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Das jüdische Echo · 1916-03-24 · 12 (24.3.1916) · p. Seite 107

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
12 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 107 1 i t z k i, wurden als die verantwortlichen Urheber des berüchtigten geheimen Rundschreibens an die Gouverneure vom 9. Januar gegen die Juden, zwar ihrer Posten enthoben, doch wurde Plehwe unter Beförderung mit dem Titel eines Geheimrats und Hofmeisters zum Mitglied des Senats, Belitzki mit einem Jahresgehalt von 54 000 Rubel zum Gouverneur von Irkutsk ernanm. Keine englische Hilfe für die galizischen Juden. Dem „Nieuwen Rotterdamschen Courant“ wird aus London gedrahtet: Die englische Regierung hat beschlossen, daß die aus Galizien nach Rußland entführten Juden nur die Rechte der Kriegsgefangenen besitzen und ihnen durch die jüdischen Unterstützungskomitees nicht geholfen werden braucht. Wie nun der „Jewish Chronicle“ sagt, wird das in England für die jüdischen Kriegsopfer gesammelte Geld nicht für die Juden aus Galizien verwendet werden. Diese Notiz ist freilich nicht ganz klar. Hat die englische Regierung den jüdischen Hilfsgesellschaften verboten, den verschleppten galizischen Juden zu helfen? Oder haben die englischjüdischen Hilfsgesellschaften freiwillig darauf verzichtet den gefangenen „Feinden“ zu helfen? Jedenfalls offenbart sich hier wieder einmal die Tragikomik des jüdischen Volksschicksals. Zangwill als Lektor in Cambridge. Die Universität Cambridge hat den Schriftsteller Israel Zangwill aufgefordert, im Rahmen einer Vortragsreihe über russische Zustände über „Das jüdische Problem in Rußland“ zu sprechen. Es wird interessant sein aufzumerken, welchen Standpunkt Herr Zangwill seinen englischen Hörern gegenüber vertreten wird. Der „Jewish Chronicle“ als Deutschenfresser. Der „Jewish Chronicle“ hat einen neuen Anfall von Germanophobie gehabt. Ihn kränkt die deutschfreundliche Haltung der amerikanisch-jüdischen Presse, und deshalb versucht er, den Juden Englands und Amerikas einzureden, bei'der deutschen Regierung sei die Errichtung eines An siedlungsrayons in den besetzten Gebieten eine fest beschlossene Sache. ,In Rußland“, schreibt er hierzu, das „Yiddisch Tagblatt“ zitierend, „wurden wir verfolgt, weil man uns den Russen überlegen, tüchtiger und klüger als sie fand. Wenn wir aber von den Deutschen verfolgt werden, so wird es geschehen, weil man uns als unterhalb der deutschen Stufe der Intelligenz stehend betrachtet“. Wenn doch der „Jewish Chronicle“ einsehen wollte, daß die Entente bei der Wahrnehmung ihrer Interessen seiner Unterstützung nicht bedarf. Ein palästinensischer Aufruhr im „Secolo“. Der Mailänder „Secolo“ hat seiner italienischen Phantasie die Zügel schießen lassen und seinen Lesern folgendes aufgetischt: Der Gouverneur von Syrien und Palästina, D jemal Pascha, hat gemeinsam mit den Drusen vom Libanon eine Verschwörung gegen die Türkei angezettelt, die sich über ganz Syrien und Palästina erstreckt. Nachdem Djemal, der Jungtürke mit Talaat und Enver Pascha Abdul Hamid gestürzt hatte, verfeindete er sich grimmig mit Enver Pascha, und um diesen Todfeind, der warme Sympathien für die Franzosen hegt und die Spitzen der deutschen Militärmission haßt, unschädlich zu machen, habe ihn Enver Pascha nach Syrien gesandt. Jetzt sei er dabei, mit Hilfe Frankreichs sich gegen die Verpreußung der Türkei aufzulehnen, um zu verhüten, daß der deutsche Kaiser dem osmanischen Reiche seinen Militarismus aufzwinge. — Auf welche Seite sich die palästinensische Judenheit gestellt hat, das sich auszumalen genügte nicht einmal die Phantasie des „Secolo“. Feuilleton Das Ghetto in Koriu. Der südöstliche, von den alten venezianischen Festungswerken begrenzte Teil der Stadt Korfu, schreibt Elsner in seinem interessanten Buche „Bilder aus Neu-Hellas“, wird seit dem Beginn des XVII. Jahrhunderts von der dortigen jüdischen Gemeinde bewohnt. Vielstöckige, altertümliche Häuser bilden ein Gewirr enger, finsterer Gäßchen. Wir stehen hier auf historischem Boden, inmitten eines Volkes, dessen Geschichte reich ist an wechselvollen Begebenheiten und interessanten Zügen. Ansiedelungen von Juden im übrigen Griechenland sind auf die ältesten Zeiten zurückzuführen, aber den Boden Korfus betraten sie nicht vor dem XII. Jahrhundert. Dafür liegt ein Zeugnis des gelehrten spanischen Rabbiners Benjamin aus Tudela vor, der den Orient bereiste, um eine Vorstellung von der Lage seiner dort lebenden Glaubensgenossen zu gewinnen. Während damals in Arta und Naupaktos je 100, in Euböa und Krissi je 200 Juden wohnten und die Zahl der als die vorzüglichsten Purpurfärber und Seidenwirker geltenden Juden Thebens sich sogar auf 3000 bezifferte, traf er in Korfu nur einen Bekenner mosaischen Glaubens an, der das Färbergewerbe betrieb. Aber im XIII. Jahrhundert fand sich auch dort schon eine kleine, jedenfalls von Osten her eingewanderte Kolonie; denn sie bediente sich ausschließlich der griechischen Sprache, wie auch ihre Synagoge die „griechische“ hieß. Merkwürdig, daß das älteste Werk in griechischer Volkssprache eine für den Gebrauch in jener Synagoge bestimmte Übersetzung der Bücher Jonas ist. Das mit hebräischen Buchstaben geschriebene Manuskript befindet sich in Oxford. Aus der von der Unduldsamkeit und den Ausschreitungen des Pöbels leider genugsam verdunkelten Geschichte der Kolonie im XIII. und XIV. Jahrhundert treten die Gestalten der damaligen Herrscher Korfus, eines Philipp und Robert von Tarent, eines Karl III., einer Maria von Bourbon leuchtend hervor. Die von ihnen zu wiederholten Malen erlassenen Dekrete, worin die Gleichberechtigung ihrer jüdischen mit den andersgläubigen Untertanen eine nachdrückliche Betonung erfährt, liefern den erfreulichen Beweis, daß jene Fürsten der Einsicht und Milde nicht unzugänglich waren. Die Lage der Juden in damaliger Zeit darf überhaupt als erträglich bezeichnet werden. Die Steuern lasten nicht schwer auf ihnen, da sie gesetzlich wenigstens, nur verpflichtet waren, einen Teil der städtischen Beleuchtungskosten zu tragen. Sie waren als Bürger anerkannt und besaßen Einfluß und Ansehen. Dies erhellt sich aus der Tatsache, daß unter den Vertretern der Stadt, die im Jahre 1386 dem Dogen von Venedig die Bitte zu Füßen legte, sich fortan unter den Schutz dieser stolzen, mächtigen Republik stellen zu dürfen, sich auch der Jude David Semos befand, dessen Nachkommen noch heute zu den Zierden der jüdischen Gemeinde gehören. Der Vetmittluhg

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