Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 15 (14.4.1916)
- Date
- 1916-04-14
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Das Jüdische Echo Nr. 15 die französische Revolution, die alte Gesellschaftsordnung niederreißen, um Raum zu schaffen für die neue soziale Kultur, die an ihre Stelle treten soll. Nur vom Standpunkt der sozialen deutschen Zukunftskultur erhält das negative Werk des 19. Jahrhunderts Sinn und Rechtfertigung. Nunmehr ist uns die Grundlage gegeben zum Verständnis der weltkulturellen Aufgabe des Judentum. Es hat im letzten Jahrhundert in hervorragender Weise mitgewirkt an der Auflösung der alten westeuropäischen Gesellschaftsordnung und hat sich so schon in den Dienst der neuen sozialen Kultur gestellt, deren Vorbereitung jene negative Tätigkeit gegolten hat. So kann seine Aufgabe für die Zukunft sinngemäß nur in der positiven Mitarbeit am Aufbau dieser neuen Kultur bestehen. Liegt aber diese Aufgabe im Sinne seiner geschichtlichen Mission? — — — — — Welt-Echo Pessachurlaub im bayerischen Heere. Wie uns von wohlunterrichteter Seite mitgeteilt wird, will die bayerische Heeresverwaltung denjenigen jüdischen Offizieren und Mannschaften, die um einen Pessachurlaub einkommen, einen solchen, sofern es der Dienst erlaubt, für die beiden ersten und die beiden letzten Pessachtage bewilligen. Soweit dies tunlich ist, soll den Gesuchstellern durch einen Heimatsurlaub die Möglichkeit gegeben werden, auch den Vorabend des Pessachfestes bei ihren Angehörigen oder Freunden zu verbringen. Rituelle Verpflegung der Kriegsgefangenen. Das Kriegsministerium hat unter Nr. 315/1 16 U 2. G. E. verfügt, daß denjenigen jüdischen Kriegsgefangenen, die auf Brotgenuß am Pessachfeste verzichten, außer der bewilligten mäßigen Mazzos-Ration ein Pfund Kartoffeln pro Mann und Tag verabreicht wird. Auf Grund des kriegsministeriellen Erlasses vom 24. Dezember 1914 Nr. 1580/11. 14 B. 2, dürften sich die Inspektionen der Gefangenenlager überall damit einverstanden erklären, daß Gemeinden oder auch Gemeindemitglieder die auf Arbeitskommandos tätigen einzelnen jüdischen Kriegsgefangenen, wenn diese es ausdrücklich wünschen, mit einfacher Pessach-Kost versorgen, vorausgesetzt, daß die Speisen den Gefangenen durch Vermittlung der Wachthabenden verabreicht werden, ein direkter Verkehr mit dem Publikum also vermieden bleibt. Bei der Verteilung der kleinen Arbeitskommandos über das ganze Land muß in dieser Hinsicht alles der Initiative der Rabbiner, Lehrer, Kultusbcamten und Gemeindevorsteher überlassen bleiben. Burgfriede in Deutschland! Die „Alldeutschen Blätter“ bleiben sich selbst getreu, wenigstens in der Tendenz. Den Stil haben sie ein wenig ändern müssen. Statt „Juden“ sagt man „Galizianer“ — aber der Leserkreis versteht schon. Die Zeitung zieht gegen zwei große München, Weinstraße 13, altes Polizeigeb. Stets Eingang von Neuheiten. — Umarbeitung sämtlicher Zutaten. Preise billigst. linksliberale Blätter ins Feld, die in Sachen der U-Bootfrage nicht ins Horn der äußersten Rechten stoßen, und schieibt: „Es ist wohl eine geschichtliche Tatsache, daß sich die römischen Kaiser einstmals ihre Leibwachen aus Germanen gebildet haben, — nie und nirgends aber hat bisher ein deutscher König oder Kaiser seine „T r i a - r i e r“ aus Galizien bezogen. Sie werden gewußt haben, warum!“ Sind nun die vielen, vielen Gegner des U-Bootkrieges in seiner neuen Form, auch wenn sie nicht der Redaktion jener Blätter angehören, sämtlich — Galizianer? Die „Alldeutschen Blätter“ treiben auch wissenschaftliche Sprachstudien, als deren Niederschlag ein Zitat gelten mag, das sich auf amtliche Verfügungen der deutschen Behörden in Warschau, die in jidischer Sprache gegeben waren, bezieht: „Den in Frage kommenden Behörden scheint demnach nicht bewußt zu sein, daß das J i d i s c h und das als Gaunersprache bekannte Rotwelsch zwei eng verwandte und deshalb für deutsche Behörden wohl kaum ziemliche Mundarten sind.“ Auch in den Veröffentlichungen der unterdrückten Staatsbürgerzeitung, den „Büchern der Staatsbürgerzeitung“ finden sich interessante wissenschaftliche Studien. So wird hier entdeckt, daß die starke neue Bewegung zugunsten der deutschen Schrift von den Juden geschaffen worden sei. Hinter der alldeutschen Bewegung wehe „die blauweiße Judenfahne“. Wenn die Deutschen Jidisch schreiben, ist’s den Antisemiten nicht recht, und wenn die Juden Deutsch schreiben auch nicht. Festgottesdienste. Die Feldrabbiner des Westens ersuchen um Veröffentlichung folgender Nachricht: „Es kommt vor, daß jüdische Mannschaften infolge besonderer Umstände von den in regelmäßigen Abständen von drei bis vier Wochen unter Leitung des Feldrabiners (dem A.O.K. oder der Etappeninspektion zugeteilt) stattfindenden und gewöhnlich durch Divisions- oder Etappen-Inspektions-Befehl bekanntgegebenen Gottesdiensten im Felde keine Kenntnis erhalten. Es wird den Mannschaften dringend empfohlen, sich bei ihrem nächsten Vorgesetzten nach Ort und Zeit des jüdischen Gottesdienstes zu erkundigen“. Zur Beschlagnahme jüdischer Gebetbücher in Österreich teilt die Österreichische israelitische Union mit: Die „Wiener Zeitung“ brachte vor kurzem zwei Erkenntnisse über die in Lemberg erfolgte Beschlagnahme jüdischer Gebetbücher. Es handelt sich hiebei um die Erzeugnisse zweier Lemberger Verlagsfirmen, welche ausschließlich für den Gebrauch russischer Juden bestimmt waren und, den russischen Vorschriften entsprechend, ein Gebet für das Staatsoberhaupt enthielten. Mit dem Ausbruch des Krieges und nach der Besetzung Russisch - Polens entsprachen diese Gebetbücher nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen und es mußte die Beschlagnahme der noch vorhandenen Lagerbestände ausgesprochen werden. Unter den österreichischen Juden waren solche Gebetbücher niemals im Gebrauche. Morgenthau über Palästina. In einer Rede, die er neulich in der „Educational Alliance“ hielt, sagte Botschafter Morgenthau: „Palästina ist der Stolz der Juden. Dort können sie zeigen was sie