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Das jüdische Echo · 1916-04-21 · 16 (21.4.1916) · p. Seite 150

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
16 (21.4.1916)
Date
1916-04-21
Page
Seite 150 (sequence 14)
Language
German
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150 Das Jüdische Echo Nr. 16 Es kommt ein Sommer wohl,, ein Herbsttag: blinkt, Der Blüten dir zugleich und Früchte bringt. Sei fest, sei stolz, und eins noch laß dich lehren: Dich wehren, Jung’, dich wehren! Beruria. Ein Licht ging auf in Juda, Rabbi Me'ir. Von nah und fern sind sie herbeigeströmt, Die noch der Jugend dunkle Locken schmücken, Und die des Alters Krone silbern ziert, Um weisheitdürstend seinem Wort zu lauschen. Kaum faßt der weite Raum der Schüler Zahl. „Der Rabbi spricht!“ Und alle horchen schweigend; Verstummt das Murmeln, das Gesumm und Flüstern. „Warum“, beginnt er, „setzt das heilige Wort Des edlen Weibes Wert hoch über Perlen? Was uns der Markt des Tages stündlich bringt, Ist feil um niedern Preis; nur was da selten Und reich an inn’rer Güte, schätzt der Kenner, Und selten ist ein kluges, sittsam Weib. Dem Manne Heil, der solchen Schatz errungen!“ — Sein Blick streift freudigstolz Beruria — „Denn nur zu wahr ist unsrer Weisen Wort: Leicht ist des Weibes Sinn und sonder Stete. Ihr Auge haftet an dem Schein der Dinge, Sie liebt schon, was gefällt, der Wechsel lockt sie, Und was sie reizt, dem ist sie unterjocht. Drum gab der Schöpfer ihr den Mann zum Herrn, Daß er die Schwache schütze, stütz’ und lenke, Drum hat das heilige Gesetz sie klüglich Von jeder zeitgebundnen Pflicht enthoben Und diese nur dem Manne anvertraut.“ „Verzeiht mir, Rabbi, wenn ich widerspreche,“ Elasar sagt’s, sein Freund, sein Lieblingsschüler, „Mich dünkt, das Weib sei^ jener Pflichten ledig, Weil ihm Natur viel größ’re auferlegt, Und sein Verdienst ist unserm gleich, ist höher, Indem es duldend sie erfüllt und trägt. Nicht wankelmütig ist das Weib, nicht schwach, Ihr Herz ist stärker als des Mannes Geist. Die Liebe, die den Mann zum Sklaven macht, Schlingt um des Weibes Haupt ein Diadem, Und Glück und Gnade fließt von ihrem Thron.“ Der Rabbi wendet lächelnd sich zur Seite: Entscheide du, mein Weib, Beruria. Ich weiß, du bist nicht wie die andren Frauen, Bist über dein Geschlecht hinausgewachsen An Weisheit, Kraft und an Gesetzeskunde. Sag du, wie steht es um des Weibes Sinn? Ist er nicht schwach und leicht veränderlich? Der Laune jeder Stunde unterworfen, Wenn nicht ein stärkrer Wille ihn regiert? Stärkt Liebe, wie Elasar meint, das Weib? Vermehrt sie nicht vielmehr noch sein Gebrechen? Beruria errötet leicht, sie wirft Das Haupt zurück, ihr Auge funkelt stolz, Und trotzig, fiebernd beben ihre Lippen: „In einem Garten stand ein Ahorn einst, Von einer Rebe sagt man, treu umschlungen. Sie rankte liebend sich um Stamm und Äste, Und ihre Früchte hingen schimmernd nieder, Als ob an seinen Zweigen sie gewachsen. Da sprach der Ahorn eines Tags voll Selbstsucht: Was wärst du, Schwache, wenn ich dich nicht trüge? Und doch bist du nicht treu, du läßt die Ranken Hinüber zu den Brüdern lockend spielen, Die stolz empor die freien Stämme recken. Ich wollt’, ich wär’ der schweren Bürde ledig! Der Herr des Gartens, der vorüber ging, Vernahm das Wort. Er ließ die Rebe sacht Vom Ahorn lösen. Und was sah der. Garten? Sah einen dürren Stamm, sah kahle Äste.“ „Und was ward aus der Rebe?“ fragt der Rabbi, „Sie starb, am Fuß des Baumes hingestreckt.“ — Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) München. Hauptlehrer, Chordirigent und Kantor, Herr Heinrich Frei, feierte am 16. d. M. seinen 70. Geburtstag. Wir sprechen dem Jubilar unsere besten Glückwünsche aus und werden seiner verdienstvollen Wirksamkeit in der Gemeinde in unserer nächsten Nummer gerecht zu werden suchen. Ichenhausen. Einen schweren Verlust erlitt unsere jüdische Gemeinde durch den Tod ihres langjährigen ersten Kultusvorstandes, Herrn Mich. S u 1 z e r. Der Verstorbene, der ein Alter von fast 85 Jahren erreichte, hat trotz seines hohen Alters bis in die letzten Tage hinein mit gewohnter Gewissenhaftigkeit sein Amt verwaltet. Er war ein Wohltäter nicht nur der Armen und Bedürftigen, sondern der ganzen Gemeinde, deren Wohlergehen ihm bis zum Tode am Herzen lag. Nicht minder galt sein lebhaftes Interesse seiner politischen Gemeinde, die ihn seit vielen Jahren durch die Wahl in den Magistrat auszeichnete und ihm als Anerkennung für sein ganz hervorragendes Wirken das Ehrenbürgerrecht verlieh. — Die ganze Bevölkerung unserer Stadt trauert um den Heimgegangenen, denn er war ihrer Besten einer, beliebt und geehrt bei Jedermann. Nürnberg - Fürth. Am Samstag, den 1. April fand die diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Die Ortsgruppe ist durch den Krieg ganz lahmgelegt worden. Der größte Teil der Mitglieder ist im Felde; der Vorstand war bis auf ein Mitglied vollständig zum Waffendienst eingezogen. Berücksichtigt man diese Umstände, so ist die Jahresarbeit noch eine erfolgreiche zu nennen. Der stellvertretende Vorsitzende gibt einen anregenden Bericht des verflossenen Jahres und spricht den beiden Vorstandsmitgliedern, den Herren Schuhmann und Rechtsanwalt Stern die Teilnahme zu dem herben Verlust aus, den beide durch den Tod der Frau resp. Mutter erlitten haben. Dem Kassierer und Nationalfonds-Verwalter wird Entlastung erteilt. Der gesamte Vorstand wird wieder gewählt. Es fanden mehrere Vorträge und Ortsgruppen - Versammlungen in diesem Jahre statt, auch eine Chanukahfeier wurde abgehalten und den Mitgliedern Liebesgaben ins Feld gesandt. Den Höhepunkt der Veranstaltungen bildete sicher der gut besuchte Vortrag des früheren Mitgliedes, des Schauspielers Herrn Marie, München. Die Generalversammlung beschloß, weiter alle Kräfte anzuspornen, um bis zu glücklicherer Friedensarbeit auszuharren. Bamberg. Zum Abschluß des II. Cyklus der populär-wissenschaftlichfen Vorträge des historischen Vereins Bamberg, sprach, einer Einladung

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