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Das jüdische Echo · 1916-04-21 · 16 (21.4.1916) · p. Seite 146

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
16 (21.4.1916)
Date
1916-04-21
Page
Seite 146 (sequence 10)
Language
German
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146 Das Jüdische Echo Nr. 16 worden und war ursprünglich für die Weltausstellung in San Francisco bestimmt. Eine „Bazarzeitung“ erscheint in jüdischer und englischer Sprache. Literarisches Echo Der Judenroman eines Lappen. M a 11 i A i k i o : Der Sohn des Hebräers; übersetzt von Niels Hoyers; Verlag Georg Müller, München. Einer, der ruhe- und friedlos wurde, weil er den Zusammenhang mit seinem Volke verlor, ohne in die Gemeinschaft irgend eines andren Volkes eintreten zu können, suchte ein Gleichnis für sein eignes Schicksal und fand es — im Schicksal des „modern“ gewordenen Juden. Freilich ist der Fall des Juden, den Matti Aikio, der Lappe schildert, insofern reichlich extrem, als der Judenknabe David, ein ausgesetztes Kind, von christlichen bäurischen Eltern erzogen wird und sich von frühester Kindheit an mit christlich-religiösen Vorstellungen vollsaugt. Dennoch empfindet ihn, empfindet er seine Umgebung als eine fremde Welt, und als der erste Stammesgenosse, ein jüdischer Hausierer, am Horizont seines Lebens erscheint, regt sich das Stammesgefühl so stark, daß er im Anschluß an diesen Juden die Stillung seiner gequälten Sehnsucht zu finden meint. Aber die Hoffnung erweist sich als trügerisch, und nachdem er ein Bildhauer von Ruf geworden, finden wir David wieder im Verkehr mit nichtjüdischen Freunden und Frauen, ja sogar auf der Suche nach Verbildlichung eines christlichen Schönheitsideals; einer Jesusgestalt, die ihm, dem Juden, in der Auffassung völlig mißglückt. Nachdem er nochmals erfahren, daß er an der Stätte seiner Kindheit ein Fremdling ist, zieht ihn eine mystische Sehnsucht nach Rußland, in die Ghettostadt, der seine Eltern entstammten, und hier scheint ihm ein Festwurzeln beschieden zu sein. Er erlebt eine ganze große Liebe zu einer Jüdin, und sein Talent erhebt sich zu einer ganzen großen Tat. Da diese Tat aber wiederum in der Schaffung einer Christusgestalt bestellt, zieht er sich auf der einen Seite den Haß der jüdischen Stadt, in deren Mitte das Bildwerk entstand, zu und beschwört andrerseits, durch eine Kette unglückseliger Ereignisse, einen Pogrom herauf, der ihn sein Heim, sein Weib und endlich sein Leben kostet. Der Schluß ist eine Apotheose am Fuße seines eigenen Meisterwerkes. Überzeugend ist dieser Judenroman nicht, da der Dichter wohl äußerlich ein wenig vom Judentum und Judenvolke weiß, aber keinerlei Zugang zur jüdischen Seele hat. Sein David ist ein konstruiertes Zwitterwesen von christlicher Mystik und allgemein - menschlicher Schlappheit. Oder glaubte der Verfasser ihm jüdische Züge zu geben, als er ihm eine gelegentliche Freude an der Schachergabe des Hausierers anschminkte? Unter dieser Unkenntnis leidet auch der künstlerische Wert des Buches, das häufig .zu überreden versucht, selten aber zu überzeugen versteht. Dennoch ist es lesenswert, denn wenn es auch nicht die Empfindungswelt eines getauften Juden erschließt, so erschließt es doch diejenige —eines kultivierten Lappen. H. H. C. Im Kriegslagen Von S. Schachnowitz; Jüdischer Zeitschriftenverlag G. m. b. H., Frankfurt am Main. In seiner Schrift; „I m K r i e g slage r“ hat S. Schachno witz die Aufgabe gelöst, dem orthodoxen Soldaten die Richtlinien zu zeigen, wie man selbst dm Gefecht nicht Schabbos, nicht die Speisegesetze zu vergessen braucht. Denen, die bei jeder unverschuldeten Gesetzesübertretung Reue fühlen, sagt er: „Jeder Seufzer, der sich ob des Versäumten seiner Brust entringt, und jeder im Herzen gefaßte Vorsatz, es sind lauter Wechsel, ausgestellt von einem, der, unverschuldet in Not geraten, seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. So aber der Schuldner die erste günstige Gelegenheit benutzt hat, die in der Verhältnisse Zwang verletzten Gebote mit doppelter Freude zu erfüllen, sind die Wechsel eingelöst, ist der Jude in ihm völlig rehabilitiert“. Die einzelnen Abhandlungen des Büchleins sind kurz gefaßt und wohl geeignet, den jüdischen Soldaten viel sittlichen und geistigen Halt zu bieten. L.L. Feuilleton Ritualmord in Ungarn Drei Szenen aus Arnold Zwei g’s gleichnamiger jüdischer Tragödie. (Die Häupter der jüdischen Gemeinde Tisza Eszlar,, des Ritualmordes an dem ungarischen Mädchen Esther Solymosi beschuldigt, schmachten im Kerker. Dem dreizehnjährigen Moritz Scharf versucht man durch monatelange Martern ein lügnerisches Geständnis der Tat zu erpressen.) II. Akt: 6. Szene: Raum des göttlichen Lichtes. Niedergeworfen und hingestreckt die Gestalt eines großen greisen Mannes in hellem Gewand: Jizchak, der Patriarch. Die Stimme Elohims (liebreich): Gegrüßt sei und aufgehoben der getreue Knecht, Jizchak, Abrahams Sohn, der Vater meines Volks; und seine Rede sei gehört. Jizchak: 0 Vater, o Herr, dessen Licht ausgebreitet ist durch alle Himmel, du weißt, was mich hierher zwang, in den Vorhof deiner Herrlichkeit. Darum laß mich noch stumm vor dir liegen, und sei gnädig, Unaussprechlicher, denn mir bangt vor Scheu. Die Stimme: Angenehm ist mir deine Stimme, mein Sohn Jizchak, und freier denn ein Seraph geht dein Wort zu mir. So erhebe dich und rede. Jizchak (sich erhebend): Ich war der Herr von Herden. Über den Rücken schwerwolliger Schafe glitt mein Blick, er hing im Wald von Gehörn vieler Rinder und hob sich entlang den wiegenden Hälsen der Dromedare und über ihre Höcker empor zu den Wolken, dir zu danken. Die Stimme: Ich hatte dich gesegnet und wachte über deiner Habe, sie zu mehren. Jizchak: Klein war mein Volk und gehörte ganz dir. Am Abend, wenn die Ebenen Kanaans hindunkelten zu den Flüssen und bis zur Wüste, hob sich der Rauch weniger Feuer empor zu den Sternen, aber jedes brannte dir zum Opfer. Die Stimme: Ich führte es herab ins ägyptische Land, und seine Zahl ward Tausend mal Tausende. Jizchak: Ein Hirt bin ich geblieben. Ich schaue hinab auf mein Volk und sehe es auf der Erde hier und dort, wie eine Herde geteilt, die weidet zwischen den Rücken langer Hügel, in den

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