Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 108 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Das Jüdische Echo Nr. 12 dieses vortrefflichen Mannes ist wohl auch der ein Jahr darauf erfolgte Erlaß des Großen Rats zu verdanken, der die jüdische Gemeinde seines ganz besonderen Wohlwollens versichert und sämtliche ihr bisher verliehenen Privilegien ausdrücklich bestätigt. Im Jahre 1406 taten sich die Tore des herzoglichen Palastes in Venedig abermals einer Gesandtschaft von Korfioten auf. Sie kam um die Ermächtigung zum Steinigen ihrer jüdischen Mitbürger ein. Hierzu erhielt sie nun zwar keine Befugnis, doch fiel es dem Großen Rat schwer, seine getreuen Untertanen gänzlich unbefriedigt die weite Rückreise antreten zu lassen. Und so wurden die Juden in anderer Weise getroffen, indem sie sich fortan angewiesen sahen, ein in gelber Farbe gehaltenes .0 von der Größe eines Brotes auf der Brust zu tragen, während die Frauen ihr Haupt mit einem gelben Tuch umhüllen mußten. Das zugleich mit diesem harten Erlaß verknüpfte Gebot, sich jeglichen Grundbesitzes zu entäußern, fand erst zwei Jahre später insofern eine Milderung, als den Juden dann wenigstens das Eigentumsrecht von Grundbesitz bis zum Werte von 4000 Dukaten zugebilligt wurde. Bis zum Beginn des XV. Jahrhunderts beschränkte sich die eigentliche Stadt auf die sogenannte alte Festung, während das jetzige am Meer gelegenen Korfu nur für ihren Vorort angesehen wurde. Zwischen beiden lag der von den Juden bewohnte Stadtteil. In diesen engen, von hohen Mauern umtürmten Gassen, vor denen der Haß des Pöbels verderbensinnend lauerte, ging ihnen ein Tag wie der andere trübe, freudlos und eintönig dahin. Nur ein in das Jahr 1776 fallendes romantisch-tragisches Ereignis wäre aus jener Periode der Knechtschaft und Tyrannei hervorzuheben: Er, der junge „Graf“, Sohn des Pfarrers an der Kirche vom heiligen Spiridon, hatte zu tief in die wunderbaren Augen der schönen Rahel geschaut und sich auch wohl vom Glanz der großen väterlichen Reichtiimer blenden lassen. Und sie, das unerfahrene, kaum 16jährige Mädchen wollte den Glauben ihrer Väter abschwören, um dem geliebten Manne ganz anzugehören. Er entführte sie zur Nachtzeit aus dem elterlichen Hause. Am folgenden Morgen sollten die Bekehrungs- und Hochzeitsfeierlichkeiten durch den Vater des Bräutigams stattfinden. Man denke sich nun das bewegte Bild des Kirchganges, das durch die Reihen der neugierig gaffenden Menschen nur mühsam vorwärts kommende Paar, die plötzlich herbeistürmenden Polizeibeamten, welche die Braut ihren Eltern mit Gewalt zurückzuführen suchen, die von den glühenden Worten des Pfarrers aufgestachelten, sich zu Beschützern der „Bekehrten“ aufwerfenden Volksmassen und schließlich nach der religiösen Zeremonie den von wildem Gejauchz und Triumphgeschrei begleiteten Einzug der Vermählten in das Haus des Bräutigams! Und der Schluß? Kurz nach der Hochzeit erfolgte die Gefangennahme der jungen Frau durch Beamte der venezianischen Regierung. Sie ging in einem der entsetzlichen Kerker Venedigs elend zu gründe. — Gewiß mußte das tragische Geschick dieses so schönen und unglücklichen Wesens, dem die Liebe zum Verderben wurde, die Dichter jener Zeit zu poetischer Behandlung einladen. Und so zählte diese rührende Geschichte bald zu den Lieblingsbüchern des griechischen Volkes. Sie erlebte in der Phönix-Druckerei zu Venedig mehrere Auflagen. Der Untergang der Republik Venedig führte erfreulicherweise auch das Ende jener mittelalterlich-barbarischen Zustände herbei. Die Mauern, die das Ghetto von der übrigen Stadt abschlossen, sanken, und an Stelle der Freiheitsbeschränkung, unter der die Juden bisher geseufzt, trat ihre dankbar und freudigen Herzens begrüßte völlige Gleichberechtigung mit den Christen. Unter der von 1814 an datierenden englischen Schutzherrschaft jedoch sahen sie sich die Ausübungsbefugnis der Advokatur abgesprochen, und erst nach der Vereinigung der jonischen Inseln mit dem Königreich Griechenland im Jahre 1863 kam jener rechtliche Unterschied zwischen Christen und Juden in Fortfall. Die gegenwärtige jüdische Gemeinde Korfus setzt sich aus verschiedenen Nationalitäten zusammen. Als im Jahre 1493 Ferdinand der Katholische in kurzsichtiger Verblendung seine jüdischen Untertanen in die Fremde stieß, fanden zahlreiche spanisch-jüdische Familien eine neue Heimat in dem meerumrauschten Korfu. Nach einem halben Jahrhundert sollte sich auch der Wohlklang der italienischen Sprache mit der spanischen und portugiesischen vermählen; denn da trug die blaue Meereswelle eine starke Kolonie verbannter Juden aus Apulien an Korfus Strand. Die Sprachen verschmolzen allmählich zu dem noch jetzt gesprochenen Dialekt, einer Mischung von italienischen und griechischen Worten, der dem Griechen wie dem Italiener gleich unverständlich ist. Die italienischen Flüchtlinge gründeten mit ihren spanischen Glaubensgenossen eine Synagoge, die zum Unterschied von der ältesten „griechischen“ die „apulische“ oder „spanische“ genannt wurde. Die im Jahre 1558 400 Mitglieder umfassende Gemeinde verdreifachte sich im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte und zählt gegenwärtig an 3000 Seelen. (Neues Wiener Journal.) Gemeinden* u.Vereins-Echo [Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Jüdischer Turn- und Sportverein. Am Sonntag, den 26. März, findet ein' Tagesausflug statt. Treffpunkt: Osthaltestelle der Trambahn Holzapfelskreuth (Waldfriedhof) um 7.15 Uhr. Marsch durch den Forstenrieder Park, Oberdill, Mühlthal, Steinbach. Proviant und Liederbücher sind mitzubringen. Fahrtkosten 85 Pfg. MV'Neuem! -120 Das erste in seiner Art! <Je\nev Schillerstraße 40 (nächst Hauptbahnhof) Fernsprecher 53820 Moderne behagl. Zimmer, elektr. Licht, Bad usw. Billige Preise. Vorzügliche österreichische Küche. Spezialität: Wiener Mehlspeisen, polnische u. böhmische Fische, pikante Frühstücke. — Erstklassige Getränke aller Art. Americ. Surgeon Dentist OSKÜR STUHL L o s. Nachf. JOSEF HERZOG Schillerstr. 43/1 Tel. 52600! ordiniert von 10—1 u. 3—5 Uhr. 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