Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den V erlag — Bezugspreis: Yiertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M.4.—, Einzelnummer 10P1. —Verlag des ״Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München,* Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf.— Anzeigenannahme: Verlag des ״Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 17 _München / 3. Jahrgang 28. April 1916 1916 Wochenkalender (5676) תרעו Äpril Nissan ניסן □קדשי Neum.-Änk. Samstag 29 26 Sonntag 30 Mai 27 Montag 1 28 . Dienstag 2 29 Mittwoch 3 30 אייר [ Neumond Donnerstag 4 1 ) Freitag 5 2 Inhalt! Mara: Englische Vereinigung zur Ver- ———— tretung jüdischer Interessen; H. H. Cohn: Der Papst als Retter der Juden; J. Hein: Das Handwerk und die Jyden; Welt-Echo; Zum 70. Geburtstag des .Herrn Heinrich Frei; J. L. Perez: Meine Sommerwohnung; Gemeinden- und Vereins-Echo. Englische Vereinigung zur Vertretung jüdischer Interessen. Wir haben in unserer vorigen Nummer über die Versammlung zur Vorbereitung eines jüdischen Kongresses in Amerika berichtet. Der Stein ist nunmehr im Rollen, und es ist von Herzen zu wünsehen, daß die Kongreßbewegung nach und nach alle Schichten der amerikanischen Judenheit erfassen werde. Denn wirkliche Stoßkraft wird man nur von einem Kongreß erwarten können, der eine Vertretung des gesamten jüdischen Volkes in Amerika und seines nationalen Willens bildet. Gelänge es auch dieses Mal nicht, Einigkeit in die jüdischen Reihen zu bringen und die Welt vom Vorhandensein einer einigen, in ihren Forderungen übereinstimmenden jüdischen Volksmasse zu überzeugen, so würde man sich nicht allzuviel Erfolg von diesem Kongreß mehrerer jüdischer Vereine und Parteien in Amerika versprechen dürfen. Es ist aber zu hoffen, daß die Kreise, die bisher der Kongreßbewegung fernstanden — in erster Linie das Arnerican Jewish Committee, das an der demokratisehen und an der nationaljüdischen Grundlage der Kongreßbewegung Anstoß nimmt sich allmahlieh darauf besinnen werden, daß es ein me wieder gut zu machendes Unrecht bedeuten wurde, wenn durch jüdische Uneinigkeit auch diese unvergleichlich günstige Gelegenheit zu gemeinsamem Handeln verpaßt würde. Schon hat der Gedanke einer Vereinigung aller Juden in den einzelnen Ländern zum Zweck der Forderung jüdischer Rechte im geeigneten Augenblick auf andere Länder übergegriffen. Auch in England bereitet sich eine Vereinigung aller — auch der widerstrebendsten — Elemente der Judenheit jenes Landes vor, zum Zweck des gemeinsamen Handelns zu Gunsten der Juden der verschiedensten Länder. Eine Union verbindet nunmehr schon die Delegierten der Anglo-Jewish- Association, des Board of Deputies, der Jewish Trade Unions, der Friendly Benefit Societies, der zionistischen Vereine und der Chewras des Londoner Ostends. In einem Ostend-Theater fand kürzlich die erste Versammlung der neuen Vereinigung statt. Lucien Wolf, der zu ihrem Vorsitzenden ernannt worden ist, eröffnete sie mit einer Ansprache, in der er auf die dringende Notwendigkeit hinwies, daß ein zukünftiger Friedenskongreß die Juden einig in ihrem Wollen und Handeln finde, damit sie, die in diesem Kriege unvergleichliche Opfer gebracht haben, mit der gleichen Sicherheit und Würde wie, )andere Völker ihre Forderungen erheben können. Diese Forderung aber, in der Orthodoxe und Reformierte, Zionisten und Antizionisten, Sozialisten und Aristokraten übereinstimmen können, lautet: den Juden in allen Ländem die gleichen Bürgerrechte, welche die nichtjüdische Bevölkerung dort genießt. In demselben Sinne richtete Israel Zangwill an die Versammlung eine Ansprache, die freilich einen etwas sonderbaren Charakter dadurch erhielt, daß er, während er einerseits die Forderung der Einigkeit an die Juden richtete, andererseits die zionistische Tätigkeit bei seinen Zuhörern zu diskreditieren suchte, um zionistisehe Pläne aus dem Programm der neuen Vereinigung auszuschalten: ״Der Gedanke, den Juden jetzt Palästina zu geben, ist Unsinn — denn es sind zur Zeit nur wenige Juden dort, und hingehen können überhaupt keine“. Demnach scheint also — im Gegensatz zu dem amerikanischen Kongreßprcgramm — das Programm der neuen englisch-jüdischen Vereinigung nur die Forderung der Gewährung voller religioser, bürgerlicher, politischer und nationaler Rechte an die Juden derjenigen Länder, in denen ihnen solche bisher verweigert wurden, zu enthalten. Die ganze Verantwortung für die Besserung der jüdischen Zustände wird damit den Regierungen jener Länder zugeschoben, und die Juden selbst verharren in ihrer passiven Stellung.