Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 106 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Das Jüdische Echo Nr. 12 dieser Schwierigkeiten besteht heute die New Yorker „Kehillah“ als verbindende Körperschaft. In letzter Zeit wird die Idee eines beständigen jüdischen „Kongresses“ propagiert, der die legitime Repräsentanz der Gesamtjudenheit bilden soll. Gelangt diese Idee zur Ausführung, dann ist dem Assimilationsjudentum ein machtvolles, geeinigtes Nfo. t i o n ai j u d e n t u m entgegengestellt, dem die Zukunft gehören wird. — Welt-Echo Festgruß ins Feld. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland schreibt uns: Auch zum diesjährigen Pessachfeste wollen wir allen Heeresdienst tuenden Freunden eine Pessachgabe widmen. Die Pessachgabe des letzten Jahres, wie die Chanukahgabe hat unseren Freunden viel Freude bereitet und den Spendern herzlichen Dank gebracht. Darum haben wir auch für dieses Fest ein Buch als Liebesgabe gewählt: ein jüdischliterarisches Sammelbuch, dessen Zusammenstellung die Redaktion der „Jüdischen Rundschau“ besorgt und in dem Originalbeiträge und Übersetzungen aus der besten neuhebräischen und jidischen Literatur zu einem Bild jüdischen Schaffens zusamemngeschlossen werden. Wlir bitten alle, die uns bei unseren früheren Liebesgabensendungen in freudiger Bereitwilligkeit unterstützt haben, uns wieder zum Erfolg der Widmungsgabe zu verhelfen. Es gilt wiederum einmal, ein Zeichen des Verbundenseins denen zu senden, die die Zeit und die Pflicht unserer Arbeitsgemeinschaft entzogen, unserer Gesinnungsgemeinschaft und Freundschaft nicht entfremdet hat. Niemand wird sich ausschließen. Geldsendungen sind zu richten an die Adresse des Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg, Roscherstraße 5, Postscheckkonto Berlin 3847. Adressen jüdischer Soldaten, welche die Sammelschrift erhalten sollen, nimmt das Bureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, entgegen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Seelenfang. Der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden schreibt uns: „Von jüdischen Heeresangehörigen aus dem Felde sind uns Klagen darüber zu Ohren gekommen, daß der christliche Verein junger Männer in Lindenhorst ihnen Schriften zuschickt, die der Bekehrung der Juden zum Christentum gewidmet sind. Da gegen solche Belästigung eine gesetzliche Handhabe nicht besteht, so glauben wir durch die Bekanntgabe dieses geschmacklosen Verhaltens die jüdischen Soldaten darauf hinweisen zu sollen, daß sie von den ihnen zugehenden Schriften den geeigneten Gebrauch machen.“ Ahron Marcus. In Frankfurt ist der jüdische Gelehrte Ahron Marcus aus Hamburg im Alter von 74 Jahren gestorben. Marcus, der als Flüchtling aus Galizien nach Frankfurt gekommen war, galt als einer der tiefsten aber auch eigenartigsten Forscher des orthodoxen Judentums. Er hatte sich namentlich der hebräischen Sprachwissenschaft und der Geschichte der Chassidim zugewandt. Seit seiner frühen Jugend wirkte er in Krakau. Die Wahrung der jüdischen Interessen im Kriegsgebiet. Auf Anregung des Barons Louis Rothschild hat sich vor einiger Zeit ein österreichisches Zentralkomitee zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung im nördlichen Kriegsgebiet gebildet, dem als Präsident Landtagsabgeordneter Philipp Gomperz, als Vizepräsident Reichsratsabgeordneter K u r a n d a angehören. Vertreter des Komitees wurden von den Spitzen der Zentralbehörden und den leitenden Persönlichkeiten der für die Verwaltung der nördlichen Kriegsgebiete maßgebenden Ämter empfangen. In einer Reihe dringender, die staatsbürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung berührenden Fälle hat das Komitee in schriftlichen Vorstellungen Abhilfe erbeten. 350 413 Juden in Warschau. Eine von der jüdischen Gemeinde Warschau veranstaltete Volkszählung ergab, daß sich am 15. Februar 350 413 Juden in der Stadt befanden. Maxim Gorki zur Judenfrage. In der Zeitschrift „Jewrejskaja Nedjelja“ veröffentlicht Maxim Gorki einen offenen Brief, in dem es heißt: „Ich begreife, daß der Jude Grund hat, den Russen zu mißtrauen. Wir Russen haben uns eben etwas spät an die Erörterung der Frage von der Gleichberechtigung der Juden herangemacht. Doch die Erklärung dafür ist einfach: Sind wir doch auch mit der Fürsorge für uns selbst zu spät gekommen. Das Leiden ist schändlich und muß aufhören! Dies ist das Losungswort derer, die nicht heucheln wollen. Unsere Aufgabe ist es, alle Kräfte auf den Kampf gegen die Bedrückung der Menschen zu konzentrieren. Der Russe ist ein vernünftiges Wesen. Jetzt wird er doch endlich verstehen, daß auch die Juden russische Bürger sein können. Ich verhehle mir nicht, daß der gewinnliebende, faule russische Industrielle in der Absicht, sich vom deutschen Kapital zu befreien, in die Hände des britischen geraten ist. Vielleicht lernen wir endlich, daß die russische Industrie in jüdischen Händen immerhin eine russische sein kann, während sie in den Händen der Engländer und Amerikaner bestimmt eine englische oder amerikanische ist. Diese Erkenntnis ist nötig, wenn wir nicht wünschen, daß Amerikaner und Briten mit unseren produktiven Kräften, von deren Anspannung jetzt so viel gesprochen wird, Raubbau treiben.“ Die Unterdrückung jüdischer Blätter in Rußland. In der russischen Duma führte Bomasch (Progressist) aus, durch das Zirkular vom 18. Juli 1915 seien sämtliche Veröffentlichungen in jüdischer Sprache verboten worden, insgesamt sieben Tageszeitungen, zwei Wochen- und zwei Monatsschriften. Schon im vorigen Frühjahr seien im Militärbezirk Kiew alle jüdischen Blätter unterdrückt worden, in Odessa außerdem die hebräischen Veröffentlichungen. Schon seit Kriegsanfang sei der Briefwechsel in jüdischer Sprache nicht erlaubt worden. Somit sei der gesamten jüdischen Bevölkerung von sechs Millionen das Sprachrohr genommen worden. Im vorigen November sei in Petersburg die Neugründung einiger jüdischer Zeitungen zugelassen worden, aber alle seien kurz darauf wieder geschlossen worden. Selbst Zitate in jüdischer Sprache in russisch gedruckten Blättern, wie in der ersten Nummer des Organs für die Flüchtlirigshilfe, hätten entfernt werden müssen. Irgend ein besonderer Grund zur Unterdrückung habe in keinem Falle Vorgelegen. Der einzige Grund sei der Antisemitismus gewisser Persönlichkeiten sowie dunkle politische Motive. Belohnte Judenhetzer. Die Gehilfen des Ministers des Innern, die Herren Plehwe und Be-