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Das jüdische Echo · 1916-04-07 · 14 (7.4.1916) · p. Seite 119

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 119 langsame Zersetzung, ein trauriger Zerfall eingestellt. Erfahrungsgemäß hat sich die jüdische Schule gut bewährt. Die gute Durchschnittsintelligenz der Schule, das Interesse der Eltern an dem Fortschritt der Kinder gewährleisteten erfreuliche Resultate. Im deutschen Reich bestehen mindestens 800 jüdische Volksschulen, viele jüdische Mittelschulen, sogar in großen Städten, z. B. in Frankfurt/Leipzig, Fürth usw., so daß die Frage praktisch längst gelöst ist. Wenn erst einmal der große Zuzug der Landjuden, die positive Kenntnisse aus den jüdischen Dorfschulen mitbringen, versiegt, wird auch der letzte Jude einsehen, daß die städtische Erziehung, wie sie an vielen und den bedeutendsten Orten Bayerns gehandhabt wird, versagt. Wollen wir aber wirklich so lange warten? Ist es so schwer sich schon vorher zu verständigen, und der Liebe zum Judentum das zu zollen, was wir ihr schuldig sind, nämlich die gesicherte Erziehung zum Judentum? Eine die nicht abhängig ist von der Zeit und Fähigkeit einzelner Eltern, sondern die einer gediegenen Volksschule ihre Grundlage verdankt. Der Volksschullehrer, welcher Preußen großgemacht hat, darf auch uns nicht fehlen. Die heutige Zeit befiehlt es. Palästina~Hrbeiten des Jüdischen Nationalfond. Die Einleitung einer Notstandsaktion des JNF wurde in der Sitzung des Direktoriums vom 8. November 1914 beschlossen. Die steigende Arbeitslosigkeit in Palästina hat die Unternehmung von größeren öffentlichen Arbeiten zwecks Linderung der Not zur unabweisbaren Pflicht gemacht. In dem Direktoriumsbeschluß wurde hervorgehoben, daß die Aktion des Nationalfonds nicht für Unterstützungen bestimmt ist, sondern, daß er nach seinem Grundprinzip Arbeitsgelegenheit schaffen und zu diesem Zwecke Notstandsarbeiten und die Errichtung von Arbeiterhäusern in Angriff nehmen soll. Diese Notstandsaktion litt indes unter erschwerenden Umständen. Die Eingänge für diese neu geschaffene Rubrik des JNF sind nicht groß. Sie betragen bis Ende Februar kaum Frs. 15.000.— Andererseits haben es die politischen Verhältnisse im Lande nicht möglich gemacht, einen großzügigen Plan von öffentlichen Arbeiten zur Ausführung zu bringen. So ist z. B. die Erbauung von Arbeiterhäusern mit der Erlangung einer Bauerlaubnis verbunden und diese war, infolge der Ungunst der Verhältnisse, zum Teil aus militärischen Gründen, zum Teil infolge der unfreundlichen oder mißtrauischen Haltung örtlicher Behörden nicht immer zu bekommen. Als Beispiel der Schwierigkeiten sei angeführt, daß die Nivellierungsarbeiten auf den Dünen bei Jaffa, die mehr als hundert Arbeitern samt ihren Familien Arbeitsgelegenheit geboten hätten, nicht durchgeführt werden konnten. Dazu kommt, daß zahlreiche Baumaterialien, besonders Zement, hydraulischer Kalk usw. im Lande entweder nicht vorhanden sind, oder nur zu unerschwinglichen Preisen. So konnte unsere Notstandsaktion nicht immer und überall so systematisch in Angriff genommen werden, wie sie gedacht war. An der Durchführung von öffentlichen Arbeiten beteiligten sich mehrere Institute. Der amerikanische Hilfsfonds, der Palästma-Arbeiterfonds und die Immobiliengesellschaft „Palästina ermöglichten durch ihre Arbeitskredite an Arbeitsgenossenschaften Nivellierungsarbeiten, Wegebauten usw. vornehmlich