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Das jüdische Echo · 1916-04-28 · 17 (28.4.1916) · p. Seite 157

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 157 vorhanden sein wird. Bei der betreffenden Sitzung: wurde auch die in der Burnettschen Gesetzesvorlage enthaltene Forderung des Ausschlusses solcher Einwanderer, die mit „konstitutioneller psychopathischer Minderwertigkeit“ behaftet sind, beibehalten. Kongreßmitglied Burnett erklärte, daß er selbst zwar nicht imstande sei, diesen Zustand näher zu bestimmen, doch verständen die Forscher darunter einen „Defekt in der Willens- oder Entschlußfähigkeit, als dessen Folge dem Individuum eine Anpassung an seine Umgebung zur Unmöglichkeit wird.“ — Auch diese Klausel, die der Willkiirlichkeit der Einwanderungsärzte Tür und Tor öffnet, hat demnach Aussicht, angenommen zu werden. Zum 70. Geburtstag des Herrn Heinrich Frei. Der 16. April war nicht nur ein Ehrentag für Herrn Flauptlehrer Frei, er war auch ein Tag, den die Gesamtheit der israelitischen Kultusgemeinde München in festlicher Weise mitempfand. Es war wohl jedem Einzelnen in der Gemeinde bewußt geworden, daß sich in Frei, der auf eine mehr denn 40jährige Tätigkeit dahier zurückblickt, ein gutes Stück der Geschichte der Kultusgemeinde mit verkörpert, hat doch Frei die Entwicklung der letzteren von einer Mittelgemeinde, die an Zahl der Mitglieder bei seinem Dienstesantritte vo« mancher Landgemeinde übertroffen wurde, zur Großgemeinde miterlebt und an der Lösung der Aufgaben, die als Folge dieser Entwicklung sich ergaben, in seinem dreifachen Amte als Religionslehrer, Kantor und Chordirigent in voller Hingabe mitgearbeitet. Frei wuchs mit seiner Gemeinde und verwuchs mit ihr im Laufe der Jahre immer inniger. Heinrich Frei, der in Braunsbach, das bis vor wenigen Jahren noch ein württembergischer Rabbinatssitz gewesen ist, geboren wurde, fand in seiner beruflichen Laufbahn über Dörzbach, einer nun längst eingegangenen jüdischen Gemeinde, und Göppingen den Weg hierher. Zunächst war er als Chordirigent und Religionslehrer tätig, bald wurde er auch als Kantor angestellt. Im Jahre 1877 löste sich seine Anstellung als Religionslehrer der Kultusgemeinde dadurch auf, daß er von der Stadtgemeinde als Religionslehrer für die städtischen Volks- und Mittelschulen berufen wurde, eine Berufung, die auch schulpolitisch von nicht geringer Bedeutung war. So wirkt Frei , dem vor mehreren Jahren als erstem Religionslehrer in Bayern der Titel „Hauptlehrer“ verliehen worden ist, in vorbildlicher Pflichterfüllung, in unermüdlicher Schaffenslust,;in hingehender Arbeiitsfreudigkeit zum Segen seiner Gemeinde und zum besten ihrer Jugend. Tausende verehren ihn als den meisterhaften Bai Tefilloth, wie sie seine Tätigkeit als Leiter eines wohlgeschulten Synagogenchors nicht minder anerkennen; viele Hunderte von Schülern gedenken dankbar des Schulmannes, der ihnen nicht nur religiöse Kenntnisse vermittelte und sie zu deren Betätigung anleitete, der ihnen vielmehr auch das beste und letzte gab; was ein Lehrer seinem Zögling bieten kann: das Bild einer in sich gefestigten, auf einer wohlbegründeten Lebensanschauung basierenden Persönlichkeit. Zwar suchte sich der Jubilar in schlichter Bescheidenheit allen Ehrungen durch die Flucht zu entziehen; er