Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 16 (21.4.1916)
- Date
- 1916-04-21
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 139 Magistrat zu einer Ungültigkeitserklärung des Schächtverbotes zu veranlassen. Man wird künftig beim Schächten darauf achten, daß das entströmende Blut nicht verunreinigt wird, sondern zu Zwecken der Volksernährung benutzt werden kann. Damit ist zum Glück diese ganze leidige Angelegenheit, deren Entwicklung im Sinne der Antragsteller uns von vornherein aussichtslos erschien, erledigt. Die Juden im Kriege. Von Felix A. The ilh aber. Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für das schwarz-rot-goldne Band gekämpft und gelitten hatten, obwohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische Burschenschafter an der Spitze der Verbindungen standen, erklärte 50 Jahre später der Weidhofener Verband der deutsch-österreichischen Burschenschaften alle Juden insgesamt für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die Satisfaktion, also auch jenen, die-bis kurz vorher als alte.Herren dem Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung, die ein anderer großer studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere höchst ehrenwerte deutsche Politiker wegen „sozialistischer“ Tendenzen ausstieß, veranlaßte geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns nach. Auch den jüdischen Soldaten. Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen der letzten Jahre haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren und Türken haben sie im vorletzten Krieg vielfach gerühmt. Selbst im antisemitischen Rumänien ist ein jüdischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878 auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des königlichen Schlosses. In Österreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte jüdische Heerführer. In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige jüdische Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch später konnten Juden, hauptsächlich anno 1870, Offiziere werden; aktive Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier hauptsächlich Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.1) Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den Standpunkt, den einmal der leider im Felde gefallene Hauptmann von Treskow also präzisierte: „Wenn wir die Juden prinzipiell nicht befördern, dürften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet die Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen besonderer Tüchtigkeit befördert, worden, das „Hamburger Israel. Familienblatt“ stellte schon über 20 Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse fest (z. B. der Flieger *) In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte, erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In Osteireich haben sich Juden als Generäle ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt es einige Hundert. Nach „Bloch’s Österreichische Israel. Wochenschrift haben sehr viele während des jetzigen Krieges ein glänzendes Avancement erfahren. Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und in den Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege werden die Ziffern insgesamt zur Verfügung stehen. Das in Breslau erscheinende „Jüdische Volksblatt“ hat die Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum angehören. Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden (also fast 1 Prozent der gesamten deutschen Judenheit!) das Eiserne Kreuz erhalten, von über 300 Juden konnte namentlich festgestellt werden, daß sie den Heldentod fürs Vaterland gefunden. Leider kann diese wöchentliche Zusammenstellung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Da die jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich zu Beginn des Feldzuges freiwillig in großer Zahl (es wäre interessant, wenn die Heeresverwaltung diese Ziffer veröffentlichen würde) sich stellte, sind die Verluste sehr stark.2) In allen jüdischen Jugendvereinen wird diese Tatsache festgestellt. So ist z. B. in der jüdischen Turnerschaft eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen Untervereinen bis 33 Prozent der Mannschaften (wie z. B. bei dem Ruderklub ,Ivria‘) stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine der jüdischen Turnerschaft mußten zu Beginn des Krieges ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen eilten. Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen stellten gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C. (Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell jüdischer Verbindungen) rückten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach einer Statistik beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front und im Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt. Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge. So glaubte man z. B. allgemein nicht, daß der einzige Soldat, der bei meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein Jude war (der später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tüchtigkeit des jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt worden.3) Exempla docent. Die überaus große Zahl von Beförderungen, Dekorationen usw., über die sich jeder, namentlich z. B. im „Hamburger israelitischen Familienblatt“ '(informieren kann, gibt die beste Gewähr. Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich dahin auszusprechen, daß der 2) Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatieren, daß die in Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher Staatsangehörigkeit, in großer Zahl freiwillig zu den Fahnen eilten. 3) Anschließend mag noch bemerkt werden, daß in der bayerischen Armee Major Hollerbaum, der im September 1915 fiel, nicht der einzige aktive jüdische Offizier war. Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur einige namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. a. Außerdem gab und gibt es viele jüdische aktive Sanitätsoffiziere, Militärbeamte und auch untere Chargen.