat Dr. S. Kassner, Obmann-Stellvertr. Ingenieur Robert Stricker, Obmann. Redakteur H. H e n i s c h , Sekretär. Beitrittserklärungen sind an das Vereinsekretariat, Wien, II. Zirkusgasse Nr. 33, zu richten. Ein Fiasko in der Reichsduma. Die letzte Sitzung der Duma führte zu lebhaften Zusammenstößen zwischen dem Block der Linken einerseits und den Parteien der Rechten sowie der Regierung andererseits. Vom progressistischen Block war eine dringende Interpellation über die Angelegenheit der beiden antijüdischen Zirkulare, die das Ministerium des Innern an die Gouverneure und an die Vertrauensleute der „Schwarzen Hundert“ gerichtet und in denen es zu Judenpogromen aufgefordert hatte, eingebracht worden. Der Abgeordnete der Rechten, Samyslowski, verteidigte den ehemaligen Minister des Innern und seine Handlungsweise, da das Judentum Rußland im heutigen Kriege verkaufe. (Abg. Miljukoff ruft: Das ist eine Lüge.) Die Annahme der Interpellation würde im ganzen Lande als ein für die Juden günstiger Akt gedeutet werden. Die bisherige Haltung der Juden berechtigte keineswegs zu solch einer Begünstigung des Judentums. Das ganze Judentum hat sich in diesem Kriege in der schändlichsten Weise benommen, es mögen ja Ausnahmen vorgekommen sein, aber diese Ausnahmen genügten keineswegs, um das Judentum zu schonen. Wenn das russische Militär Ausschreitungen gegen Juden begangen habe, so habe es sich in denmeisten Fällen keines Unrechtes schuldig gemacht, denn die Juden haben die Tapferkeit der russischen Armee durch ihren schmählichen Verrat zunichte gemacht. Man könne es der Armee nicht \ erargen, daß, wenn sie in eine Ortschaft komme, sie sich vor allem der Juden zu entledigen versuche. Die Soldaten beeilen sich mit Recht, vor allem die Juden zu hängen, und in der Duma begünstige man

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