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Das jüdische Echo · 1916-04-21 · 16 (21.4.1916) · p. Seite 149

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
16 (21.4.1916)
Date
1916-04-21
Page
Seite 149 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 149 David Krakauer: Ich habe gesündigt Ich folgte nicht dem Trieb meines Herzens zu helfen. Jakob Schenkwirt: Ich habe Zins genommen und war ein harter Eintreiber. Ich habe das Pfand der Witwe über Nacht bei mir behalten. Zwei Andere: Ich auch, ich auch. Josef Scharf: Ich bin gestraft mit dem, was ich verschuldet habe. Du, oh Gerechter! Ich habe meinen toten Sohn nicht angehalten zu* lernen. Ich habe ihn von den heiligen Büchern fortgenommen zu Handreichungen. Ich habe gewollt, er sollte in große Städte ohne Jüdischkeit gehen, ein Verdiener, ein Lauer, ein Fremder sollte er werden. Du hast es gesehn, o Herr. Du hast mich zerbrochen dafür. Rabbi: Siehe, wir liegen hier .vor dir wie Säcke ausgeleert, und breiten unser Elend vor dir aus. Nimm es zu dir, sieh es gnädig an. Vergib uns, Herr. Sieh unsere große Reue, sieh die Bitternis und den Gram, sieh unsere Buße. Wir tauchen unsere Seele in bittre Wasser und brennen sie mit Flammen der Läuterung. Alle: Vergib uns, Herr, in deinem großen Erbarmen. Rabbi: Laß nicht die Feinde deines Volkes triumphieren, und erhebe die Lüge nicht über unsere Häupter. Wasche die Lehre rein von der Schändung, mit der die Verleumdung sie bespeit. Halte, oh Herr, dein Antlitz über Israel! Erhöre uns oh Herr, erhöre uns und hilf uns doch. Alle : Oh Ewiger hilf uns doch! Rabbi: Nicht um unseretwillen zeige deine starke Hand, nicht um unseretwillen! Wenn wir gewürdigt sein sollen zu sterben für die Herrlichkeit deines Namens: nimm uns hin! Nimm uns alle, nimm einige, nimm mich. Gib uns Kraft, daß wir den Tod leiden, und die Größe deines Namens offenbar werde. Alle: Gib uns Kraft und nimm uns. Rabbi (ekstatisch): Und noch sage ich, daß wir gewürdigt sein mögen, den Meschiach zu sehn, bald, in unseren Tagen. Höre Israel, der Ewige dein Gott, der Ewige ist einzig. Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches von Ewigkeit zu Ewigkeit. Alle: Höre Israel . . . Jacob Loewenberg. Vor wenigen Wochen hat der Dichter und Jugenderzieher Jacob Loewenberg in Hamburg seinen 60. Geburtstag gefeiert, begrüßt von einer Schar von Freunden und Verehrern, die voll warmer Liebe zu dem liebenswerten, phantasiereichen und klugen Manne aufsehen. Loewenberg ist Lyriker, Epiker und Dramatiker. Aus allen seinen Dichtwerken spricht eine warme, mitfühlende Seele, an deren Veredlung er im Laufe seines reichen Lebens mehr gearbeitet hat als an der Form seiner Dichtkunst. Zu seinem Judentum steht er in einem innigen, ganz persönlichen Verhältnis, von dem besonders sein Gedichtband „Aus jüdischer Seele“ Zeugnis ablegt. Einige der schönsten Gedichte des freundlichen Poeten, dem hoffentlich noch viele fruchtbare Jahre des Schaffens vergönnt sind, lassen wir folgen. Ausgewiesen. Im Zug der Ausgewies’nen stand Der bleiche, abgehärmte Knabe. Er trug die Geige unterm Arm, Sein Reichtum, seine Habe. So war er von dem Heimatsort Im fernen Rußland ausgezogen, Nicht ahnend, daß man schnöden Sinns Ihn um sein Menschenrecht betrogen. Der Vater und die Mutter tot, Die hatten’s beide gut getroffen. Kein Freund, der liebend ihn beschützt, Die Geige nur sein Trost und Hoffen. Wohin, mein armer Knabe, nun? Die schwache Hand, die zarten Finger Sind in des Lebens rauhem Kampf Gar schlechte, ungeschickte Ringer. Du blickst zum Betteln viel zu stolz, Du kannst nicht an den Türen stehen Und um des Mitleids diirft’gen Sold Gesenkten Hauptes schüchtern flehen. 0, nimm die Geige aus dem Schrein Und zieh von einem Land zum andern Und spiel’ den harten Herzen vor Das Trauerlied vom ew’gen Wandern! Laß deines Volkes trüb Geschick, Sein Leiden, Dulden, Hoffen, Ringen, Sein tausendjährig tiefes Weh In deinen Tönen wiederklingen! Wenn das die Herzen nicht erweicht, Nicht auf zur Sühne ruft, mein Knabe, Dann spiel’ dir selbst dein letztes Lied — Und leg dich still zu Grabe. Meinem Jungen. Mein Junge spielt zum erstenmal allein Heut vor der Tür im hellen Sonnenschein. Bin ich ein Kerl! so blickt er stolz umher. Wenn nur die Welt so furchtbar groß nicht wär’! Und wie er kühn sein Reich durchwandern will, Da schreit’s „hepp, hepp!“ ihm nach, verhöhnend, schrill. Noch kennt er nicht das Wort, doch in dem Ton Spürt er bestürzt des Hasses Stimme schon. Er schrickt empor, er ballt die kleine Faust Und sucht umher; ich seh’s, ihm bangt, ihm graust. Komm her, mein Kind, laß dir ins Auge schaun. Noch liegt darin ein grenzenlos Vertraun, Ein heilger Glaube und ein froher Mut: Wie ist doch alles um mich schön und gut! Dies Aug’ ein See, drin sich der Himmel malt, Der leuchtend alle Sterne widerstrahlt. Eim Schmerz faßt mich, ein Zorn, ingrimmig, wild, Wie bald zerstört die Welt das reine Bild! Das Wort, das heute ihn ^zuerst beirrt, Ist so ein Stein, mit dem’s zertrümmert wird, Mit dem man in sein Heiligtum ihm bricht — Halte fest, mein Kind, verlier’ dich selber nicht. Die Scharte nur, die du dir selbst versetzt, Wird nie im Leben wieder ausgewetzt. Ob auch die Menschen in dir untergehn, Der Mensch soll um so herrlicher erstehen, Du hast noch immer mehr, als man dir raubt, Behältst du nur, was du einst rein geglaubt. Und reißt man dir die Blüten aus dem Garten, Wir sind vom alten Stamm, wir können warten.

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