konnte es aber trotzdem nicht verhindern, daß sich die Liebe und Verehrung für ihn, die er nicht zuletzt auch durch sein menschenfreundliches Wesen sich errungen hat, Bahn brachen und in Bündeln von Telegrammen, in Stößen von Glückwunschschreiben, wie von unzähligen und wertvollen Geschenken aller Art den gewollten Ausdruck fanden. In besonders ehrenvoller Weise würdigten der Stadtmagistrat und die Verwaltung der Kultusgemeinde die Verdienste des Jubilars, und nicht minder anerkennend sind die schriftlich wie mündlich zum Ausdruck gebrachten Glückwünsche der Rektorate der verschiedenen Mittelschulen, der Handels- und Real-, sowie der Höheren Töchterschule gehalten, an denen Frei unterrichtlich tätig ist. Außerhalb seines beruflichen Wirkungskreises betätigte sich Hauptlehrer Frei auch auf sozialem Gebiete, so in der Fürsorge für arme Schüler, in der Berufswahlberatung derselben und dergl. Auf seine Anregung gründete die München-Loge Schülerkurse für Handfertigkeit, die seit bald vier Jahren zum Segen der Jugend blühen. In ganz besonderem Maße machte er sich als Vorstandsmitglied der Achawa um die soziale und materielle Besserstellung seiner Berufsgenossen verdient. So ist es erklärlich, daß der Name Heinrich Frei auch in den jüd. Lehrerkreisen ganz Deutschlands einen guten Klang hat. Die Führer der jüdischen Lehrervereine dürften nicht an letzter Stelle unter der Schar der Gratulanten aufzuführen sein. Zurückschauend auf den Jubel- und Ehrentag des Herrn Hauptlehrers Frei sollen hier die Wünsche aller nochmals zum Ausdrucke kommen: Möge es ihm vergönnt sein-, noch viele Jahre in frischer Rüstigkeit, in jugendlicher Schaffensfreude weiter zu wirken zu seiner eigenen Befriedigung, zum Besten der Gemeinde und zum Wohle der ihm anvertrauten Jugend. Meine Sommerwohnung. Von J. L. Pe r e z. Übertragen von Siegfried Schmitz. Auf Anraten meines Arztes bringe ich jetzt vier Wochen in der Sommerfrische zu. In einem Dorfe Aufenthalt zu nehmen, konnte ich mich nicht entschließen — auch die Polizei hielt es nicht für ratsam —, darum wohne ich jetzt am äußersten Ende eines kleinen Städtchens, in nächster Nachbarschaft eines Waldes und eines kleinen dunklen Sees; bei einem Krämer, namens A w r e j m 1, bin ich eingemietet. Mein Leben ist ehrsam jüdisch und fromm, aber auch sehr reizvoll. Ich schlendre durch den Wald und suche Pilze; manchmal rudre ich im Kahne des Fischers über den See. Am liebsten sitze ich am Ufer und angle . . . Jeden Abend höre ich die Nachtigall — es ist ein paradiesisches Dasein. Eines Tages — bald nach meiner Ankunft, wie ich eben von meinem Morgenspaziergang durch den Wald zurückkehre, läuft mir mein Hausherr entgegen. „Gute Nachrichten!“ — schreit er schon von Weitem — „Verlobung . . .“. Ich merke: er will mich für heute loswerden. „Viel Glück!“ — antwortete ich — „Doch da will ich nicht stören. Ich gehe nur einen Augenblick in mein Zimmer, um mich umzukleiden; dann werde ich in die Stadt essen gehen.“ „Nein, das gibt es nicht, auf keinen Fall!“ — erwidert Reb Awrejml im Tone eines Schwergekränkten. Ich müsse unbedingt mit der ganzen Sippe essen, sobald die Verlobung vorüber sei; es werde Fisch und Fleisch geben . . . Jetzt aber sei mein Zimmer belegt. Denn die Schwäherin

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