Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-04-28 · 17 (28.4.1916) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9119177--00817-9073643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 Das Jüdische Echo Nr. 17 Noch wissen wir nicht, ob sich die Zionisten Englands mit diesem Programm zufrieden geben werden, oder ob sie — wie in Amerika — darauf bestehen werden, daß auch zugunsten der jüdischen Ansiedlung in Palästina etwas geschieht, damit die Juden Gelegenheit erhalten, selbst etwas zur Umgestaltung des jüdischen V o 1 k s s c h i c k s a 1 s und vor allem zur Belebung des Judentums selbst zu tun. Daß Palästina nicht die sofortige Lösung der gesamten Judenfrage bedeutet, daß sie deshalb trotz ihrer palästinensischen Ideale sich zu tapferen Verteidigern des anderen Programmpunktes, nämlich der Forderung gleicher politischer und bürgerlicher Rechte für die Juden machen müssen, ist den Zionisten wohlbekannt. Aber weshalb man neben dieser Forderung nicht auch jene andere: die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina in einem besonders günstigen Augenblick erheben soll, weshalb nicht die ganze englische Judenheit diese Forderung unterstützen soll, -ist unklar. Daß Palästina vorläufig nur für einen kleinen Teil des jüdischen Volkes eine Rettung aus materieller Not bedeutet, spielt dabei gar keine Rolle, umsoweniger, als die Erfüllung des zionistischen Ideals für Zehn — ja Hunderttausende von Juden in allen Ländern eine Errettung aus tiefer seelischer Not, eine Hoffnung und ein Ansporn zu regerem jüdischen Leben bedeuten würde. Nicht allein den Juden gilt es zu erhalten, sondern auch das Judentum, dem in Palästina eine Stätte der Entwicklung geschaffen werden soll. Wir hoffen sehnlichst, daß die von Herrn Zangwill und anderen Vertretern der neuen englischjüdischen Union erstrebte Einigkeit zustandekommt, aber nicht indem die englischen Zionisten sich den günstigen Augenblick des Handelns für den Zionismus rauben lassen, sondern indem sie — dem Beispiel Amerikas folgend — darauf bestehen, daß die Forderung voller Rechte in den Golusländern und die Forderung einer Unterstützung der zionistischen Palästina-Arbeit gleichzeitig erhoben werden. V o. n der zionistisch en Zentralleitung kann man wohl erwarten, daß sie einmal einen Beweis dafür liefert., daß sie, trotz der Zeitverhältnisse, noch einige Macht über die Landesverbände hat, indem sie die englische Föderation zwingt, dafür zu sorgen, daß, ebenso wie in Amerika, auch in England die Förderung des erstrebten jüdischen Zentrums in Palästina zu einer Forderung der gesamten Judenheit jenes Landes erhoben wird. Mara. Der Papst als Retter der Juden. Das jewish Committee in Newyork, an dessen Spitze Dr. J. L. Magnes steht, ist eine Einrichtung, die zweifellos ihre Verdienste hat. Sie tut mancherlei zur sozialen, kulturellen und moralischen Hebung der eingewanderten Juden auf der, Newyorker Ostseite und hat sich mit Suppenküchen, Talmud Thoras und Herausgabe billiger Gebetbücher schon erfreuliche Verdienste um-die Newyorker Juden erworben. ' Nunmehr hat das Jewish Committee es für geraten gehalten, seine lokale Tätigkeit über ihr bisheriges. Feld hinaus zu erweitern und sich zum Anwalt der bedrängten internationalen Judenheit zu machen. Wie „Journal“ und „Temps“ berichten, haben sich nämlich der Präsident und Mitglieder des Komites namens ihrer drei Millionen amerikanischer Glaubensgenossen mit einer Bittschrift an den Papst Benedikt gewandt und ihn unter Berufung auf seine oft bewiesene Menschenliebe gebeten, seinen Einfluß geltend zu machen, damit die Grausamkeiten und Härten, unter denen die Juden seit Kriegsbeginn in einzelnen kriegführenden Ländern zu leiden haben, aufhören. Als Antwort auf diese Petition ist kürzlich beim Jewish Committee ein Schreiben des Kardinals Gasparri eingelaufen, in dem gesagt wird, das Gesetz der Menschenliebe müsse, wie gegen alle Menschen, so natürlich auch gegen die Kinder Israel behauptet werden, da es unreligiös wäre, wegen der Verschiedenheit der Bekenntnisse eine Ausnahme zu machen. Der Papst wrerde für den Frieden und die Rückkehr der Menschlichkeit beten. Durch diese Antwort ist das Jewish Committee um ein Autogramm des Kardinals Gasparri und das jüdische Volk um die Erklärung reicher geworden, daß die Ermordung jüdischer Landeskinder nicht zu den Pflichten christlicher Regierungen gehört. Das ist aber auch der einzige Erfolg dieser Petition, . deren Nutzlosigkeit zum jetzigen Zeitpunkte sich jeder an den fünf Fingern abzählen konnte. Dr. Magnes und mit ihm andere Mitglieder des Jewish Committee stehen bekanntlich außerhalb der amerikanisch-jüdischen Kongreßbewegung, von der sie sich, wie erst neulich erklärt wurde, nur dann einen Erfolg versprechen würden, wenn es gelänge alle Kreise der amerikanischen Judenheit dafür zu gewinnen. Glauben die Herren wirklich den Interessen des jüdischen Volkes besser zu dienen, wenn sie sich namens der drei Millionen amerikanischer Juden (wann gaben diese ihnen einen solchen Auftrag?) jetzt mitten im Kriege an den Papst wenden, der den Verhältnissen ohnmächtig gegenübersteht, um die frohe Botschaft zu erhalten, daß „auch die Kinder Israel Menschenrechte besitzen“? Wenn man doch dejm 'unmöglichen Zustande steuern könnte, daß jeder Jude oder jedes jüdische Griippchen, das einen mehr oder minder großzügigen Plan zur Erlösung des jüdischen Volkes faßt, vorgibt, „im Namen der Judenheit“ zu handeln! Helene Hanna Cohn. Das Handwerk und die Juden. Von J. Hein. Über das Handwerk und die Juden ist noch sehr wenig geschrieben worden, obgleich es ein dankbares Thema ist. Denn das Handwerk ist ein äußerst wichtiger Erwerbszweig im Staate und in den von den Staatsgrenzen umfriedigten, vom Volksganzen gebildeten Volkswirtschaftskörper. Das Handwerk als solches stellt eine höhere Form der einem jeden gegebenen Handfertigkeitskenntnisse dar, insofern, als es diese Kenntnisse nach Beitunterricht gründlich und zweckgemäss erhalten Sie im Universitäts-T attersall Amalienstr. 27 Trambahnlinie 2, 3, 10, 26 Prospekte auf Wunsch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.