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Das jüdische Echo · 1916-03-31 · 13 (31.3.1916) · p. Seite 112

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 Das Jüdische Echo Nr. 13 herausgegebene Zeitschrift wird sie berufen sein, mitzuarbeiten an der Bewältigung der Krisen, in denen die Juden in Polen, Litauen und Kurland stehen. Die Zeitschrift „Der Jude“ wird die soziologischen Umschichten behandeln, die auf die Struktur des gegenwärtigen Judentums einwirken. Neue Ausblicke für die jüdische Zukunft können dabei gewonnen werden. Die Probleme der Wanderung und Neusiedlung jüdischer Massen bedürfen einer allseitigen Darstellung. Sie sind durch den Krieg in ein neues Stadium getreten. Der Zusammenhang der jüdischen Wanderungsfrage mit den Zukunftsfragen des Orients und weltpolitischen Problemen verschiedener Art ist deutlich geworden. Besondere Darstellung soll finden, was die jüdische Kolonisation in Palästina bisher geleistet hat und welche Bedeutung und Entwicklungsmöglichkeit in ihr ruht. Grund und Sinn, die Arbeit und die Aussichten des Zionismus werden aufgezeigt werden. Die Zeitschrift „Der Jude“ wird keinen Zweifel daran lassen, daß im Judentum der Wille zur eigenen Art und eigenen nationalen Entwicklung vorhanden ist. Sie wird aus diesem Willen zur Selbstbehauptung heraus Kampf künden all dem, was Eigenart und Zukunft des Judentums verwischen und zerstören will. Sie wird der Ausdruck der jüdischen Selbstbehauptung sein, besonders, wenn es sich um die Abwehr feindseliger Angriffe handelt, gegen die sie nicht Entschuldigung und schwächliche Apologethik setzen will, sondern unbeirrte Darstellung desselben, was ist. Die Zeitschrift wird herausgegeben und geleitet von Dr. Martin B u b e r. Zur Mitarbeit werden Juden und Nichtjuden herangezogen, deren Äußerung die schaffende Gestaltung im Judentum orientiert, anregt, unterstützt. Sie rechnet auf das Interesse aller, denen jüdische Fragen ernst sind und verlangt die Aufmerksamkeit der Zeit für die Lebensfragen des jüdischen Volkes. Welt-Echo Der Beleidigungsprozeß einer Münchner Firma. Eine Berliner Konfektionsfirma hatte mit der Münchner Firma Otto Madlener eine Differenz gehabt, in deren Verlauf der Inhaber der Firma Madlener der Berliner Firma schrieb: „S i e gehören eben zu jener Sorte polnisch oder galizisch eingewanderter Juden, die niemals einen Sinn und Willen für deutschen Anstand habe n.“ Hierauf wurde die Firma Madlener wegen Beleidigung verklagt. Der Prozeß endete mit einem Vergleich, in dem der Beklagte die Beleidigung zurücknahm und sich verpflichtete, 30 Mark zu einem wohltätigen Zweck als Buße zu zahlen. Jüdische Beteiligung an der Kriegsanleihe. Die jüdische Gemeinde zu Berlin, die sich bereits mit 4.300.000 Mark an den ersten drei Kriegsanleihen beteiligt hat, zeichnete auf die vierte Kriegsanleihe aus Stiftungsmitteln 1 Million Mark. 17 jüdische Parlamentsmitglieder in Ungarn. Zum Mitglied der Unabhängigkeitspartei im ungarischen Parlament wurde Ernst Fisch aus Nagyleta gewählt. Mit ihm zählt der ungarische Reichsrat nunmehr 17 jüdische Mitglieder. Mazzos für Soldaten und Gefangene. Wie „Dr. M. L. B.