in den Städten, wie Jaffa und Haifa. Die Hilfsaktion des JNF erstreckte sich auf die Kolonien. Ursache und Umfang der Arbeitslosigkeit sind in Galiläa und Judäa verschieden. In Galiläa hat die größere Mehrheit der Arbeiter in den genossenschaftlichen Farmen des JNF, sowie in privaten Farmen, einen gesicherten Arbeitsplatz. Nur die Saisonarbeiter, die zur Erntezeit herangezogen werden und zumeist aus Judäa kommen, sind durch den Kriegsausbruch brotlos geworden. So waren in Unter-Galiläa im Anfang des Krieges 450 jüdische Arbeiter beschäftigt, davon rund 200 auf den Farmen des JNF. Der Ablauf der Saison hat sofort ca. 100 Arbeiter überzählig gemacht und im November 1915 war die Zahl der Arbeitslosen durch den Zufluß aus Judäa und teilweise Einschränkung der privaten Betriebe auf fast 200 gestiegen. Während so in Galiläa etwa 40 Prozent der Arbeiter ohne Beschäftigung geblieben ist, gestaltete sich die Lage in Judäa noch schwieriger. Denn in Judäa sind die jüdischen Landarbeiter in höherem Grade von dem Arbeitsmarkt in den privaten Kolonien abhängig. Man schätzt ihre Zahl in Judäa auf ca. 1000, wovon die kleinere Hälfte in den Betrieben des JNF, der Agudath Netaim und auf privaten Farmen beschäftigt ist. Die Lage der Mehrzahl der Arbeiter, die auf private Kolonisten angewiesen sind, wird als äußerst kritisch bezeichnet. Die meisten Kolonisten haben aus Mangel an Mitteln ihre Arbeiten entweder eingestellt oder sehr beschränkt. Selbst diejenigen Arbeiter, die regelmäßig Arbeit haben, werden sehr unregelmäßig bezahlt. Barzahlung erhalten die Arbeiter nur in solchen Fällen, in denen die Kolonisten aus dem amerikanischen Hilfsfonds oder von anderer Seite besondere Darlehen zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter erhalten haben. In der Regel, berichtet das Palästina-Amt, sind die Arbeiter gezwungen, die Schuldzettel, die ihnen die Arbeitgeber anstelle des Barlohns ausfolgen, mit großem Verlust in den Geschäften für die Nahrungsmittel einzutauschen. Die Arbeitslöhne sinken dabei fortwährend, während die Lebensmittel immer teuerer werden. In Galiläa hat der JNF Häuserbauten unternommen und Assanierungsarbeiten durchgeführt. Für 20 Arbeiterhäuser in Merhawjah und Kinereth wurden im vorigen Jahre rund: Frs. 30.000.— ausgegeben. Ob weitere Häuserbauten in diesem Wirtschaftsjahre möglich sein werden, steht noch nicht fest, angesichts der bereits gekennzeichneten Schwierigkeiten. Die Assanierungsarbeiten umfaßten die Entsteinung und Umzäunung von Terrains in und neben Merhawjah, und die Austrocknung der Sümpfe in Kinereth, die die Hauptursache des Fiebers in dieser Gegend waren. In diesem Jahre werden diese Arbeiten fortgesetzt und ein Arm des Jordans, der gleichfalls den Gesundheitszustand der Einwohner gefährdete, verschüttet. Auch in Merhawjah werden einige Entwässerungsarbeiten durchgeführt, und der Umbau eines alten Brunnens. Die Arbeiten werden auf Grund von Berichten des verdienstvollen Leiters der Anti- Malaria-Abteilung des Herrn Dr. Hillel Joffe und der Pläne des Ingenieurs Kantor, und anderer Sachverständiger durchgeführt. Im Jahre 1915 wurden bereits für diese Zwecke rund Frs. 10.000.— ausgegeben, und die Aufwendungen in diesem Wirtschaftsjahre 5676 sind gleichfalls mit Frs. 10.000.— veranschlagt. In Judäa, wo die Notwendigkeit derartiger Ameliorierungen auf den Ländereien des JNF

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