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Das jüdische Echo · 1916-04-28 · 17 (28.4.1916) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Das Jüdische Echo Nr. 17 wirren und Zerstörungen des Krieges verarmt, alles aufbieten mußte, um wieder aufzublühen und einen größeren Nationalreichtum zu erwerben. Das ließ sich damals, weil die Verkehrsmittel noch sehr primitiv waren, nur dadurch erreichen, daß die Handfertigkeit noch systematischer als bisher gefördert und verbreitet wurde; alle fleißigen Hände mußten sich regen und ihr Bestes hergeben, um wieder dem Lande Mittel und Reichtum zuzuführen. Um dieser Aufgabe zu entsprechen, bedurfte es im Handwerk, dieser schon vorhandenen Grundlage der ausgebildeten Handfertigkeit, einer strafferen, wirksameren Organisation, die sich nun in den Zünften herausbildete. Aber wie jede gute Sache nur zu leicht ausarten kann, so arteten auch die Zünfte aus, insofern, als der Geist in ihnen ein engherziger, jeden frischen Luftzug verbannender wurde, als man in den Zünften immer mehr nur darauf ausging, eine Konkurrenz gegen die „Zunftmeister“ nicht aufkommen zu lassen, sie zu beschränken. Die Juden waren von der Zugehörigkeit zu den Zünften ausgeschlossen, wie sie ja damals überhaupt keine oder nur wenige Rechte besaßen. Das hatte schwerwiegende Folgen. Denn die Juden durften hiernach selbständig und offen ein Handwerk nicht ausüben; wer von ihnen doch einen Handwerkszweig beherrschte, durfte von diesen Kenntnisen nur heimlich oder in Anlehnung an einen Zunftmeister oder auch in Verbindung mit dem gleichzeitigen Handel von Gegenständen Gebrauch machen. Juden, die das Schuhmacher- oder Schneiderhandwerk beherrschten, wurden so Trödler, handelten mit alten Schuhen und Kleidern und besserten diese aus. Die Zünfte befaßten sich schließlich fast nur noch mit der Aufrechterhaltung alter Bräuche und Handwerkssitten; von gewerblicher Förderung der Zunftgenossen konnte dabei nicht viel die Rede sein. Ihre Wirksamkeit hatte mehr den Zweck, die Konkurrenz für die mit wichtigen Privilegien ausgestatteten Zunftmeister auf das geringste Maß zu beschränken. Mit der Einführung der Dampfkraft, der Umgestaltung des Verkehrs durch das Aufkommen der Eisenbahnen begann die dritte Periode im deutschen Handwerk, die eine Periode des Niedergangs ist. Denn durch die mit der Dampfkraft vollständig veränderten Produktions- und Verkehrsverhältnisse wurde das Handwerk auf vielen Gebieten ausgeschaltet und die Industrie übernahm nun einen großen Teil des Versorgungsgebietes mit Waren. Die Industrie verband sich stark mit dem Kapital und wurde gerade dadurch sehr leistungsfähig. Das Handwerk, dem es an Kapital fehlte, ging immer mehr zurück, zumal auch von seinen früheren Befugnissen und Vorrechten eins nach dem andern der veränderten Zeit zum Opfer fiel. Schulze-Delitzsch, der Begründer des. Genossenschaftswesens, erkannte zuerst das Übel, an dem das Handwerk krankte, und unermüdlich predigte er den Handwerkern die durch den genossenschaftlichen Zusammenschluß gegebene Selbsthilfe, die dem Handwerk Kapital und Widerstandsfähigkeit gegen die Konkurrenz der Industrie geben sollte. Seine Bemühungen fanden nicht volles Verständnis bei den Handwerkern. Erst als in den 1890er Jahren eine Bewegung einsetzte, die eine bessere Organisation im Handwerk sich zum Ziele nahm, als das sogenannte Handwerkergesetz von 1897 im deutschen Reichstage zur Annahme gelangte und damit eine neue Periode der Entwicklung für das Handwerk begann, kam mehr Leben in die Pflege der genossenschaftlichen Bestrebungen. (Fortsetzung folgt.) Welt-Echo Rabbiner Dr. Nobel bleibt in Frankfurt. Wie gemeldet, hatte der Frankfurter Rabbiner Dr. Nobel eine Berufung auf das Wiener Oberrabbinat erhalten. Er hat sich jedoch entschlossen, seinem bisherigen Amte treu zu bleiben. Zu dieser Entschließung mag eine mit 1400 Namen Unterzeichnete Adresse beigetragen haben, in der es u. a. heißt: „Wir empfinden es als Herzensbedürfnis, Ihnen unseren innigsten Wunsch auszusprechen, dal! Sie auch weiterhin Ihre reich gesegnete und dem dankbarsten Verständnis begegnende Wirksamkeit in unserer geliebten Gemeinde fortsetzeu und den uralten Glanz des Frankfurter Rabbinats weiterhin erhalten und mehren mögen.“ Preisaufgaben des Hilfsvereins für jüdische Studierende in Berlin. Für das Jahr 1916 schreibt der Hilfsverein für jüdische Studierende zwei Preisaufgaben aus: A. Die Theorien der Urämie. B. Pathologie und Therapie der Erkrankungen der Gallenwege. Der erste Preis beträgt 500 Mark; es kann daneben oder auch allein ein zweiter mit 150 Mark zuerkannt werden. Die Bewerbungs- Schriften sind bis zum 31. Dezember 1.916 an den Schriftführer, Professor Dr. F. Liebermann, Bendlerstraße 10, cinzureichen. Neue Ausweisungen in Rußland. Neuerdings wurden aus dem Gebiet von Dünaburg 20 000 Juden ausgewiesen. Der Moskauer jüdische Hilfsausschuß erhielt laut „Rjetsch“ die Mitteilung, daß weitere Ausweisungen nach dein 15./28. April bevorstehen. Keine jüdischen russischen Ärzte in Frankreich. Unter der Überschrift: „Ist es wahr?“ erzählt die „Humanite“: „Als die serbische Armee sich auflöste, wünschten mehrere russische Arzte, die sich in Serbien engagiert hatten, in der französischen Armee weiter zu dienen. Der französische Minister antwortete hierauf: „Entsprechend den Wünschen der russischen Regierung werden die orthodoxen Russen in der französischen Armee zugelassen; die politischen Flüchtlinge werden, je nach dem einzelnen Fall, zugelassen oder nicht; die russischen Juden können in keinem Falle aufgenommen werden“. — Die Verhetzung seitens des russischen Bundesgenossen übt, wie man sieht, in den Ententestaaten ihre Wirkung aus. Das amerikanische Analphabeten-Gesetz. Bei der Lesung der berüchtigten Burnettschen Einwanderergesetzesvorlage in der amerikanischen Kammer wurde der Ausschluß von Analphabeten mit 225 gegen 82 Stimmen vertreten. Diesem Stimmenverhältnis zufolge muß man sich auf die Annahme des Gesetzes gefaßt machen. Bei dem starken Überwiegen von Stimmen zugunsten des Analphabetengesetzes ist damit zu rechnen, daß selbst, wenn der Präsident aufs neue sein Veto einlegen sollte, die zur Aufhebung dieses Vetos notwendige Zweidrittelmehrheit in der Kammer München, Weinskraße 13, altes Polizeigeb. Stets Eingang von Neuheiten. — Umarbeitung sämtlicher Zutaten. Preise billigst.

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