Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 16 (21.4.1916)
- Date
- 1916-04-21
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 141 der gesegneten Freiheit dieser großen Republik leben, uns eins fühlen mit unsern gemarterten Brüdern in allen ihren Leiden und Hoffnungen Wiir fordern die Völker aller Länder auf, alie Bemühungen zu unterstützen, die auf Beendigung jener Schrecken hinzielen, indem sie für die Juden Osteuropas gleiche Rechte zu erlangen suchen.“ Bei der Erörterung der Methode, nach der die Kongreßdelegierten zu wählen sind, kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen. Eine Minorität verlangte das Wahlrecht für alle großjährigen Juden, eine Majorität empfahl, daß der Einzelne nur durch die Gesellschaft, Loge oder Organisation, der er angehört, wählen solle. Es wurde anerkannt, daß das allgemeine Wahlrecht, unter Ausschaltung der Organisationen, am meisten der demokratischen Basis des Kongresses entsprechen und am deutlichsten zeigen würde, wie weit das jüdische Volk für einen nationalen Zusammenschluß reif ist; andrerseits betonte man, daß es bei der Kürze der Zeit bis zum Kongreß nicht möglich sein würde, der Masse des Volkes die Bedeutung ihrer Stimmenabgabe klar zu machen. Mit 109 gegen 103 Stimmen wurde schließlich die folgende Resolution angenommen: „1. Die Mitgliedschaft jedes Juden oder jeder Jüdin, die einer lokalen jüdischen Organisation angehört, gibt ihm oder ihr auf Wunsch das Wahlrecht. Die Stimme wird durch die lokale Organisation abgegeben. 2. Der ausführende Ausschuß soll Mittel und Wege finden, um auch jüdischen Personen, die keiner Organisation angehören, die Stimmabgabe zu den Kongreßwahlen zu ermöglichen.“ Am 2. Verhandlungstage wurde festgestellt, daß für die Organisationsarbeit 100.000 Dollar — davon 20.000 Dollar sofort — notwendig seien. Unmittelbar darauf wurden von den Delegierten 12.000 Dollar gezeichnet. Die Pflichten des ausführenden Ausschusses wurden folgendermaßen festgesetzt: Der ausführende Ausschuß wird ersucht, alles, was in seinen Kräften steht, zu tun, um alle die jüdischen Organisationen, die bei der Philadelphiaer Konferenz nicht vertreten sind, zur Teilnahme am jüdischen Kongreß zu bewegen. Falls andeire Organisationen der Kongreßbewegung beitreten, ist der ausführende Ausschuß berechtigt, deren Vertreter zu kooptieren. Der Ausschuß darf sich aber keinesfalls um mehr als 20 Prozent seiner Mitgliederzahl vergrößern. Der ausführende Ausschuß soll dem Kongreß die Gutachten Sachverständiger über folgende Punkte vorlegen: a) Religiöse, bürgerliche, politische und nationale Rechte in allen Ländern, in denen solche den Juden vorenthalten werden; b) Auswanderung und alle darauf bezüglichen Einrichtungen; c) Palästina; d) Hilfsarbeit. Der ausführende Ausschuß soll den Kongreßgedanken durch Einrichtung eines Pressebureaus und Herausgabe einer Zeitschrift fördern. Über den Zeitpunkt des Kongresses wurde beschlossen, daß er zwischen dem 3. September und dem 31. Dezember 1916 stattfinden solle. Im Notfälle soll der ausführende Ausschuß den Kongreß binnen Monatsfrist einberufen. Der ausführende Ausschuß, dessen Ehienvorsitzender Herr Louis D. Brandeis ist, soll aus 70, höchstens aus 100 Mitgliedern bestehen. Bei der Übernahme der Präsidentenwürde sagte Richter Pam: „Wir haben eine große Verantwortlichkeit vor uns. Der letzte Judenkongreß fand 1788 statt. Seitdem haben andre Körperschaften auf ihre Weise versucht, die Lage der Juden zu heben. Der Geist, in dem sie organisiert waren und ihre Arbeit ausführten, war der Geist der Menschenfreundlichkeit und Wohltätigkeit. Damit kann man Verhältnisse bessern, nicht aber sie abschaffen. Wir wollen eine Macht schaffen, die dem Juden seine Rechte im Namen der Gerechtigkeit gewährt. Es handelt sich um kein Wohltätigkeits-, kein Hilfswerk; sondern wir wollen schaffen, was das größte und beste in der Welt ist: eine Volksherrschaft — ein Wort, das uns als Amerikanern und als Juden heilig ist.“ * * * Die Augen des gesamten jüdischen Volkes sind nunmehr auf Amerika gerichtet. Hoffen wir, daß die großzügigen Vorarbeiten zu dem Kongreß, der in unzweideutiger Weise der Welt den nationalen Zusammenhang der Judenheit aller Länder offenbaren soll, zur Schaffung einer jüdischen Volksvertretung führt, die befugt und befähigt ist, die Wünsche des jüdischen Volkes auf dem kommenden Friedenskongreß zu vertreten! Die Weltkultur der Zukunft. Aus Nachum Goldman n’s Schrift „Die weltkulturelle Bedeutung und Aufgabe des Judentums“, auf die zurückzukommen, wir uns Vorbehalten. Erst die Erkenntnis der tiefen gleichgerichteten Tendenzen in der inneren Wesensveranlagung beider Völker (des deutschen und des jüdischen) erklärt alle jene Parallelität' in der Lebensauffassung im Sinne einer Pflicht und der Betrachtung des nationalen Daseins, im Sinne einer Mission. Sie hat hier Wurzel und Quelle. Die Auffassung des Lebens als Pflicht, als Aufgabe ist nichts anders als die gedankliche, im Bewußtsein vollzogene" Wiederspieglung jener unbewußten Wesensveranlagung. Völker, die von Natur aus harmonisch veranlagt sind, die um ihre Bestimmung zu erfüllen, sich nur ihren naturhaften Trieben und Neigungen anzuvertrauen brauchen, die die schönsten Früchte, die ihnen die Welt bietet, leicht, mühelos, wie selbstverständlich pflücken — die alten Griechen, die modernen Romanen —, solche Völker kennen diese Lebensauffassung der Pflicht nicht, weil sie ihrer nicht bedürfen. Ihnen ist das Leben ein schönes Geschenk holder Feen, nicht das qualvolle Gebot eines strengen Gottes; das Dasein ist ihnen eine Gabe, keine Aufgabe. Aber Völker von steifem Nacken, von unbändigem Trotz und tiefer Wiederspruchslosigkeit, ebenso maßlos im Bösen wie herrlich im Guten, sie können ihrer Bestimmung nur gerecht werden, wenn sie sich ihr Dasein als unerbittliche Aufgabe auslegen, und ihr Tun von den Normen strengster Pflichterfüllung und des unbedingten kategorischen Imperativs bestimmen lassen. Im tiefsten Grunde wird ja die Leistung eines Menschen wie eines Volkes weniger vielleicht durch seine positiven wie hmw tuiaion. rroise umiyau München, Weinstraße 13, altes Polizeigeb. Stets Eingang von Neuheiten. — Umarbeitung sämtlicher Zutaten. Preise billigst.