Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 13 (31.3.1916)
- Date
- 1916-03-31
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 113 gehen der Juden zu Ihrer Kenntnis. Qez. Kafasow, Direktor; Boretzki, Sekretär; Winogradow, Registrator.“ Uber die Erörterung dieses schändlichen Schriftstückes in der Duma haben wir berichtet. Und treiben mit Entsetzen Scherz. Ein Korrespondent des „Berl. Lokalanzeigers“ veröffentlicht einen Aufsatz über Odessa und schreibt darin: „In den größeren Kinematographen halten sich die Darbietungen durchschnittlich auf der Höhe normaler Hafenvarietes, aber in den Winkelgassen der Vorstädte artet der Witz unter den Kinoartisten zur Zote aus. In Mode sind augenblicklich jüdische Hetzstücke, und da die Künstler selbst großenteils aus dem Ghetto stammen, glauben sie vielleicht besonders gut das traurige Schicksal vernichtetet jüdischer Existenzen zu einem Gelächter verzerren zu können.“ Wie muß das Ehrgefühl einer Bevölkerungsgruppe mit Füßen getreten worden sieiin, bevor 'in ihrem Schoße Ungeheuer erwachsen konnten, die zu solchem Tun fähig sind! Eine russische Gesetzesvorlage. Die in der „Arbeitsgruppe“ vereinigten radikal-oppositionellen Deputierten der Reichsduma wollen dieser einen Gesetzentwurf über die rechtliche Lage der Völker und Konfessionen Rußlands unterbreiten. Das Gesetz enthält die folgenden Paragraphen: 1. Alle Gesetze, die Beschränkungen für russische Bürger auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Konfession, Religion oder Nationalität enthalten, werden unverzüglich aufgehoben. 2. Alle administrativen Verordnungen, die auf Grund der in § 1 erwähnten Gesetze erlassen wurden, und alle anderen gesetzlichen Bestimmungen, die das Ziel haben, die Rechte der anderen Nationalitäten und Konfessionen Rußlands zu verkürzen, verlieren ihre Kraft. Es werden auch alle Beschränkungen aufgehoben, die sich auf die Bewegungs- und Bildungsfreiheit, sowie auf die Benützung der Muttersprache in Schule, Presse, Versammlungen usw. beziehen. 3. Für die Vorkommnisse, die der in diesem Gesetz festgelegten Gleichberechtigung zuwiderlaufen, tragen die betreffenden Behörden unter Anwendung des allgemeinen Strafrechtes die Verantwortlichkeit. Amerikanische Kriegshilfe. Das Vereinigte Hilfskomitee beschloß auf seiner letzten Sitzung eine neue Sendung von 614 000 Dollar ail die jüdischen Kriegsnotleidenden zu schicken. Diese Summe wird in folgender Weise verteilt. Für Rußland 200 000 Dollar; für Polen und Litauen 200 000 Dollar; für Galizien und Österreich-Ungarn 180 000 Dollar; für Palästina 30 000 Dollar; für Nordgriechenland 2500 Dollar und für die Juden auf den Dardanellen 1000 Dollar. — Insgesamt sind also bis jetzt aus Amerika über Millionen Dollar für jüdische Kriegszwecke geflossen. Neue jüdische Schulen in Ägypten. Die aus Palästina während des Krieges nach Alexandrien übersiedelten Juden haben dort, damit der nationaljüdische Unterricht der Jugend nicht unterbrochen wird, eine Reihe von Schulen gegründet. So sind im Verlauf des Jahres in Alexandrien entstanden: ein hebräischer Kindergarten für 120 Kinder, geleitet durch Frau Simchon, eine erfahrene palästinensische Kindergärtnerin; eine Schule am Kinderheim Wardian, geleitet von Fräulein Landau, der Leiterin der Eveline-Rotschildschule in Jerusalem. Das Programm dieser Schule ist das der Jerusalemer. Sie