“ der „Neuen Zürcher Zeitung“ mitteilt, hat die deutsche Regierung der „Vereinigten Schönlanker Mazzefabrik“ einen Auftrag auf mehrere hundert Zentner Mazzos erteilt, mit denen zum Pessachfest die jüdischen Soldaten und die jüdischen Gefangenen in den deutschen Gefangenenlagern versorgt werden sollen. Gründung eines Asyls für Kinder jüdischer Reservisten. Die Familien der zum russichen Heeresdienste eingezogenen jüdischen Reservisten befinden sich zum Teil in sehr bedrängten Verhältnissen. Die Sorge für deren Kinder, einige Tausend an der Zahl, hat eine eigene Vereinigung, die „Gesellschaft zur Unterstützung der jüdischen Kriegsopfer“ übernommen. Diese Gesellschaft hat zunächst ein Asyl zur Unterbringung von 300 Kindern ins Leben gerufen. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, daß es nicht genügt, wenn die Kinder nur tagsüber versorgt werden, sondern daß es notwenlig ist, ein Heim zu schaffen, in dem insbesondere kleine Kinder ständig untergebracht werden können. Zur Beschaffung der für ein solches Heim notwendigen Mittel, hat die Gesellschaft mit dem Besitzer des Vergnügungsetablissements „Palais de Glace“ ein Abkommen getroffen, nach welchem der Überschuß der Vorstellungen in dieser und nächster Woche ihr zufließen soll. Das Hetzschreiben der Ochrana. Die Pariser „Humanite“ veröffentlicht nunmehr den Wortlaut des gegen die Juden gerichteten Rundschreibens, um dessentwillen der Abg. Tscheidse neulich an den Ministerpräsidenten Stürmer eine Interpellation richtete. Das Regierungsschreiben lautet: „Ministerium des Innern, Abteilung der Polizei, 6. Gruppe, 9. (22.) Januar 1916. An die Gouverneure, Stadthauptleute, Bezirksvorsteher und Gendarmerieabtejilungen (politische Polizei) /in dien Provinzen. Nach den an die Polizeiabteilung gelangten Aufklärungen betreiben die Juden gegenwärtig mit Eifer die revolutionäre Propaganda, wobei sie geheime Gesellschaften gründen und zu dem Zwecke, allgemeine Unzufriedenheit in Rußland zu erregen, außer der verbrecherischen Wühlarbeit im Heere und in den großen Industriemittelpunkten Rußlands ebenso wie der Anstiftung von Ausständen noch die folgenden wichtigen zwei Maßnahmen anwenden: die künstliche Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel und das Aufsaugen des Bargeldes. In Erwägung, daß weder die Niederlagen im Felde noch die revolutionäre Propaganda auf die breiten Volksmassen einen ernstlichen Eindruck machen, haben die geheimen Parteigänger /Deutschlands sich vorgenommen, eine allgemeine Unzufriedenheit und eine Wühlarbeit gegen den Krieg durch eine Hungersnot und eine maßlose Verteuerung der Lebensmittel hervorzurufen. Bei der Knappheit des Bargeldes suchen die Juden der Bevölkerung Mißtrauen gegen das russische Papiergeld einzuflößen und seine Zahlkraft herabzudrücken, weiter suchen sie die Sparer zu veranlassen, ihre Guthaben aus den öffentlichen Kassen zurückzuziehen. Bei der Ausgabe russischer Schatzscheine verbreiten sie eifrig das Gerücht, Rußland sei bankerott, da es nicht einmal für Scheidemünze genug Metall besäße. Die weitreichende Beteiligung der Juden an dem hier gekennzeichneten verbrecherischen Vorgehen erklärt sich anscheinend durch ihren Wunsch, die Abschaffung der Wohnungsbeschränkung auf Judenbezirke durchzusetzen, wobei sie die gegenwärtige Lage Rußlands als die günstigste Gelegenheit ansehen, ihre Ziele durch eine Werbearbeit zu erreichen, die darauf ausgeht, einen Zustand ständiger Unruhe in Rußland wirksam zu erhalten. Die Polizeiabteilung bringt zu Ihrer Unterrichtung dieses Vor-

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