Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 13 (31.3.1916)
- Date
- 1916-03-31
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Das Jüdische Echo Nr. 13 und der Bukowina während des Feldzuges bewiesen hat, und unterließ auch nicht, ihrer Leiden während der russischen Okkupation in herzlicher Teilnahme zu gedenken. Der Erzherzog erklärte, daß, obgleich im Sinne der Haager Konvention das okkupierte Gebiet auf Grund der russischen Gesetze verwaltet werde, der Grundsatz der Gleichberechtigung aller in Österreich- Ungarn anerkannten Religionsbekenntnisse vom Armeeoberkommando kurz nach Aktivierung der k. und k. Militärverwaltung mit der Verordnung vom 7. März 1915 proklamiert worden sei und seither in voller Geltung stehe. Hiemit sei entgegen allen anderweitigen Behauptungen der neutralen Presse von der in der Haager Landkriegsordnung (Art. 43) gebotenen Ermächtigung Gebrauch gemacht worden, im Falle unbedingter Unmöglichkeit von der Anwendung der Gesetze des Landes im okkupierten Gebiet Abstand zu nehmen. Eine solche unbedingte Unmöglichkeit habe eben die österreichisch-ungarische Militärverwaltung in der Anwendung von Ausnahmsgesetzen gegen eine bestimmte Religionsgesellschaft erblickt. Die Mitglieder der Deputation, welche der Mittagstafel beim Erzherzog zugezogen wurden, hatten auch Gelegenheit, sich im Hauptquartier den maßgebenden, mit der Militärverwaltung Russisch-Polens befaßten Funktionären vorzustellen. Auch diese Persönlichkeiten haben den Bestrebungen des Komitees im Sinne des Rechtsschutzes, der Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung des Okkupationsgebietes die Förderung der Organe der k. und k. Militärverwaltung zugesagt und in Aussicht gestellt, die informative Mitwirkung des Komitees nach Bedarf in Anspruch zu nehmen. Feuilleton Jüdische Sagen.*) In der Vorrede zu seinem Buche „Die Sagen der Juden“ sagt der Herausgeber Micha Josef bin Gorion: „Der Ursprung der jüdischen Sage liegt nicht allein in einem freien Drang zu fabulieren. Der Zweck ist weniger zu erzählen, als vielmehr die menschlichen Geschicke und die Geschicke der Welt auszulegen.“ So richtig diese Worte, so sehr sie auf die meisten jüdischen Sagen zutreffen, so beweisen doch einige der nachstehenden Sagen, daß auch einfach die Lust zum Fabulieren ohne Spintisieren das jüdische Volk zum Dichter werden ließ. Die Himmelsleitern. Über der Welt ist der Himmel Wilon. Wilon gleicht einem Vorhang aus Seide, welcher vorgezogen wird, wenn man drinnen ist, .und aufgezogen wird, wenn man ausgeht. In der Stunde, da der Morgenstern aufgeht, wird der Wilon vorgezogen vor dem Rakia, auf daß der Sonnenball die Erde nicht blende. Wenn die Sonne aber heimkommt, wird der Wilon wieder aufgezogen, auf daß Mond, Sterne und Tierkreise ihren Gang beginnen können. Aber eine hohe Leiter steht auf der Erde, und ihr Ende erreicht den Himmel; einen Raum von fünfhundert Jahresreisen ist sie hoch, und heilige Engel und hohe Fürsten haben über die Tore dieses Himmels zu befehlen. *) Aus „Die Sagen der Juden“ gesammelt und bearbeitet von Micha Josef bin Gorion, Verlag Riitten & Loening, Frankfurt a. M. Über dem Wilon ist der Himmel Schamaim; auf dem Schamaim ist eine Leiter, die reicht bis zu dem Rakia, und heilige Engel und Fürsten bewachen stets diesen Himmel. Über dem Schamaim ist der Rakia, und"auf dem Rakia steht eine Leiter, ihr Ende reicht bis zu dem Schechakim; heilige Engel und Fürsten sind dieses Himmels Wächter. Über dem Rakia ist der Schechakim. In Schechakim da liegt auch das obere Jerusalem und der heilige Tempel; an einer feurigen Kette hängen sie zwischen Schechakim und Sebul, und ihr Glanz erstrahlt von der Ferne wie der Glanz des Sonnenballs. Auch steht eine hohe Leiter in Schechakim, die führt bis zu Sebul, und Engel und Fürsten sind die Machthaber über diesen Himmel. Über dem Schechakim ist Sebul. In Sebul sind sieben Hallen in Feuer gebaut, und sieben Heere von Engeln stehen da, und sieben feurige Altäre sind dort aufgerichtet, da steht der oberste Fürst Michael an der Spitze der Scharen; wie ein Hohepriester, in Priesterkleider angetan, opfert er Feueropfer auf dem Altar des Herrn, und räuchert auf dem Rauchaltar, und läßt die Rauchsäulen emporsteigen auf dem Altar der Brandopfer. Heilige Engel sind die Wächter des Sebuls. Hoch über dem Sebul liegt der Maon. Darin sind Heere von Engeln und Schwärme von Dienern und Legionen von Kriegern und feurige Scharen mit ihren Fahnen und flammende Schlachtreihen; und aus ihren Kehlen ertönen am Tage Lieder und am Morgen Lobgesänge und Hymnen zu Mittag und fromme Weisen am Abend. Wie es aber Nacht wird, hören sie auf zu singen und stehen stille an ihrem Ort. Und auch in Maon steht eine hohe Leiter, ihr Ende reicht bis zum Makhon, und heilige Engel und Fürsten sind die Aufseher des Maons. Über dem Maon ist der Makhon; in dem Makhon fließen die Bäche von Balsamöl, die noch von der Schöpfung her für die Gerechten vorbereitet sind. Eine Leiter steht in Makhon, deren Ende reicht bis zu dem Araboth, und heilige Engel und hohe .Fürsten walten darüber. Uber dem Makhon aber wölbt sich der Araboth. Der Wildochs. Gelobt und gepriesen sei der Name des Königs aller Könige. Gelobt sei sein Name und verherrlicht sei sein Angedenken, der die ganze Welt ernährt und erhält von den Hörnern des Wildochses bis zu den Eiern der Laus. Der Wildochse ist ein reines Tier, und nur zwei davon sind in der Welt, ein Männlein und ein Weiblein; das eine ist im Morgenland und das andre im Abendland, und nur einmal in siebzig Jahren kommen die beiden zueinander und tun sich zusammen; dann aber dreht das Weibchen den Kopf und beißt das Männlein und schlägt es tot. Und das Weiblein wird schwanger und geht zwölf Jahre mit der Leibesfrucht umher. Bis zu dem zwölften Jahre geht sie noch auf den Füßen und frißt das Gras und trinkt das Wasser. Aber zu Anfang des zwölften Jahres fällt sie hin auf die Seite, denn die Füße tragen sie nicht mehr. Aber der Herr ernährt sie dennoch in seiner Barmherzigkeit; er läßt aus ihrem Munde einen Speichel fließen, der sprudelt wie ein Quell, und von diesem Wasser sproßt aufs neue Gras aus der Erde dem Weiblein zur Rechten und zur