zählt 400 Schüler und Schülerinnen und wird von der Anglo-Jewjish-Association fin London subventioniert. Die aus den Herren Dr. Lurje, Dr. Bogratschow und Agronom Oettinger bestehende Schulkommission gründete ferner an der Gemeindeschule zwei Klassen für 80 Schüler und Schülerinnen, in denen alle Lehrgegenstände ausschließlich des Hebräischen unterrichtet werden, und deren Lehrprogramm dem der zionistischen Schulen Palästinas entspricht. Diese Schulen sind aber nicht ausreichend. Die Kommission beschloß daher die Gründung einer neuen hebräischen Schule im Zentrum der Stadt, wo die meisten jüdischen Flüchtlinge wohnen. An die Spitze dieser Schule wurde der Direktor des Gymnasiums in Jaffa, Dr. Bogratschow, gestellt und als Lehrer der Schule wurden palästinensische Pädagogen angestellt. Ein Brief russisch-jüdischer Gefangener aus einem Gefangenenlager in Österreich. Dem „Isr. Wochenblatt f. d. Schweiz“ schreibt man: Im Dezember besuchte uns eine Schwester des russischen Roten Kreuzes. Sie wurde von allen Gefangenen mit Ungeduld erwartet. Abgesondert von unseren Eltern und Familien haben wir alle geglaubt, daß wir ein freundliches Trostwort hören, einen warmen Gruß aus der Heimat erhalten werden. Doch im Gegenteil, Haß und Zwiespalt zwischen russischen Gefangenen verschiedener Nationalitäten wollte sie hineinbringen. Die erste und wichtigste Frage, die sie stellte, betraf das Verhalten der jüdischen und deutsch-russischen Gefangenen gegenüber den russischen. Das war der Hauptzweck ihrer Reise. Die gestellten Fragen beantwortete sie eigentlich selber oder sie legte die Antworten den Leuten in den Mund. „Wer sind Eure Dolmetscher?“ — „Deutsche und Juden“. „Wie ist ihr Benehmen? Schlecht, nicht wahr?‘ ‘Es wurde ihr gesagt, daß das Benehmen ganz persönlich war, schlecht oder gut. Dann antwortete sie: „Es ist selbstverständlich, daß sie schlecht sind. Die Juden sind grausam und quälen Euch, Soldatiki“ (Soldatchen). Bei der kleinsten Zustimmung vermerkte sie es in ihrem Notizbuch. Wir teilten ihr einen Fluchtversuch mit, wo ein Gefangener, der zweimal flüchtete, sich dabei eine Erkältung zugezogen hat, an deren Folgen er gestorben ist. Sie notierte den Namen dieses Gefangenen, wollte aber später, als sie erfuhr, daß er ein Jude ist, ihn streichen, was wir aber nicht erlaubten. Welchen Zweck hat diese anti-jüdische Propaganda? Welches neue Leid wird durch diese falschen Aussprüche und Verdrehungen in unserer Heimat für unsere Glaubensbrüder erwachsen? Die Sache macht auf uns den Eindruck, wie wenn der großen Spannung, die in Rußland herrscht, Abfluß und Ableitung auf die Juden gegeben werden soll. Erzherzog Friedrich über die Juden im Okkupationsgebiet. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: In den letzten Tagen wurde vom Feldmarschall Erzherzog Friedrich eine Abordnung des österreichischen Zentralkomitees zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung im nördlichen Kriegsgebiiet empfangen, die dem Lrzherzog mehrere die politischen und kulturellen Interessen der Juden im Okkupationsgebiet betreffende Wünsche unterbreitete. Der Armeeoberkommandant, welcher die Abordnung in huldvoller Weise empfing und im Verlauf der Audienz lebhaftes Interesse auch für alle Einzelheiten der einschlägigen Fragen bekundete, anerkannte in warmen Worten den Patriotismus, den die jüdische Bevölkerung Galiziens