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Das jüdische Echo · 1916-04-07 · 14 (7.4.1916) · p. Seite 124

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 124 (sequence 8)
Language
German
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124 Das Jüdische Echo Nr. 14 lassen; die Rückgabe der Brotmarken an den Kommunalverband hat gemäß geltenden örtlichen Bestimmungen zu erfolgen. 4. Bestellungen, die nicht spätestens Mittwoch, den 12. April Vormittag in unserem Besitz sind, haben keine Aussicht auf Berücksichtigung. Ein jüdisches Reichswaisenhaus. Die Gründung eines Reichswaisenhauses für die Kinder gefallener jüdischer Krieger ist geplant. Die vorbereitenden Schritte sind Herrn Rabbiner Dr. Bamberger in Schönlanke iibrtragen. Um die Höhe der erforderlichen Mittel, die Größe des Bauplatzes usw. festzustellen, wäre es wünschenswert, schon jetzt die Zahl der in Betracht kommenden Kinder zu ermitteln, wozu die Synagogenvorsteher, Rabbiner, Lehrer und Kantoren Herrn Dr. Bamberger wichtige Hilfe leisten können. Die jüdischen Flüchtlinge in Rußland. In einem Aufsatz über die Flüchtlinge schreibt die „Frankfurter Zeitung“: Bisher gelang es der Moskauer jüdischen Hilfsgesellschaft nach unendlichen Schwierigkeiten, den Aufenthaltsort von insgesamt 298 2000 jüdischen Flüchtlingen festzustellen. Die Zahl der noch nicht ermittelten und vielleicht auch nie zu ermittelnden jüdischen Flüchtlinge wird von dem Komitee als weit größer angesehen. In und bei Irkutsk wurden für die Flüchtlinge allmählich 109 hölzerne Baracken errichtet. Das Elend dieser Menschen hat allerdings auch nach Errichtung dieser notdürftigen Unterkünfte nicht aufgehört. Da es sich meistens um Leute vom Land und um ungelernte Arbeiter handelt, so bestehen große Schwierigkeiten, die Leute zu beschäftigen. Die Erwachsenen können wegen Mangels an warmer Kleidung und Schuhwerk nicht einmal als Schneeschaufler verwendet werden. Aus demselben Grunde können die Kinder die Schulen nicht besuchen. Obgleich die Zahl der nach Irkutsk verbrachten Flüchtlinge kaum die Hälfte der Bevölkerungszahl der Stadt ausmacht, übersteigt doch die Zahl der Erkrankungen, unter denen Erkältungskrankheiten vor allem Epidemien wie Scharlach, Typhus, Dysentrie eine Rolle spielen, die Krankheitsziffer der eingesessenen Bevölkerung von Irkutsk um ein mehrfaches. Da für polnische und jüdische Flüchtlinge in Irkutsk Hilfsvereine vorhanden sind, so ist für diese angeblich etwas besser gesorgt als für die übrigen. Hilfsverein der deutschen Juden. Die diesjährige Generalversammlung findet Sonntag, den 9. April 1916, Vormittag 11.30 Uhr in Berlin, Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9 statt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. James Simon und Herr Dr. Paul Nathan, der Geschäftsführer i. E., werden über die Tätigkeit des Hilfsvereins im abgelaufenen Jahr, insbesondere über die Verhältnisse in den von den deutschen Truppen besetzten Teilen Rußlands berichten. Floss. In der kleinen Gemeinde Floss ergab eine Purim-Sammlung durch die Schülerinnen Erna und Julie Steinhardt Mk. 54.50; für^den Nationalfonds seit den Herbstfeiertagen Mk. 41.67. Adressen von bedürftigenjüdischen Soldaten sind in der Redaktion des „Jüdischen Echos“ stets zu erfragen. Feuilleton Kulturbilder aus Glückei von Hamelns Tagen i. Als wir nach Hamburg kamen, bin ich sogleich guter Hoffnung geworden und meine Mutter (sie soll leben!) mit mir zugleich. Der liebe Gott hat mir zu rechter Zeit gnädiglich zu einer jungen Tochter geholfen. Ich bin noch ein junges Kind gewesen. Obschon mir solch ungewohnte Sachen sehr schwer angekommen sind, so bin ich doch höchlich erfreut worden, daß mir der Höchste ein hübsches, gesundes Kind gegeben hat. Meine getreue, fromme Mutter hatte ihre Niederkunft auf dieselbe Zeit ausgerechnet. Sie hat aber eine große Freude darüber gehabt, daß ich zuerst ins Kindbett gekommen bin, so daß sie auf mich junges Kind ein wenig acht geben konnte. Acht Tage darauf ist meine Mutter ebenfalls mit einer jungen Tochter ins Kindbett gekommen. So ist denn kein Neid oder Vorwurf zwischen uns gewesen und wir sind in einer Stube beieinander gelegen. Wir haben keine Ruhe gehabt vor Leuten, die gelaufen kamen und die Merkwürdigkeit sehen wollten, daß Mutter und Tochter in einem Zimmer im Kindbett lagen. Um das Buch ein bisselchen zu verlängern, muß ich doch einen hübschen Spaß erzählen, der uns vorgekommen ist. Es war eine kleine Stube, wo wir zusammen lagen, und es war Winter und mein sei. Vater hatte ein großes Gesinde, so daß es uns in der Stube gar eng geworden ist, wenn auch Eltern und Kinder miteinander gern vorlieb nehmen. Ich bin acht Tage früher aus dem Kindbett gegangen als meine Mutter. Um die Stube ein wenig geräumiger zu machen, habe ich mich in meine Kammer hinaufgelegt. Da ich noch sehr jung war, hat meine Mutter nicht leiden wollen, daß ich bei Nacht mein Kind mit mir in meine Kammer nehmen sollte. So habe ich das Kind in der Stube gelassen, wo sie gelegen ist, und sie hat auch die Magd bei sich liegen lassen. Meine Mutter hat zu mir gesagt, ich sollte mich nicht um mein Kind bekümmern; wenn es weinte, sollte es die Magd zu mir hinaufbringen, damit ich ihm zu trinken gäbe; sie sollte es dann auch wieder von mir fortnehmen und in die Wiege legen. Damit war ich wohl zufrieden. Ich bin also etliche Nächte gelegen und die Magd hat mir immer so vor Mitternacht das Kind zum Säugen gebracht. Einmal bei Nacht wache ich ungefähr um drei Uhr auf und sage zu meinem Mann: „Was mag das bedeuten, daß mir die Magd das Kind noch nicht gebracht hat?“ Mein Mann sagt: „Das Kind wird gewiß noch schlafen,“ Ich aber habe mich nicht damit zufrieden gegeben und bin in die Stube hinabgelaufen um nach meinem Kind zu sehen. Ich gehe über die Wiege und finde mein Kind nicht darin. Da bin ich sehr erschrocken, habe aber doch kein Geschrei anfangen wollen, damit meine Mutter nicht aufwacht. Also habe ich angefangen die Magd zu schütteln und hätte sie gern leise aufgeweckt. Aber die Magd ist sehr verschlafen gewesen; ich habe erst anfangen müssen, laut zu schreien, ehe ich sie aus dem Schlaf kriegen konnte. Ich frage sie: „Wo hast *) Aus' „Denkwürdigkeiten der Gliickel von Hameln“, aus dem Jüdisch- Deutschen übersetzt, mit Erläuterungen versehen und herausgegeben von D. Alfred F e i 1 c h e n - f e 1 d. Jüdischer Verlag, Berlin.

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