Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 155 den verschiedenen Fächern — die sich wieder aus Material und Verwendungszweck des Frzeugnisses ergeben — ganz systematisch entwickelt und vervollkommnet. Die Erfahrungen und Fähigkeiten des Einzelnen spielen dabei eine besonders große Rolle. Erfahrung baut sich auf früherer Erfahrung auf und die Fähigkeit des Lernenden des Lehrlings, Schülers, entwickelt sich nach und nach aus den Fähigkeiten des Anlernenden des Meisters, Lehrers. Jede Erfahrung erfordert’aber vorangegangene praktische Arbeit oder Ausführung eines Gegenstandes, und jede Fähigkeit gründet sich auf die Intelligenz des Menschen und ist mit Denken verbunden. Die Handfertigkeit hat sich bekanntlich nur langsam, nach und nach entwickelt, und der Grad, den ein Volk in ihr erreicht hat, läßt Schlüsse und Folgerungen zu auf die Kulturstufe, auf der sich dieses Volk befindet. Nun sind die Juden ein geistig sehr regsamer und begabter Volksteil, und sie verfügen auch über eine lange und große Geschichte, die wohl älter ist, als die aller europäischen Urvölker. Wer also Handwerk und Judentum ausführlich behandelte, würde eine große Fülle von Stoff vorliegen haben, und er würde sowohl nach der geschichtlichen Seite, wie auch nach der kulturellen Seite viel sagen können. Daß trotzdem sich noch niemand an die ausführliche Beantwortung des Themas herangewagt hat, liegt wohl daran, daß man immer anderen Fragen größere Wichtigkeit beigemessen hat, und daß, wer über das Handwerk schreiben will, doch immerhin über ein gewisses praktisches Mindestmaß an handwerklichem Wissen verfügen muß, das dem Gelehrten, dem Journalisten nicht immer gegeben ist. Unter den Juden selbst gibt es wohl auch noch manches Vorurteil gegen das Handwerk — nicht ohne Schuld der Handwerker. Denn die Handwerkerschaft in Deutschland hat — wohl infolge der zunftmäßigen Entwicklungsform — immer mehr in der Vergangenheit als in der Zukunft gelebt — sie war, wie man so sagt, stark rückschrittlich gesinnt. Man braucht da nicht einmal an die ausgesprochenen Zünftler zu denken, sondern nur daran, daß viele unserer Handwerker in ihrer ganzen Weltanschauung stark am Alten hängen und am liebsten die Entwicklung, das Rad der Zeit, zurückdrehen möchten. Die Juden aber sind gewöhnlich für den Fortschritt, der immer neue Bedürfnisse schafft, was dem Geschäftsmann günstig ist. Der Handwerker sieht den in einer fortschreitenden Entwicklung liegenden Geschäftsvorteil nicht immer ein, und deshalb hat er auch so oft nach der Vergangenheit hinneigende Ansichten. Der Jude mit seinem intensiveren Geschäftsdenken huldigt aber der Zukunft und rechnet mit den zukünftigen Bedürfnissen in seinen Ansichten, sodaß hierdurch der Gegensatz im Denken zwischen dem am Alten stark hängenden Handwerker und dem für das Neue leicht einzunehmenden Juden zu begreifen ist; auch das Vorurteil im Judentum — wenn und soweit von einem solchen überhaupt die Rede sein kann — gegen das Handwerk, gegen das rückschrittliche Handwerk,, erklärt sich hieraus. Es wird ja mit der Zeit alles einmal ausgeglichen, was wir erst jetzt wieder m diesen Kriegszeiten erleben. Denn die Hantiwerkei rechnen jetzt auch mit der Zukunft, wie sie sich n a c dem Kriege gestalten wird, und die Juden halten jetzt auch stark in der Vergangenheit, insofern sie für die Zeit nach dem Kriege nicht mit allzu viel Neuerungen rechnen und das bewährte Alte in unserm Staatenleben höher als sonst bewerten. Gerade wegen dieser Annäherung der Gegensätze ist jetzt die Zeit der Behandlung unseres Themas: „Das Handwerk und die Juden“ sehr günstig. In jüdischen Kreisen wird manches in der Handwerkerbewegung nicht richtig verstanden, und vieles ist noch unbekannt, sodaß es angebracht ist, erst einmal etwas mehr über das Handwerk — seine Geschichte, seinen Aufbau — zu sagen. Daran kann sich das Wissenswerte über die jüdischen Handwerker in Deutschland schließen, alles natürlich nur in knappen Umrissen. Die Geschichte der Handwerker in Deutschland weist vier Hauptperioden auf, nämlich die mittelalterliche Blütezeit, als die Handwerker noch den eigentlichen Stamm der Bewohner der noch jungen Städte bildeten, als sie auch die politische Macht in den Städten besaßen und als ihr Erwerbsgebiet noch ein uneingeschränkt gutes, auf Stadt und Land sich gleichmäßig verteilendes war, als Ritter, Landmann und Bürgersmann noch gleichmäßig seine Kunden waren, als noch keine Konkurrenz seinen Erwerb beeinflußte und als das Leben der Handwerker noch ein sehr behagliches war, das mehr zur Anregung der Geister, zur Fortbildung, zur korporativen Wahrnehmung von Rechten und Befugnissen eines Zusammenhaltes bedurfte. In dieser Periode bildeten sich die Brüderschaften, die Vorläufer der Zünfte, heraus; es entwickelte sich der Korpsgeist und das Handwerk trieb starke Wurzeln im politischen Bereich der Stadtgemeinden. Das Handwerk konnte sich aber auch in dieser Periode in seinen Leistungen gut entwickeln, denn es ruhte auf sicherem Nährboden, der auch den Fähigkeiten, namentlich den künstlerischen Fähigkeiten, einen guten Grund gibt. Dann kam die Periode nach dem Dreißigjährigen Kriege, als Deutschland durch die Kriegs- Bekanntmachung. Die Zwischenscheine für die 5°/0 Schuldverschreibungen des Deutschen Reichs von 1915 (III. Kriegsanleihe) können vom 1. Mai d. J. ab in die endgültigen Stücke mit Zinsscheinen umgetauscht werden. Der Umtausch findet bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin W 8, Behrenstraße 22 statt. Außerdem übernehmen sämtliche Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtung bis zum 22. August d. J. die kostenfreie Vermittlung des Umtausches. Die Zwischenscheine sind mit Verzeichnissen, in die sie nach den Beträgen und innerhalb dieser nach der Nummernfolge geordnet einzutragen sind, während der Vormittagsdienststunden bei den genannten Stellen einzureichen. Formulare zu den Nummernverzeichnissen sind bei allen Reichsbankanstalten erhältlich. Firmen und Kassen haben die von ihnen tmgereichten Zwischenscheine in der rechten Ecke oberhalb der Stücknummer mit ihrem Firmenstempel zu versehen. B e r l i n , im April 1916. Reichsbank-Direktorium. Havenstein, v. Grimm.